Lebenslinien – Interview mit Renate L. Nolte

Renate ist eine interessante und hochspannende Frau. Sie ist Dipl. Psychologin und Psychotherapeutin und möchte dies auch noch sehr lange bleiben. Unter dem Namen „Tonart Bensberg“  hilft sie „Wege und Umwege zu sich selbst“ zu finden.

Nun dürfen wir im heutigen Interview einiges über Renate selbst erfahren.

Wenn du ans Älterwerden denkst, was ist für dich das Schönste, was das Schlimmste daran und was macht dir am meisten Angst?

Das Schönste ist für mich, daß ich mit viel Lebenserfahrung ans Leben rangehe. Ich bin gelassener, habe zu Vielem mehr Distanz. Ich kann sehr viel weitergeben und die Ruhe bewahren. Ich nehme Vieles nicht mehr ganz so ernst.

Das Schlimmste ist, daß die Gesellschaft – nicht meine Freunde und Freundinnen – mich in die Kategorie „Rentner“ stecken. Einerlei, ob sie schreien: „Toll, in Deinem Alter noch…!“ oder „In Deinem Alter willst Du noch jemanden kennenlernen und ein erfülltes Sexleben haben?“

Angst kenne ich keine. Manchmal frage ich mich, ob ich das Alter dank guter Gesundheit lange genug werde genießen können. Als ich 30 Jahre alt war, standen die nächsten 30 Jahre als verheißungsvolle Zukunft vor mir. Jetzt mit 64 baue ich mir eine andere Zukunft von 30 Jahren, ziehe aber mehr in Betracht, daß alles auch ganz anders kommen kann.

Welche Vorteile siehst du in deinem Alter gegenüber der jungen Generation?

Ich bin in den 50er Jahren aufgewachsen, meine Eltern mußten bei Null anfangen. Ich kenne also Beides: Als Kind aus dem, was die Natur und die Umgebung mir bieten, etwas machen und ganz viel haben. Ich scheue keine Einschränkungen, keine Niederlagen, keine Tiefs. Ich habe mich eingesetzt und revoltiert, wenn es um Gerechtigkeit und die Rechte der Frauen ging. Die heutige Jugend kommt mir oft sehr egoistisch vor (nicht alle). Sie stellen wie selbstverständlich Ansprüche, sind mehr Nehmer. Ich fürchte, daß sie mit Niederlagen und Einschränkungen schlechter umgehen können, weil sie auch andere Werte haben. Ich wünschte, sie würden endlich revoltieren.

Was war deine schönste und was deine schlimmste Erfahrung in deinem bisherigen Leben?

Ich habe viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen gehabt. Es waren wunderbare Begegnungen mit Menschen, an die ich mich immer noch gerne erinnere: gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, Projekte.

Viele haben in meinem Leben eine bedeutsame Rolle gespielt und wirken z.T. jetzt noch nach.Die allerschlimmste Erfahrung war meine Liaison mit einem Soziopathen. Dieses Trauma hat mich viele Jahre meines Lebens gekostet, bis ich es endlich aufgearbeitet habe.

Welche Lebensphase hast du als deine glücklichste empfunden?

Meine Studentenzeit in den 70ern. Da glaubte ich noch, etwas bewirken zu können. Und die Zukunft lag wie ein offenes Buch vor mir mit all ihren Möglichkeiten.

Was war das schönste Geschenk, das du je bekommen hast?

Alphonso, mit dem ich in den 80ern liiert war, hat mir eine Baccararose geschenkt und viele Gedichte über mich und über meine Schönheit geschrieben. (Er war ein damals sehr bekannter spanischer Dichter)

Sind deine Lebensträume wahr geworden?

Jein!
Ich wollte einmal eine Familie mit 6 Kindern haben. Zum einen fand ich nicht den passenden Partner, der auch ein guter Vater geworden wäre. Zum anderen mußte ich mich zwischen Beruf und Familie entscheiden (ging damals nicht anders). Ich habe nicht studiert, um dann zuhause zu versauern.

Ich wollte immer etwas für Menschen tun, damit sie ein glückliches und erfülltes Leben führen können. Dieser Aufgabe komme ich immer noch nach.

Wohin möchtest du noch reisen, was noch erleben, was noch lernen?

Reisen möchte ich in die skandinavischen Länder und nach Finnland, Island und noch einmal Schottland. Und wieder nach Spanien!

Ich möchte noch einmal eine Partnerschaft eingehen. Bin jetzt wirklich reif für eine erfüllte Beziehung.

Ich bin sehr neugierig und wißbegierig, lerne immer wieder Neues kennen, indem ich Menschen begegne, die mir etwas nahebringen, was ich noch nicht kenne. Und ich wünsche mir, daß das so bleibt. Ich weiß also nicht, was da noch auf mich zukommt.

Wie stellst du dir dein Leben mit 70, 80 oder älter vor?

Nicht viel anders als heute:
Ich werde immer in meinem Beruf (Psychotherapie, Coaching) wirken. Das ist meine Lebensaufgabe, meine Berufung. Vielleicht werde ich um Mentoring erweitern.

Ich hoffe, in einer Partnerschaft zu leben und viele Kurztripps innerhalb Europas machen zu können.

Ich plane, zusammen mit anderen in einem großen Haus zu leben. Jede/r, jedes Paar hat eine eigene Wohnung. Das Haus hat einen Gemeinschaftsraum und einen Gemeinschaftsgarten. Wir unterstützen uns gegenseitig beim Älterwerden.

Hast du Angst vor dem Tod?

Nein, nur vor Siechtum.

 

Vielen Dank liebe Renate.

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