Sonntagsfragen an Elvira Löber

Heute stellt sich meine Bloggerkollegin Elvira Löber den Sonntagsfragen. Sie lebt in Hofgeismar, ziemlich genau in der Mitte Deutschlands, ist 58 Jahre, verwitwet, Mutter von drei Kindern und bald Oma eines zweiten Enkels.

Über sich sagt sie: Ich habe Silberfäden im Haar, ein Lachen im Gesicht und Pölsterchen hier und dort. Nach Ausbildung, BWL-Studium, Geschäftsführung eines Restaurants und jahrelanger Selbstständigkeit im Einzelhandel betreibe ich voller Begeisterung meinen Blog www.septemberfrau.de Ich liebe die Natur, verschlinge Bücher, spiele voller Leidenschaft Theater, bin verrückt nach Reisen, koche gern und versuche durch Ehrenämter meine kleine große Welt zu verbessern. Im übrigen bin ich fest davon überzeugt, dass wir Frauen über 50 noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Ganz im Gegenteil: Wir glänzen wie frisch poliertes Silber, sind bunt, ideenreich und unternehmungslustig. Endlich haben wir die Freiheit, unser Leben so zu gestalten wie wir es uns vorstellen.

Mein Hochzeitsspruch ist zugleich auch mein Lebensmotto:

„Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgetan. Bittet, so wird euch gegeben.“

 

Liebe Elvira, wenn du ans Älterwerden denkst, was ist für dich das Schönste, was das Schlimmste daran und was macht dir am meisten Angst?

Das Schönste ist definitiv, miterleben zu dürfen, wie die Familie wächst. Zu den Kindern gesellen sich deren Partner und Enkel. Bis auf kleinere Querelen verstehen sich alle gut miteinander. Ich fühle mich in diesem Verbund als „Alte“ sehr gut aufgehoben, geborgen und glücklich. Inzwischen sind sogar Ratschläge willkommen und stoßen nicht mehr gleich auf  Gegenwehr. Jeder kennt Jeden sehr genau und es ist eine spielerische Leichtigkeit entstanden. Das Schlimmste wäre wirklich, wenn es aus irgendwelchen Gründen zum Bruch dieses Zusammenhalts käme.

Am meisten Angst? Mal abgesehen von der fortschreitenden Zerstörung unseres „blauen Planeten“ bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite lauert im Hintergrund die Angst vor Krankheit, obwohl ich glaube, damit irgendwie umgehen zu können. Zum Glück durfte ich erfahren, welche Stärke kranke Menschen aufbauen und diese sogar noch an Andere weitergeben konnten, selbst wenn ihre Hoffnung auf Genesung zerbrochen war. Das größere Schreckgespenst heißt Demenz, obwohl, wenn ich darüber nachdenke, kriege ich davon ja wohl nichts mit. Außerdem wurden meine Ahninnen alle ziemlich alt, so dass ich beste Vorbilder habe. Auch wenn sie körperlich angeschlagen waren, blieben sie geistig fit. Auf der anderen Seite ist da die Furcht, dass sich altersbedingt nach und nach mein familiäres und soziales Netz auflösen wird. Ich finde, es ist im Alter schwieriger, neue Kontakte zu knüpfen. Der Aktionsradius wird sich verkleinern und man muss lernen, mit sich selbst klar zu kommen.

Welche Vorteile siehst du in deinem Alter gegenüber der jungen Generation?

Ich darf alles langsamer angehen, bin nicht so getrieben wie die Jüngeren. Sie müssen ihren Weg noch durch Versuch und Irrtum finden, probieren vieles aus, verwerfen es wieder bis sie die Essenz, also das was ihnen wichtig ist, gefunden haben. Sie strampeln sich ab, um „ihre“ Erfolgsleiter hinaufzuklettern oder stehen an Weggabelungen, wo sie Entscheidungen für ihr Leben treffen müssen, ohne auf gemachte Erfahrungen zurückgreifen zu können. Das ist aufreibend und führt oft zu Spannungen und Konflikten, sowohl im Außen als auch Innen. Ich bin gelassener, unaufgeregter, abwartender, will nicht mehr partout mit dem Kopf durch die Wand, sondern habe gelernt, dass es meistens eine Tür gibt, durch die man gehen kann.

Eben fühlten sich die Altersvorteile wie Ruhe, Gelassenheit oder Zugriff auf Lebenserfahrung noch so positiv an. Nun beim Durchlesen komme ich mir total langweilig, erstarrt und angestaubt vor. Egal, ich lasse es so stehen. Ich glaube der größte Vorteil ist, dass ich keinen Statussymbolen mehr nachjagen muss im Sinne von „Meine Mann/Frau, mein Auto, mein Haus, mein Hobby, meine Klamotten, . . .“ und erkannt habe, dass es Wichtigeres im Leben gibt.

  Was war deine schönste und was deine schlimmste Erfahrung in deinem bisherigen Leben?

Aus den schlimmsten Erfahrungen habe ich gelernt, dass das Leben immer immer irgendwie weiter geht und so banal wie es klingt, am Ende des Tunnels wieder das Licht scheint. Es sind meine Wachstums- und Reifephasen, von denen es viele gab. Wenn ich jetzt unterteilen soll, dann sind die Geburten und das Dasein meiner Kinder und Enkel die wunderbarsten Lebensgeschenke. Die Krankheit meines Mannes ohne jegliche Hoffnung auf Genesung wohl die schlimmste Erfahrung. Doch selbst da gab es lichte Zeiten, die ich nicht missen möchte.

„Neugierig zu sein auf Alles und gleichzeitig nicht mehr jeden Trend hinterher rennen zu müssen macht Spaß.“

 

Welche Lebensphase hast du als deine glücklichste empfunden?

Ich bin gerade mittendrin. Neugierig zu sein auf Alles und gleichzeitig nicht mehr jeden Trend hinterherrennen zu müssen macht Spaß. Ich habe gerade das Gefühl, dass ich ein unerschöpfliches Füllhorn voller Möglichkeiten besitze. Ich darf Tun und Lassen was ich will, wann ich will und mit wem ich will. Es gibt kaum Einschränkungen. Diese Freiheit genieße ich sehr.

Was war das schönste Geschenk, das du je bekommen hast?

Ich schließe meine mir liebsten Menschen mal aus, dann gibt es immer noch so unendlich viele wundervolle Geschenke. Jedes war  zu seiner Zeit das Schönste, Tollste, Beste, Grandioseste. Ich grübele und grübele. Nein, ich kann mich nicht für irgendeines entscheiden.

„Ich wollte Tänzerin werden und landete im Büro…“

 

Sind deine Lebensträume wahr geworden?

Nehme ich mal die Teenagerträume, dann ein klares Nein. Ich wollte Tänzerin werden und landete im Büro, alternativ wollte ich aller Herren Länder bereisen und saß in meinem Dorf fest. Doch so nach und nach hat sich alles zum Guten gefügt, privat und auch beruflich sind viele Klein- und Großträume in Erfüllung gegangen und ich träume immer weiter.

Wohin möchtest du noch reisen, was noch erleben, was noch lernen?

Ach du liebe Güte, da gibt es einen dicken Katalog, denn ich bin nach wie vor neugierig auf die Welt und alles, was sich darauf tummelt. Ich habe eine Löffelliste, die ich ständig ergänze und überarbeite, damit kein Wunsch verloren geht. Darüberhinaus sammele ich Perlen der Lebensfreude. Jedes Jahr suche ich mir eine aus, auf die ich mich konzentrieren will. In 2016 war es z.B. Musik und Klang.

Wie stellst du dir dein Leben mit 70, 80 oder älter vor?

So wie es kommt, denn ich habe längst aufgehört, langfristigen Pläne zu machen, da das Leben ständig dazwischen funkt. Generell würde ich sagen, körperlich einigermaßen fit, geistig ganz fit, umgeben von Menschen, die ich lieb habe oder die mir nahe stehen und wissensdurstig wie ein Kind. Ich wünsche mir, dass ich loslassen lerne, besonders Dinge, die ihren Dienst getan haben, mir zur Last werden und meinen Rücken krümmen.

„Ich möchte jedoch den Mut haben, mich rechtzeitig! noch einmal zu verpflanzen…“

 

Einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr, lautet ein Sprichwort. Ich möchte jedoch den Mut haben, mich rechtzeitig! noch einmal zu verpflanzen z.B. in eine betreute Wohnform, Mehrgenerationensiedlung, WG oder Ähnliches. Ich habe mehrfach den Hickhack erlebt, wenn ältere Menschen diesen Absprung nicht geschafft haben. Die Zusatzbelastung zerrte an den Nerven und Kräften der betreuenden Angehörigen. Letztendlich plagte sie ständig das schlechte Gewissen, weil sie die Alten „abgeschoben“ haben. Ich möchte diese wichtige Entscheidung selbst treffen und sie nicht den Kindern aufdrücken.

Hast du Angst vor dem Tod?

Jein, weil ich nicht weiß, wann und in welchem körperlichen und seelischen Zustand wir beide uns begegnen, um die letzte Reise, das letzte Wegstück gemeinsam zu gehen.

Vielen Dank für das wundervolle Interview. Das mit den Perlen der Lebensfreude finde ich eine so wunderbare Idee, dass ich sie dir stehlen werde.

Dir und allen meinen LeserInnen wünsche ich ein wundervoll fröhliches und entspanntes Osterfest und viele bunte Eier.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Da wurde ein Buch aufgeschlagen und ich denke, zu jedem Kapitel dieses Buches ließe sich ein Neues Buch schreiben – man könnte richtig neugierig werden.
    Deine Antworten auf die Fragen gefallen mir.
    Liebe Grüße
    Christian

    Antworten

  2. Danke, liebe Karin, dass du mir deine Sonntagsfragen gestellt hast. Ich habe sie gern beantwortet, ist es doch auch wieder eine Möglichkeit, sich selbst zu reflektieren.

    Ich wünsche dir fröhliche Osterfeiertage und viele bunte Ostereier.

    Ganz liebe Grüße
    Elvira

    Antworten

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