Katers Kolumne – Rückblick Juni 2015

Wie ich schon in der Mai-Kolumne geschrieben habe, war Herrchen im Krankenhaus. Zu Pfingsten durfte er zur Erholung nach Hause, das war schön. Doch meine Freude währte nicht lange, den die Stimmung war irgendwie komisch und nichts war so, wie ich es gewöhnt bin.

Aus den Gesprächen konnte ich heraushören, dass Herrchen zusätzlich zu seiner Pustekrankheit (so nenne ich seine COPD immer) auch noch Krebs bekommen hat und sein ganzer Körper bereits voller Metastasen war. Was auch immer das ist, es schien sehr schlimm zu sein. Ein schöner Tag war der Besuch von Frauchens Schwester und Schwager, die mit mir gespielt haben. Der Schwager hat gekocht – strickt nach Herrchens Anweisungen. Das war lustig und hat toll geschmeckt. Ich kann das beurteilen, denn ich habe etwas vom Fleisch abbekommen.

Dann aber mußte Herrchen wieder in dieses blöde Krankenhaus zur Chemotherapie. Sein Arzt hatte ihm gesagt, dass er ohne das nur noch Wochen, mit Chemo vielleicht noch Monate zu leben hat. Als ich das hörte, war ich sehr erschrocken. In der ersten Nacht im Krankenhaus bekam er dann auch noch eine Lungenentzündung – mein armes Herrchen. Kaum war diese abgeklungen wurde ihm noch die Chemo verpaßt. Frauchen erzählte mir, dass es ihm garnicht gut geht. Ich war vollkommen iritiert. Was passiert da mit meinem besten Kumpel? Ich versuchte mich mit Rundgängen in meinem Revier abzulenken, was mir nicht wirklich gelang. Meine ganze Katerwelt war auf einmal vollkommen auf den Kopf gestellt.

Nach anderthalb Wochen holte Frauchen unser Herrchen zu uns nach Hause. Ihr könnt euch meine Freude vorstellen, dachte ich doch, jetzt wird alles besser. Aber leider war es nicht so. Es ging ihm von Tag zu Tag schlechter. Viele Menschen in weissen Kitteln kamen und gingen und es war ständig Unruhe im Haus.

In der Nacht zum 20. Juni drang so ein Mistkater in mein Revier ein. Da er auf meine Drohungen nicht reagierte, war ich gezwungen Gewalt anzuwenden. Schließlich mußte ich meine Menschen und unseren Garten beschützen. Leider ging der Kampf nicht ohne Verletzungen ab und es ging mir sehr schlecht. Ich wollte nur noch auf dem Terrassenstuhl liegen und alle sollten mich in Ruhe lassen.Sonntag kamen dann Herrchens Sohn Daniel mit seiner Frau Anna und er sah zum ersten Mal seinen 3 Monate alten Enkelsohn Carlos. Nach langer Zeit zauberte ihm dieses kleine Menschenkind ein Lächeln aufs Gesicht.

Am Montagmorgenein war Frauchen total verzweifelt, als es mir  immer noch nicht besser ging und machte direkt einen Termin bei Tante Tierarzt für den späten Nachmittag. Ich hatte eine Zerrung am Pfötchen und eine Bißwunde am Bauch (was Frauchen nicht wußte – sie hatte nur das mit dem Bein gesehen), die sich sofort infiziert hatte und voller Eiter war. Anschließend rief sie ihre Schwester um Hilfe, die auch am Mittag sofort mit „dem Mann“ herbeieilte.

Zwischenzeitlich spürte ich, das mein Herrchen mich dringend brauchte und kroch mehr, als ich ging neben ihn ins Bett. Ich legte mich ganz nah zu ihm. Er schlief zwar, aber irgendetwas passierte. Ich kuschelte mich noch näher, damit mein bester Kumpel keine Angst haben sollte. Gegen 14 Uhr atmete er nicht mehr. Ich habe ihn trotzdem nicht verlassen und hätte man mich nicht später eingepackt und zum Tierarzt gefahren, wäre ich auch weiter bei ihm geblieben.

Nun sind Frauchen und ich alleine – ich kann das garnicht glauben. Meine Bißwunde verheilt langsam und mir geht es körperlich gut, aber die traurige Stimmung will nicht weichen.

Auch wenn jetzt alles anders ist, werde ich nächsten Monat bestimmt besseres berichten können.

Bis dahin, haltet die Ohren steif!

Euer Kater Anthony Malo Miau

 

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebes Schwesterchen,
    immer, wenn ich „Hey“ höre, denke ich an Bernd und dich und diese letzten Wochen…

    HEY (von Andreas Bourani)

    Wenn das Leben grad zu allem schweigt
    dir noch eine Antwort schuldig bleibt
    dir nichts andres zuzurufen scheint als Nein
    Es geht vorbei

    Wenn der Sinn von allem sich nicht zeigt
    sich tarnt bis zur Unkenntlichkeit
    wenn etwas hilft mit Sicherheit, dann Zeit
    Es geht vorbei, es geht vorbei

    Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
    es ist ok wenn du fällst
    auch wenn alles zerbricht
    geht es weiter für dich

    Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
    auch wenn dich gar nichts mehr hält
    du brauchst nur weiter zu geh’n
    komm nicht auf Scherben zum steh’n

    Wenn die Angst dich in die Enge treibt
    es fürs Gegenhalten nicht mehr reicht
    du es einfach grad nicht besser weißt
    dann bleib
    es geht vorbei

    Wenn jeder Tag dem andern gleicht
    und ein Feuer der Gewohnheit weicht
    wenn lieben grade kämpfen heißt
    dann bleib
    es geht vorbei, es geht vorbei

    Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
    es ist ok wenn du fällst
    auch wenn alles zerbricht,
    geht es weiter für dich

    Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
    auch wenn dich gar nichts mehr hält
    du brauchst nur weiter zu geh’n
    du brauchst nur weiter zu geh’n

    Antworten

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