Sonntagsfragen an Birgit Bergmann

Heute stellt sich Birgit Bergmann meinen Fragen. Ihren Blog lese ich seit geraumer Zeit und finde, sie ist eine faszinierende und schöne Frau. Ich freue mich sehr, heute mehr von ihr zu erfahren.

Birgit, stellst Du dich bitte kurz vor:

Mein Name ist Birgit, 51 Jahre alt. Ich wohne mit meiner Tochter und unserer Terrier-Dame Chispi im schönen Neckartal bei Heidelberg. Seit fast 30 Jahren bin ich beruflich selbständig. Ich habe das große Glück, gemeinsam mit meiner besten Freundin eine eigene, kleine Firma zu leiten. Meine Tochter, mittlerweile 18 Jahre alt, habe ich alleine groß gezogen. Seit einigen Jahren habe ich einen wundervollen Partner, mit dem ich eine sehr harmonische Wochenendbeziehung führe.
Was bringt eine Frau (in diesem Fall mich) dazu, mit knapp 50 Jahren mit dem Bloggen anzufangen? Zunächst natürlich, weil es Spaß macht und mich täglich vor neue Herausforderungen stellt. Dann fand ich es einfach schade, dass es so wenige Blogs von und für Frauen Ü 50 gibt. Obwohl laut Prognosen im Jahr 2020 zirka 48 % aller Deutschen über 50 Jahre alt sein werden. Als zahlungskräftige Konsumentengruppe sind wir zwar sehr gefragt, aber leider in der Öffentlichkeit und in der Werbung kaum vertreten. Mit meinem
Fashion- und Lifestyle-Blog fortyfiftyhappy.de möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, dass wir Ü 50-Ladies zumindest in der Bloggerszene nicht übersehen werden.

Wenn du ans Älterwerden denkst, was ist für dich das Schönste, was das Schlimmste daran
und was macht dir am meisten Angst?

Die gute Seite am Älterwerden bzw. -sein ist, dass ich in absehbarer Zeit mein stressiges Berufsleben hinter mir lassen, und mich voll und ganz den angenehmen Dingen im Leben widmen kann. 24/7 freie Zeit für Hobbys, Reisen, Freundschaften pflegen… Darauf freue ich
mich sehr.
Was die unschöne Seite des Alterns anbelangt, betrifft dies hauptsächlich Äußerlichkeiten. Falten, Pigmentflecken und grauen Haaren kann ich leider nichts Positives abgewinnen. In jungen Jahren ist man einfach schöner und attraktiver, da beißt die Maus leider keinen Faden ab.
Vor dem Alter an sich habe ich keine Angst. Ich habe mir vorgenommen, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen und das Beste daraus zu machen. Sorgen mache ich mir allerdings um den Weltfrieden. Kriege, Terror, Hass, gewissenlose Politiker. Ich frage mich, wo soll das
hinführen? Was kommt da auf unsere Kinder zu?

Welche Vorteile siehst du in deinem Alter gegenüber der jungen Generation?

Große Vorteile gegenüber der jungen Generation sehe ich nicht unbedingt. Jeder von uns hat seine Lebensaufgaben zu bewältigen, unabhängig vom Alter. Ich glaube nicht, dass es die jungen Leute von heute es schwerer oder einfacher haben als wir. Es haben sich nur die äußeren Umstände geändert, nicht die Lebensthemen an sich.

Was war deine schönste und was deine schlimmste Erfahrung in deinem bisherigen Leben?

Meine schönste Erfahrung war definitiv die Geburt meiner Tochter Kristin. Nie wieder im Leben war ich so von Glück und Freude erfüllt, wie in dem Moment, als ich mein Baby im Arm hielt. Ich habe natürlich auch einige unschöne Dinge in meinem Leben erlebt. Gott sei Dank aber nichts, was die Bezeichnung „schlimmste Erfahrung“ verdient hätte.

 

„Manchmal sehne ich mich nach der Leichtigkeit und Unbeschwertheit zurück, mit der ich als junge Frau durch Leben ging.“

 

Welche Lebensphase hast du als deine glücklichste empfunden?

In jeder Phase meines Lebens erlebte ich viele glückliche Momente, für die ich sehr dankbar bin. Aber es gab auch traurige, schmerzhafte Ereignisse. Glück und Trauer sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Deshalb gibt es keine Lebensphase, die ich als „die“ glücklichste
bezeichnen könnte. Manchmal sehne ich mich nach der Leichtigkeit und Unbeschwertheit zurück, mit der ich als junge Frau durch Leben ging.

Was war das schönste Geschenk, das du je bekommen hast?

Für mich war und ist meine Tochter, die vor 18 Jahren völlig ungeplant in mein Leben herein schneite, das größte und schönste Geschenk.

 

„Ich hatte keinen Plan, habe mich vielmehr vom Strom des Lebens treiben lassen.“

 

Sind deine Lebensträume wahr geworden?

Ich hatte keinen Plan, habe mich vielmehr vom Strom des Lebens treiben lassen. Anders als die meisten meiner Freundinnen wollte ich nie heiraten oder eine Familie gründen. Ich wollte immer nur frei sein. Ich träumte davon, um die Welt zu reisen. Einmal bot mir das Leben eine grandiose Möglichkeit, aber dann fehlte mir der Mut. Diesen Traum habe ich also selbst versemmelt. Ein großer Herzenswunsch war, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu arbeiten, mein eigener Chef zu sein. Diesen Traum habe ich mir erfüllt.

 

„Keine Wünsche zu haben bedeutet Stillstand.“

 

Wohin möchtest du noch reisen, was noch erleben, was noch lernen?

Pläne und Wünsche habe ich noch viele. Mit Anfang 50 ist es ja auch noch viel zu früh, um das Buch zuzumachen. Wünsche sind der Motor, der uns antreibt. Keine Wünsche zu haben bedeutet Stillstand. Nach wie vor eines meiner großen Wünsche ist, die Welt zu bereisen. Ich bin zwar schon viel herum gekommen, aber es gibt noch einige schwarze Flecken auf meiner Landkarte. Ich war
noch nie in Asien, und Südafrika steht auch noch auf dem Programm. Ende diesen Jahres machen mein Partner und ich eine Karibik-Kreuzfahrt. Die erste große Reise ohne Kinder!
Vielleicht werde ich es wagen, mit meinem Partner zusammen zu ziehen, wenn meine Tochter demnächst das Haus zum Studieren verlässt. Das wäre für mich ein guter Anlass, mein Leben nochmal von Grund auf zu ändern: Umzug in einen anderen Ort, vielleicht auch eine berufliche Veränderung. Es gehört viel Mut dazu, Gewohntes und Liebgewonnenes loszulassen und quasi noch einmal von vorne zu beginnen. Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich den Mut dazu tatsächlich aufbringen werde.

Wie stellst du dir dein Leben mit 70, 80 oder älter vor?

Ich stelle mir vor, dass ich mit 70 gesund und aktiv bin und das Leben in vollen Zügen genieße. Ich möchte viel Reisen und die Wintermonate im Süden verbringen. Mit 80 werde ich sehr dankbar sein, wenn ich noch gesund und mobil bin, meine Familie glücklich ist, und ich sorglos in den Tag hinein leben kann. Ich stelle mir vor, dass ich irgendwann müde und erschöpft vom Leben bin, und einfach eines Morgens nicht mehr aufwache.

Hast du Angst vor dem Tod?

Wenn ich über den Tod nachdenke, verspüre ich manchmal einen leichten Anflug von Angst. Es übersteigt meine Vorstellungskraft, zu realisieren, dass ich (ja, ICH!) irgendwann tatsächlich sterben werde. Es ist mir bewusst, wie fragil das Leben ist. Von einem Moment
zum nächsten kann es zu Ende sein. Ich hoffe, dass ich bereit bin zu gehen, wenn es soweit ist.

Danke liebe Birgit für dieses wunderbare Interview. Ich wünsche dir die Kraft, noch einmal etwas neues zu wagen, denn was man sich wünscht, sollte man auch tun.

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