Opas Gedichte und Geschichten: Unser Karin

Nach dem Tod meiner Lieblingsoma, zog mein Opa für eine Weile zu uns. Das muß 1961/1962 gewesen sein. In dieser Zeit schrieb er einige Gedichte und Geschichten in eine Kladde, die ich geerbt habe. Mein Großvater war sicher kein großer Dichter, aber ich möchte trotzdem nach und nach einiges hier veröffentlichen. Immerhin sind diese Zeugen ihrer Zeit, nämlich der 60er Jahre.

Heute lest ihr, was mein Opa über mich geschrieben hat:

Mutter denkt, ach wie schön und nett,
ist es morgens doch im Bett.

Doch plötzlich ist es, ach oh Graus,
mit dem schönen Schlafen aus.

Denn Karins Mündchen plappert immerzu,
läßt der Mutter keine Ruh.

„Mutter, wir müssen aufstehen,
denn ich muß zur Schule gehen“

Mutter macht fertig ihre Sachen,
Karin muß noch Aufgaben machen.

Mutter sprach: „Karin, du mußt laufen,
schnell noch frische Brötchen kaufen“.

Doch zu Mutters großem Leid,
Karin, die hat immer Zeit.

Endlich kam sie und sprach mit frohem Gesicht:
„fertig waren die Brötchen noch nicht“.

Und so mußte Karin dann im Stehen,
schnell das Frühstück zu sich nehmen.

Nun läuft sie froh und munter,
flink wie ein Reh die Treppen hinunter.

Auf der Straße sieht man sie marschieren,
denn sie hat keine Zeit mehr zu verlieren.

Die Schule ist zwar nicht sehr weit,
aber sie hat nur noch 10 Minuten Zeit.

Man sieht sie noch um die Ecke flitzen
und gleich darauf auf der Schulbank sitzen.

Ob Karin nun hat Rechnen, Lesen oder Singen,
nichts kann sie aus der Ruhe bringen.

Ist die Schule dann endlich aus,
kommt sie nicht sofort nach Haus.

Überall bleibt sie mal stehen,
denn es gibt so viel zu sehen.

Da kann Mutter sich noch so aufregen,
um eine Ausrede ist Karin nie verlegen.

Mag Karin auch hier und da einmal etwas vergessen,
eins vergißt sie nie und zwar gut essen.

Dann geht es los mit kartenspielen und fern sehen,
bis sie muß zu Bette gehen.

Manchmal sagt sie: „Ach Mutter, es ist doch so schön,
kann ich diesen Film noch sehen?“.

Die Mutter spricht dann mit ernstem Gesicht:
„Länger als bis neun Uhr geht es nicht“.

Dann ist Karin so lieb und so nett,
sagt jedem Gute Nacht und geht sofort ins Bett!?

Nun liegt sie da in süßem Schlummer,
macht sie auch ab und zu einmal Kummer.

Sie ist und bleibt, wie kann es anders sein,
unser aller liebster Sonnenschein.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin,
    das ist doch herzig, was dein Opa gedichtet hat. Wie schön, wenn man solche lieben Erinnerungen hat. Ich kann mir vorstellen, wie beim Lesen in dir alte Erinnerungen aufsteigen und dich in die Kinderzeit zurück versetzen. Wohl dem, der so schöne Erinnerungen hat, in die er immer wieder zurückkehren kann.
    Liebe Grüße, Johanna

    Antworten

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