Die wilden 60er Jahre – Meine Schulzeit

In diese Zeit fällt meine komplette Schulzeit. Damals wurden wir noch im Frühling, direkt nach den Osterferien, eingeschult.  Im April 1960 war es bei mir so weit. Ich war gerade mal fünfeinhalb Jahre alt.

Die einzigen Impfungen, die es zur damaligen Zeit gab, waren gegen Pocken und Kinderlähmung. Deshalb mußten wir Kinder durch alle Kinderkrankheiten durch. Ich hatte in diesem April Keuchhusten, eine schlimme Krankheit, die mehr als 6 Wochen andauerte. Die Folge war, dass ich 4 Wochen nach allen anderen eingeschult wurde. Also stand ich an meinem ersten Schultage ganz alleine mit einer Schultüte da. Bei meinen Mitschülern war das ja mittlerweile ein paar Wochen her, für Kinder in diesem Alter eine Ewigkeit. Mir schlug Unverständnis und teilweise blanker Neid entgegen. Eine Mitschülerin bespruckte mich sogar. Dieses Mädchen sollte auch in den nächsten Jahren häufiger durch assoziales Verhalten auffallen, war damals eher die große Ausnahme war.

Es gab zu dieser Zeit das dreigliedrige Schulsystem mit Volksschule, Realschule und Gymnasium und alle Kinder kamen zunächst einmal in die Volksschule. Meine Schule, die katholische Volksschule Lochnerstrasse in Köln, war ein uralter Bau. Wir hatten in der ersten Klasse noch Schulbänke mit fester Bank am aufklappbarem Pult und Tintenfässern. Diese wurden von uns natürlich nicht genutzt, denn wir hatten Schiefertafeln und Griffel zum Schreiben. Gibt es das heute überhaupt noch? Wir hatten noch Schulranzen aus dickem braunem Leder. Die Dinger waren schon leer verdammt schwer und bestimmt nicht gut für unsere Rücken.

Unser Schulgebäude war zweigeteilt, links die Mädchen, rechts die Jungs. Auch die Schulhöfe waren strikt getrennt. Das änderte sich erst Mitte der 60er Jahre. In meinem 6. Schuljahr hatte ich die erste gemischte Klasse. Ebenfalls 1966 wurde der Schuljahresbeginn auf  den Spätsommer verlegt, was mir 2 Kurzschuljahre (8 statt 12 Monate) einbrachte. Gleichzeitig wurde die Pflichtschulzeit von 8 auf 9 Jahre verlängert.

In den gesamten 60er Jahren waren die Lehrer noch absolute Respektspersonen. Für einige davon war auch die Prügelstrafe ein adäquates Erziehungsmittel (lest hierzu meinen Beitrag „Die geprügelte Generation“). Herr Jendrisek, in der 6. Klasse mein Klassenlehrer, vergriff sich nur an den Jungs. Frau Schmitz hingegen, die meistgehaßte Lehrerin der ganzen Schule und im 7. und 8. Schuljahr meine Klassenlehrerin, machte da keine Unterschiede. Am liebsten kniff sie uns mit 2 Fingern in die Wange und drehte diese dann um. Das brannte wie Feuer. Ihr müßt aber nicht denken, dass, wenn wir uns zu Hause bei den Eltern beschwerten, und diese zur Hilfe kamen. Die obligatorische Antwort auf unser Klagen war: „Dann hast du es auch verdient“.

Die ganze Schulzeit war ausgesprochen streng. Bis Mitte der 60er Jahre hatten wir auch Samstags Unterricht. Das verkürzte sich dann auf 2 Samstage im Monat. Zusätzlich mußten an 6 Tagen in der Woche nach der Schule und dem Mittagessen erst einmal Hausaufgaben gemacht werden. Da wir ab der 6. Klasse bis 14 Uhr Unterricht hatten, blieb nicht viel Freizeit. Wie wir diese gestaltet haben, berichte ich euch ein anderes Mal.

Im Herbst 1968 begann ich meine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Auch das wird ein neues Kapitel und ein neuer Post.

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin, das kenne ich noch. Ich bin 1967 eingeschult worden. Damals herrschten noch andere Sitten. Das war auch in den 70er Jahren noch so. Da gab es schon mal was an die Ohren. War nicht so lustig.

    Die Lehrer heute tun mir aber auch leid. Entweder kümmern die Eltern sich nicht um die Erziehung oder es gibt „Übereltern“, die sich in alles einmischen.

    Liebe Grüße Sabine
    Sabine Gimm kürzlich veröffentlicht…Samstag ist KampfputztagMy Profile

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  2. Liebe Karin,
    das ist ein Zurückbesinnen in die Vergangenheit. Ich schreibe morgen etwas Ähnliches. Allerdings bin ich noch einmal etliche Jahre älter.
    Ich habe deine Ausführungen mit großem Interesse gelesen. Danke für diese gute Darstellung.
    Einen angenehmen Wochenteiler wünscht dir
    Irmi

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  3. Oh, welche Nostalgie. Ich hatte auch noch Schiefertafel und Griffel und einen Lederranzen der natürlich nicht neu war. Später wurde mit Bleistift geschrieben und dann mit einem Füller wo man die Tinte wie mit einer Spritze auffüllen musste und der ewig kleckste. Geschlagen wurden wir von unseren Lehrern nicht mehr aber es gab Lehrer die die Jungs an den Ohren zogen. Das war schmerzhaft für die Betroffenen und nicht weniger schlimm als Schläge. Samstagunterricht kenne ich auch noch.
    Beste Grüße Marie
    Marie kürzlich veröffentlicht…Das TagebuchMy Profile

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    • Nostalgie, oh ja. Ich arbeite gerade die Sechziger auf. Es kommt noch Freizeit und Gesellschaft. Ist ein eigenartiges Gefühl, sich in diese Zeit zurück zu versetzen.
      Danke für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße Karin

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