Dem Leben gelassen entgegenblicken

Von einigen jungen Leuten im Netz lese ich desöfteren, dass alte Leute ständig meckern und ausgesprochen grimmig sind und ebenso aus der Wäsche gucken. Meine Erfahrung ist eine vollkommen andere.

Mit dem Älterwerden bin ich ruhiger und gelassener geworden. Meine Schwester nennt das liebevoll „altersmilde“. Nun habe ich in einer Studie gelesen, dass wir im Alter tatsächlich ausgeglichener, zuverlässiger und umgänglicher werden. Also ist mein eigenes Empfinden nicht so verkehrt.

Mit Katastrophen (den Tod meines Mannes nehme ich davon ausdrücklich aus) komme ich heute besser zurecht, als in jungen Jahren. Hier hilft auch die Lebenserfahrung, die man mit 20 oder 30 noch nicht hatte.  Wir haben schon einiges erlebt und dadurch gelernt mit Krisen umzugehen. Je älter ich werde, desto besser kenne ich mich selbst und weiß genau was ich will und was ich nicht will. Ab und zu habe ich natürlich auch meine Tiefpunkte, aber die gesammelte Erfahrung eines Lebens hilft mir schneller wieder aus dem „Loch“ zu kommen. Meinen Mitmenschen gegenüber bin ich heute nachsichtiger und milder. Ich rege mich lange nicht mehr so schnell auf, weiß ich doch, dass es sich meist nicht lohnt.

Natürlich gibt es auch ältere Menschen, die sich über alles und jedes aufregen und peinlich genau darauf achten, dass die Menschen in ihrer Umgebung alles richtig machen. Auch mir sind solche Exemplare begegnet. Ich denke oft, dass hier Einsamkeit dahinter steckt und Aufmerksamkeit gesucht wird. Vielleicht hilft eine Einladung zum Kaffee oder auf ein Gläschen Wein. Versuchen kann man es ja mal – vielleicht wirkt es Wunder.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Stimmt. Wir sind keine Granulär, Bruddler, Streithansel oder Sturköpfe sondern haben gelernt, geschmeidig durchs Leben zu gehen und soziale Kontakte zu pflegen. Wir können diese Eigenschaften bei unserer Leidenschaft, dem individuellen eisen in ferne Länder, gut anwenden und ausbauen. in diesem Sinne, daürfen wir viel Spass, beim weiteren Reif Werden wünschen.

    Gruss von http://www.wegsite.net

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  2. Endlich komme ich mal wieder dazu bei dir auf dem Blog vorbei zu schauen und dann gleich noch zu einem spannenden Thema!
    Also ich von der jungen Fraktion muss sagen, dass ich beides kenne. Allerdings kann ich dich selbst nicht so recht als Beispiel gelten lassen, denn du bist schon aufgrund deiner Medienaffinität sehr anders als viele deiner Altersgenossen (will sagen: jünger in diesem Sinne).
    Ich kenne aber beide Seiten. Meine Eltern und Schweigereltern, die sehr positiv und gelassen geworden sind, aber auch meine Großeltern, als sie noch lebten, die immer nur am maulen waren, weil sie einfach mit der modernen Zeit nicht mitkamen.
    Neulich habe ich mich in der S-Bahn einem älteren Ehepaar gegenüber hingesetzt, mein Handy ausgepackt und Nachrichten gelesen. Ich hatte Kopfhörer drin, aber die Musik war grad ausgegangen, als ich die Dame sagen hörte „Schau dir des an, diese Jugend soll unsere Rente bezahlen! Die drücken den ganzen Tag nur auf diesen Dingern rum. Sollen lieber was gescheites arbeiten gehen!“. Als ich aufsehe, gucken beide mich an. Habe kurz überlegt zu kontern, ob man mit zunehmendem Alter an Ignoranz dazu gewinnt, habs mir dann aber verkniffen, das wäre ja auch nur eine Klischeeerörterung meinerseits gewesen. Ich kenne ja schließlich auch ältere Leute, die anders sind…

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    • Ja, auch ich kenne Menschen, die sich nicht interessieren und nur maulen. Ich glaube aber ehrlich gesagt, dass die Leute schon immer so waren und sich das mit dem Alter nur noch verschlimmert.
      Leider kenne ich nämlich auch junge Menschen, die schon mit 20 in ihrer Denkweise alt sind und das kann ja mit zunehmendem Alter nicht besser werden.

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