Der Traum selbstständig zu sein

„Ach, du bist selbstständig, da hast du ja Geld und Zeit“

Ob ihr es glaubt oder nicht, dass höre ich desöfteren. Nein, so ist das wirklich nicht. Gut, ich kann als Webdesignerin zu Hause arbeiten, kann meine Zeit frei einteilen. Wenn ich mir aber tagsüber Zeit abknapse, muß ich diese nachts oder am Wochenende reinholen. Ich bin auch nicht reich – im Gegenteil. So manchen Monat, wenn die Aufträge nicht so hereingekommen sind, wie ich es eigentlich bräuchte, reicht das Geld nicht um die Kosten zu decken. Oft bin ich geplagt von Existenzängsten.

Viele sehen Bilder von Unternehmerinnen, die die Welt bereisen, in Designer Shops einkaufen und mit  High Heels (die mit den roten Sohlen) durch die Welt laufen. Sie sehen Ruhm, Glanz und Geld. Was nicht gesehen wird ist der Weg dorthin, die langen Nächte und Wochenenden mit viel Arbeit und wenig Schlaf. Die Zeit des Lernens und Dazulernens, die niemand bezahlt.

Gesehen wird auch nicht, dass es auch Mißerfolge und Tränen gibt. Unsere Kontoauszüge zeigen auch manchmal rote Zahlen und viele müssen noch Kredite abzahlen. Wir haben Angst und müssen uns immer wieder neu motivieren, um an den eigenen Erfolg zu glauben. Warum tun wir uns diesen Straß bloß an? Meist brauchen wir Jahre bis wir von unserem Einkommen auch anständig leben können und die meisten können sich trotzdem die Schuhe mit den roten Sohlen nicht leisten.

Ich sage nicht, das die Selbstständigkeit immer und für jeden so aussieht, aber ich kenne viele, denen es geht wie mir. Es gibt immer wieder Hochzeiten und ich denke: „So, jetzt hast du es geschafft“. Dann passiert wieder irgendetwas und alles ist komplett anders. Es gibt halt Dinge, die können wir nicht vorhersagen. Dinge, die wir nicht verhindern können, die nicht in unserer Schuld oder unserem Einfluß liegen. Wir müssen eine Zähigkeit entwickeln um all die Stürme überstehen zu können. Es kosten viel Mut und Kraft, damit wir unser berufliches Leben so gestalten können, wie wir es gerne hätten. Wir müssen bereit sein uns auch mit Unannehmlichkeiten noch wohlzufühlen.

Für den Weg in die Selbstständigkeit müssen wir viel mitbringen:

  • Mut und Kraft um auch in schwierigen Situationen dran zu bleiben.
  • Damit leben zu können, dass es keine finanzielle Sicherheit gibt.
  • Keine Angst zu haben zu Scheitern.

Auch heute noch, nach 6 Jahren Selbstständigkeit, habe ich manchmal Angst. Aber ich möchte auch nie wieder abhängig arbeiten. Meinen eigenen Weg zu gehen und selbstbestimmt das tun, was ich tun möchte, will ich nie wieder missen. Die Freiheit „Ja“ oder „Nein“ sagen zu können, ist für mich von grosser Bedeutung. Auch wenn das heisst, das ich doppelt soviel arbeiten muß, wie Angestellte.

 

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin,
    ich bin jetzt 15 Jahre selbständig, reise heute viel beruflich im Ausland und führe zudem meine Presseagentur. Was soll ich sagen: Neid muss man sich erarbeiten und ich weiß, viele wollten diese Entbehrungen und Anstrengungen, das Fehlen von Sicherheiten usw. nicht auf sich nehmen. Ich bin ebenfalls froh, diesen Weg gegangen zu sein und habe auch noch viele Ziele, die ich erreichen möchte – und erreichen werde!!

    Liebe Grüße, derzeit aus Marokko
    – auf Presse- und Recherchereise für mein Onlineportal „Lebensdomizile weltweit“
    Petra

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