Irgendwann ist es so weit

Meine Tante hat bis zu Ihrem 82. Lebensjahr selbstbestimmt und ohne große Hilfe in ihrer Wohnung in Köln leben können. Das wäre wahrscheinlich auch noch ein paar Jahre so gegangen, wenn es ihre Tochter (meine Kusine) durch Heirat nicht nach Trier verschlagen hätte. Tantchen zog natürlich mit und hat dort noch einige gute Jahre in einer kleinen Wohnung innerhalb einer sehr schönen Alten-Wohnanlage gelebt. Erst die letzten beiden Jahre benötigte sie Pflege, bis sie dann mit 90 Jahren starb.

Leider ist das nicht jedem so vergönnt. Es ist nicht unbedingt nur eine Frage des Alters, wenn man immobil wird. Auch eine schwere Krankheit oder ein Unfall, kann uns in unserer Mobilität stark einschränken. So geht es uns im Moment. Durch eine schwere Krankheit kann sich mein Mann ohne Gehilfe kaum noch fortbewegen. Von heute auf morgen gibt es vieles zu Bedenken: Pflegestufe beantragen, Gehilfe besorgen, mit der Krankenkasse korrespondieren usw.

Wir wohnen zwar im Erdgeschoß, aber trotzdem ist die Wohnung alles andere als Barrierefrei, also in keiner Weise Behindertengerecht. Es ist einfach nur Horror, mit wie vielen Stellen man sich nun auseinandersetzen muß. Ich habe ein wenig im Internet recherchiert und bin auf  die DGS-Seniorenberatung aufmerksam geworden. Hier wird man kostenlos beraten zu Themen wie: Wohnraumanpassung, Alltagsunterstützung, Hilfsmitteln und vieles mehr. Ein Großteil der Beraterinnen und Berater ist in meiner Altersgruppe, die – wie ich nachlesen konnte – bei der Personalauswahl bevorzugt werden. Ich finde das klasse! Die gehen mit gutem Beispiel voran und bei mir schafft das Vertrauen. Hier kann man alle Fragen loswerden und bekommt kompetente Hilfe. Auf Wunsch werden auch entsprechende Dienstleister vermittelt. Für die Interessierten unter euch gibt es mehr Informationen über die Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung bei You tube. In meiner jetzigen Situation, die ja für mich vollkommen neu ist und der ich relativ hilfslos gegenüberstehe, bin ich großartig beraten worden.

Mir war es ein Bedürfnis, das heute loszuwerden und es ist vielleicht für den einen oder anderen von euch auch interessant, wie man zum Beispiel den Eltern oder sich selbst ermöglichen kann, möglichst lange selbstbestimmt in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus zu leben.

Mir haben die letzen Wochen klargemacht, wie schnell im Leben – von jetzt auf gleich – alles anders sein kann und, dass es garnichts mit Alter zu tun hat. Es kann leider jeden treffen.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Das mit deinem Mann tut mir sehr leid, aber ich finde es umso toller, dass du diesen Artikel geschrieben hast und hoffe, dass du damit ein paar Denkanstöße liefern konntest!

    Ich habe leider eine ganz anstrengende und aufreibende Erfahrung mit meinen Großeltern machen müssen, die sich nicht nur Zeit ihres Lebens nie mit der Frage beschäftigen wollten „was ist denn >wenn<…", sondern es gegen unser aller Ratschlag tatsächlich durchgezogen haben mit knapp 80 Jahren von einer großzügigen EG-Gartenwohnung in eine schmale Wohnung im 1. Stock zu ziehen. Selbstverständlich ohne Aufzug und mit null Chance die Wohnung auch nur ansatzweise barrierefrei umzubauen.

    Das Ende vom Lied war, dass meine Großeltern nach wenigen Jahren nicht mehr treppensteigen konnten, Flur, Bad und Küche zu eng waren, um dort den Rollator zu benutzen und sie auch nicht mehr in die Badewanne steigen konnten. Da mussten sie dann halt ins Heim, was sie uns nie verziehen haben. Wir hätten es auch gerne anders gehabt… Die alte Wohnung hätte man problemlos barrierefrei umbauen können.

    LG, Roxy

    Antworten

    • Vielen Dank liebe Roxy,
      ja, wir hätten in unserem Alter noch lange nicht mit so etwas gerechnet. Manchmal ist das Leben halt ein Arsch…..
      LG, Karin

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