Sonntagsfragen an Doris

Gerne verfolge ich seit einiger Zeit Doris Blog „Meine Sicht der Welt“. Da es hier in erster Linie um ihre minderjährigen Patenkinder geht, die sie in jeder Hinsicht schützen möchte, hat Doris dem Interview nur unter der Bedingung zugestimmt, dass ihr Nachname nicht genannt wird und auch kein Bild von ihr erscheint. Das respektiere ich selbstverständlich. Sie ist trotzdem eine interessante Frau, die sich selbst so vorstellt:

„Ich bin Doris, berufstätige Tante, leider nicht von Beruf Tante. Das trifft mich schon ziemlich gut. Mein Blog befasst sich mit allen Aspekten meines Lebens, dazu gehört meine Familie, mein Freundeskreis, derzeit – hoffentlich nicht mehr zu lange – unser umfangreiches Renovierungsprojekt, das bisschen Freizeit und immer wieder auch Berufliches. Den Blog begonnen habe ich, damit meine Patenkinder ein bisschen mehr über meine Sicht auf die Welt erfahren. Ich schreibe über die kleinen und großen Dinge, immer aus meinem Blickwinkel. Notiere Alltagsbeobachtungen, skizziere die Welt aus meinen Augen. Der Blog und seine Themen verändern sich täglich, wie ich mich täglich ändere. Er spiegelt meine Beobachtungen – und manchmal ist er mein winzig kleines Ventil, wenn ich mir – obwohl ich sonst echt ganz gut die Balance halten kann – etwas Luft machen muss 😉“

Doris, erzähle uns ein bisschen mehr über dich:

Wenn du ans Älterwerden denkst, was ist für dich das Schönste, was das Schlimmste daran und was macht dir am meisten Angst?

Angst habe ich keine, denn es ist ein natürlicher Prozess, also kann es keine Angst machen. Worauf ich mich freue, ist die Gelassenheit des Alters kennenzulernen, sogar sehr, kann ich quasi kaum erwarten. Schlimm wäre für mich, wenn ich meine Unabhängigkeit einbüße, ich hoffe also sehr, gesund alt zu werden.

Welche Vorteile siehst du in deinem Alter gegenüber der jungen Generation?

Jede Generation erlebt ihre eigene Zeit, deshalb glaube ich nicht an Vorteile. Ich mag diese Art von Vergleich nicht so gerne. Dazu kommt, dass ich mich gerne mit Menschen jeden Alters austausche, in der Kommunikation lerne ich einzelne Blickwinkel kennen, die ich dann auch für mich übernehmen kann. Ich glaube, es geht weniger um Vorteile von jung oder alt sein, sondern vielmehr immer aufmerksam füreinander zu sein, voneinander zu lernen und miteinander zu leben.

Was war deine schönste und was deine schlimmste Erfahrung in deinem bisherigen Leben?

Die schönsten Erfahrungen hatten immer mit besonderen Menschen und einem tiefen Gefühl von verstanden werden zu tun. Es waren Momentaufnahmen, ganz im hier und jetzt. Der schlimmste Moment war wahrscheinlich, als mir klar wurde, dass meine Schwester sterben wird. Als ich gezwungen war, die Hoffnung aufzugeben und die Realität akzeptieren musste.

Welche Lebensphase hast du als deine glücklichste empfunden?

An den Gedanken gehe ich einfach mal phasenunabhängig, denn bislang bin ich mit meinem Leben als solches sehr zufrieden. Es gibt immer wieder Zeiten, in denen etwas weniger gut passt, aber bislang ist es mir immer gelungen, mich wieder zu Erden, meine Balance zu erhalten. Und ich weiß recht genau, dass es an mir liegt, ob ich etwas für mein Glück tue (oder eben nicht).

Was war das schönste Geschenk, das du je bekommen hast?

Zeit. Egal in welcher Form und in welchem Umfang. Ob es eine kleine Auszeit war oder tatkräftige, selbstlose Hilfe, zum Beispiel bei Umzügen oder jetzt bei der Renovierung. Das ist das kostbarste Geschenk, über das ich mich am meisten freue.

Sind deine Lebensträume wahr geworden?

Ich glaube schon. Irgendwie. Gestern zum Beispiel habe ich darüber nachgedacht, wie mein Traumhaus ausgesehen haben mag. Da war von der spanischen Finca über einen modernen Flachdachbungalow, vom Schwedenhaus über den renovierten Altbau irgendwie alles dabei? Jetzt hab ich mein Elternhaus, ein Bauernhaus aus den späten 20er Jahren des letzten Janrhunderts renoviert – und es passt genau, wie es ist.

Wohin möchtest du noch reisen, was noch erleben, was noch lernen?

Bin kein Planer, nie gewesen, eher ein Chancen-Ergreifer. Deshalb, das wird sich ergeben und es wird gut sein, wie es ist.

Wie stellst du dir dein Leben mit 70, 80 oder älter vor?

Ich wär gerne gesund, egal wie alt ich werde. Vermutlich werde ich bis 70 arbeiten? Hm, mal sehen, ob Körper und Geist willig sind. Ich werde auf dem Land wohnen, auf dem Dorf. Raus aus der Tür und mittendrin in der Natur. Falls möglich würde ich gerne jahreszeitlich eigenes Gemüse, Salat und Obst bauen und essen. Es werden Menschen um mich sein, sicher nicht mehr alle, die heute um mich sind, aber vor meinem Auge sitzt ein Kreis aus unterschiedlichsten Jahrgängen, es wird gelacht, es wird gegessen, es läuft Musik. Ich wünsche mir ein fröhliches und lebendiges Altwerden mit vielen Gleichgesinnten.

Hast du Angst vor dem Tod?

Früher ja, auch immer noch, aber mit den Jahren ist es eher eine steigende Angst vor dem Verlieren. Ich hab darüber schon öfter geschrieben, der Beitrag https://meinesichtderwelt.wordpress.com/2014/08/21/lebensangste/ fasst meine Gefühle gut zusammen.

Danke für das Interview liebe Doris. Du scheinst mir eine starke Frau zu sein, die ich liebend gerne einmal in naher Zukunft persönlich kennenlernen möchte.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin, ich freu mich sehr, danke für deine warmherzigen Worte, die ich nur zurückgeben kann – und das einzige, was uns am Kennenlernen hindert, ist die räumliche Distanz. Aber München-Köln oder andersherum kann ja durchaus mal klappen, oder? Ganz liebe Grüße schick ich dir aus Bayern, Doris

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