Odyssee Krankenhaus

Seit mehr als einem Jahr leide ich immer wieder unter extremer Heiserkeit. Es gibt Tage, da kann ich so gut wie gar nicht sprechen. Dann ist die Stimme wieder vollkommen normal. Aufgetaucht sind diese Beschwerden in der letzten Krankheitsphase meines Mannes. Das brachte mich zu der Selbstdiagnose, es könnte psychische Ursachen haben. Wie sagt der alte Spruch so schön: „Das verschlägt einem die Sprache“.

Nach Bernds Tod waren so viele Dinge zu erledigen, dass ich meine immer stärker werdende Heiserkeit in den Hintergrund schob. Im März endlich war es dann so weit. Ich suchte mir einen neuen Hausarzt, den ich in Köln ja noch nicht hatte, um die obligatorische Überweisung zum HNO Arzt zu bekommen. Gesagt, getan – einen Termin bekam ich dann für Ende Mai!!!

Untersuchung – Diagnose: Polyp am Stimmband und Überweisung in ein Krankenhaus zur Entfernung des lästigen Dings. Ich sollte dann Anfang August (bei den Wartezeiten für Facharzt- und Krankenhaustermine kannst du inzwischen gestorben sein, falls es etwas schlimmes sein sollte) morgens um 8 Uhr nüchtern dort in der Ambulanz erscheinen. Für mich hörte sich das so an, als ob die kleine OP dann sofort vorgenommen wird. Zusammen mit meiner Schwester saß ich dann pünktlich im Warteraum des Klinikums Köln-Holweide. Entgegen allem, was ich schon gehört hatte, kam ich recht schnell – nach anderthalb Stunden (im Gespräch waren Wartezeiten von bis zu einem halbem Tag) an die Reihe.

Zunächst wurden alle üblichen Fragen gestellt, wie Beschwerden, Vorerkrankungen, Rauchen, Medikamente usw. Dann wurde ich mit einer Kamera durch die Nase untersucht und siehe da, mein Hausarzt hatte eine falsche Diagnose gestellt. Ich habe mehrere Knötchen an der Stimmlippe und eine stationäre Aufnahme für 2 Tage ist notwendig. Hierbei sollte zunächst Gewebe entnommen werden, um die Art der Knötchen festzustellen – ihr wißt schon, ob gut- oder bösartig. Von der, übrigens ausgesprochen netten, Assistenzärztin wurde ich dann zur Terminvergabe in ein anderes Zimmer geschickt. Nach einer halben Stunde Wartezeit wurden mir dort genau die gleichen Fragen gestellt, wie bereits bei der Untersuchung.

Wieso steht das nicht im Computer vor ihrer Nase?

Anschließend wurde in einem anderen Raum ein EKG gemacht. Ich kam übrigens wundersamer Weise sofort an die Reihe. Dann  ging es wieder zurück in den ersten Raum zur Blutaufnahme. Nun machte wenigstens das Nüchternbleiben Sinn. Jetzt hieß es wieder warten bis sich die Dame an mich wendete und mir den Aufnahmetermin mitteilte. Bewaffnet mit diesem Termin, sollte ich mich gleich in der Aufnahme melden, dann wäre dies bereits erledigt und ich könnte am OP-Tag gleich auf Station. Also hieß es wieder warten. Endlich zur Anmeldung vorgelassen, wurden mir schon wieder die gleichen Fragen gestellt wie zuvor.

Wieso steht das nicht im Computer vor ihrer Nase?

Inzwischen war es 13.30 Uhr und wir konnten nach Hause um endlich ein „Spätstück“ zu uns zu nehmen.

Letzten Donnerstag war dann der Tag der OP gekommen. Wieder begleitete mich mein Schwesterchen, wieder sollte ich um 8 Uhr da sein – nüchtern seit dem Vorabend. Bei der Stationsschwester angekommen, – ihr könnt es euch bestimmt schon denken -, wurde mit wieder die gleichen Fragen …..

Wieso steht das nicht im Computer vor ihrer Nase?

Was für eine Organisation. Kein Wunder das die Gesundheitskosten explodieren.

Ich hatte OP-Hemdchen und -Höschen, sowie eine Trombosespritze bekommen. Ich schlüpfte also in die Krankenhaus-Designerklamotten und dachte, es geht gleich los. Zwischenzeitlich holte sich meine Schwester die Telefonnumer der Station und erfuhr so nebenbei, dass die Op für 13.40 Uhr!!! angesetzt war. Also wieder raus aus den OP- und rein in die normalen Kleider, um noch einen Spaziergang zu machen. Was sollte ich den all die Stunden auf der Station machen, ausser mich zu Tode langweilen. Nach dem Spaziergang schickte ich Marion nach Hause. Es machte ja keinen Sinn, so lange mit mir zu warten. Ich würde mich hinterher bei ihr melden.

Die Nacht zuvor hatte ich erwartungsgemäß wenig geschlafen. Man ist ja doch immer aufgeregt vor einem solchen Termin. So nutzte ich die restliche Zeit, nachdem ich mich natürlich wieder in diese ungemein kleidsamen OP-Klamotten gehüllt hatte, um ein wenig zu schlafen. Erfreulicherweise wurde ich fast eine Stunde früher abgeholt. Wenigstens etwas! Die Op verlief gut und ich war, trotz Vollnarkose, ziemlich schnell wieder topfit. Auf dem Zimmer war es grauenhaft, weil dort halb Nigeria zu Besuch war. So war ich meiner Schwester und meinem Schwager so was von dankbar, dass die beiden kamen und fast 2 Stunden mit mir spazieren gingen.

Die Nacht war einfach grauenvoll. Meine Bettnachbarin schnarchte so laut, dass ich immer nur einnickte und immer wieder aufwachte. Es geht ja nichts über das eigene Bett ohne fremde Leute drin. Am Morgen war ich wie gerädert, aber mein Trost war ja, dass ich direkt wieder nach Hause durfte. Freudig kleidete ich mich bereits um 7 Uhr komplett an, um acht gab es Frühstück und dazwische war bereits Visite. Natürlich dachte ich, ich könnte nach dem Frühstück direkt das Krankenhaus verlassen, aber Pustekuchen. Meine Ärztin und Operateurin sollte erst um 13 Uhr kommen und vorher gab es keine Entlassungspapier. Was soll ich euch sagen, kurz nach 13 Uhr kam der Arzt, der schon den ganzen Vormittag auf der Station herumlief und überreicht mir die Entlassungspapier, zusammen mit einem Termin für die Ergebnisbesprechung???

  Mein Fazit:

  • Sehr nette Personal, jedoch insgesamt schlecht organisiert.
  • Fast jede Info muß man selbst einfordern.
  • Jede Menge unnütz vergeudete Lebenszeit.

Das könnte doch vollkommen anders und besser laufen oder was denkt ihr? Das Ergebnis erfahre ich übrigens heute nachmittag. Haltet mir die Daumen.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin,
    ich drücke alle meine Daumen und wünsche dir gute Besserung. Die Organisation lässt ja wirklich zu wünschen übrig! Bei meiner letzten OP hatte ich glücklicherweise ein Zimmer für mich allein. Das war Zufall und nur für eine Nacht. Es waren gerade wenige Patienten da.

    Ich kann mich erinnern, dass es ganz früher in alten Krankenhäusern sogar 6-Bettzimmer gab. Meine Mutter war mal in einem. Das war schrecklich! Es gibt auch heute noch Krankenhäuser, bei denen nur eine Dusche auf dem Gang ist und keine im Zimmer.

    Liebe Grüße und schönen Sonntag.
    Renate

    Antworten

    • Hi Renate,
      leider keine guten Nachrichten, aber davon später.
      Als 5jährige habe ich die Mandeln rausbekommen. Das war auch in einem 6-Bett-Zimmer. Das mit der Dusche auf dem Gang liegt wahrscheinlich daran, dass die HNO Abteilung in einem noch nicht renovierten Teil des Krankenhauses und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei nur 3 Tagen liegt.
      Dir auch einen schönen Sonntag.
      Karin

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