Sonntagsfragen an Helga Schauff

Ich freue mich heute auf das Interview mit Helga, die unter coaching-beratung-schauff.de/blog/ ihren Blog betreibt.  Liebe Helga, stelle dich bitte meinen Lesern kurz vor:

Hallo, mein Name ist Helga Schauff ,  ich bin 55 Jahre alt, seit sieben Jahren verheiratet und seit sechs Jahren lebe und arbeite ich in Rösrath, nähe Köln.

Beruflich habe ich mich lieber von meinen Potenzialen und Visionen als von Zufällen leiten lassen. Wobei ich schon früh begonnen habe mein Leben in überschaubare Lebensphasen einzuteilen. Zunächst arbeitete ich viele Jahre als Erzieherin, dann als Geschäftsinhaberin für nachhaltige, individuelle Mode in meiner Heimatstadt Aachen. Nach meinem Umzug 2011 habe ich zunächst aus rein persönlichem Interesse eine NLP-Ausbildung begonnen, woraus im Laufe  der Zeit eine neue Vision entstanden ist. So habe ich jede meiner Lebensphasen auf Grund von äußeren und inneren Veränderungen für mich ganz individuell gestaltet. Nicht nur beruflich sondern auch privat.

Seit drei Jahren arbeite ich nun selbständig als NLP- Persönlichkeitscoach. Dies ist die offizielle Bezeichnung, aber viel lieber bezeichne ich mich als Lebensphasenguide und Mutmacherin für Frauen, auf der Suche nach ihrem WARUM. Hier bin ich in meinem Element. Mein Ziel ist es, diesen Frauen Mut zu machen, Wahlmöglichkeiten zu eröffnen und neuen Denkweisen Raum zu geben für individuelle, neue Lösungen. Für ein Leben in Begeisterung und Hingabe.

Zusätzlich engagiere ich mich mit einem kleinen Zeitfenster in einer Frauen – Dement – Wohngemeinschaft. Ein großartiges Projekt, mit Nachahmungswert, was mich zuversichtlich stimmt. Alt werden wie in einem Familienverbund.

Vielen Dank, das macht mich neugierig auf deine Antworten zu den Sonntagsfragen:

Wenn du ans Älterwerden denkst, was ist für dich das Schönste, was das Schlimmste daran und was macht dir am meisten Angst?

Das schönste am Älterwerden ist für mich meine gewachsene Gelassenheit, die aus meinem Erfahrungsschatz resultiert. Denn et hätt noch immer jot jejange, wie eine Kölner Redensart lautet. Diese Zuversicht trägt mich und nimmt mir die Angst vor dem Älterwerden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es nicht Momente gibt, wo ich über Entwicklungen nachdenke, die ich aufgrund meiner freiheitlichen Denkweise nicht gut heiße. Die Sorge, um Umwelt und sozialpolitische Ereignisse die mich umtreibt. Weil ich mir für die nachfolgenden Generationen eine Lebens- und Arbeitswelt wünsche, in der sich jeder Mensch in Frieden und Freiheit entwickeln kann. So wie ich es erlebt habe und weshalb ich sehr dankbar bin.

Schön finde ich auch das Gefühl, dass alles kann und nur noch wenig muss. So wünsche ich mir, dass ich auch noch im Rentenalter meiner Berufung nach gehen und mich gerne für eine sinnspendende  ehrenamtliche Tätigkeit engagieren möchte. Dies alles in der Hoffnung darauf, dass ich dann noch recht fit sind. Auch für diese Lebensphase, wie könnte es anderes sein, gibt es schon eine Vision. Noch nicht ausgefeilt, aber angedacht. So sehr ich zurzeit mein Leben am Stadtrand mit einem wunderschönen Garten (mein Hobby) liebe, so möchte ich im Rentenalter wieder zurück nach Aachen ziehen. Für mich eine Stadt, mit einer hohen Lebensqualität, in der ich gerne mitten drin leben möchte. Weil ich Lebendigkeit um mich herum brauche. Am liebsten in einem Wohnprojekt… jung und alt unter einem Dach. Naja noch Wunschkonzert, aber ich war schon immer groß im Wünschen. Außerdem sind Wünsche die besten Angstvertreiber. Hier versteckt sich sicherlich auch meine Angst vor Vereinsamung.

Wirklich große Angst habe ich vor schlimmen Krankheiten, Leiden müssen, oder mental abzubauen, also Dinge, die ich nicht wirklich beeinflussen kann. Diese Ohnmacht, dieses ausgeliefert sein, dass bereitet mir Angst.

Welche Vorteile siehst du in deinem Alter gegenüber der jungen Generation?

Zunächst denke ich, dass jede Generation ihre ganz eigenen Herausforderungen zu meistern hat. Das finde ich grundsätzlich auch gut so und somit möchte ich mich auf keinen Vergleich in Richtung Vorteil oder Nachteil einlassen. Ich finde es gut, wenn Generationen sich austauschen und voneinander lernen, meinetwegen auch gerne voneinander abheben möchten. Wir, die Generation Babyboomer fleißig, erstmals materiell abgesichert, an neuen Themen interessiert (Umwelt und Friedenssicherung).  Das Thema Emanzipation, eher ein Überbleibsel aus den 68er und  somit hatten wir  nur wenige Vorbilder und eher schlechte Rahmenbedingen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Aus diesem Grund habe ich mich bewusst gegen Kinder entschieden. Nicht weil ich mir ein Leben mit Kindern nicht hätte vorstellen können, sondern eher, weil ich während meiner Tätigkeit als Erzieherin so oft hautnah miterlebt habe, wie zerrissen und überfordert die meisten Frauen waren. Tageseinrichtungen waren eher die Ausnahme. Dieser Zerreißprobe wollte ich mich nicht aussetzen. Auch weil mir meine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit ein hohes Gut waren. Dafür habe ich viel Unverständnis aus Frauensicht geerntet. Naja ein Thema, was immer noch nicht wirklich zufriedenstellend gelöst ist.

„Respekt und Austausch wäre mein Wunsch!“

Natürlich kann die junge Generation uns vorwerfen, dass unser Ehrgeiz gekoppelt mit starkem Hierarchiedenken und einem ausgeprägten Konsumverhalten dazu geführt hat, dass wir Schindluder mit unseren Ressourcen getrieben haben. Aber wie immer sind es nicht alle, die so gehandelt haben. Immerhin hat meine Generation den meisten Kindern eine top Schulausbildung ermöglicht, Grenzen geöffnet für eine persönliche Entfaltung mit ganz eigenen Werten. Wenn ich mir die meisten gut ausgebildeten jungen Menschen dieser  Generation „Why“,  anschaue, verfolgt die Mehrheit Werte wie: Selbstverwirklichung (beruflich und privat), Teamarbeit ist ihnen wichtig, sie suchen Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit in ihrem Tun, wollen unnütze Hierarchieebenen abschaffen.  Statussymbole wie ein tolles Auto sind zwar schön, aber nicht um jeden Preis erstrebenswert. Sie wollen eigenverantwortlich handeln, kommunizieren und Projekte verwirklichen. Flexibles Arbeiten und Zeit für die Familie ist beiden Geschlechtern wichtig.  Ich bin gespannt was sie schaffen werden und wie sie ihre Herausforderungen meistern werden. Denn mit Vorwürfen an den vorherigen Generationen ist niemandem gedient. Respekt und Austausch wäre mein Wunsch!

Was war deine schönste und was deine schlimmste Erfahrung in deinem bisherigen Leben?

Meine schlimmste Erfahrung war der Tod meines Vaters als ich sechs Jahre alt war. Kurz vor meiner Einschulung verunglückte mein Vater tödlich, während ich mit meiner Mutter in der Schweiz in Kur war. Plötzlich und mitten im Leben stand meine Mutter mit einem großen bäuerlichen Betrieb und uns drei Kindern alleine da. Damals war es noch nicht gängig, dass Kinder eine Trauertherapie besuchten und so fühlte ich mich mit meiner Trauer streckenweise sehr alleine. Auch weil meine ganze Familie betroffen war. Unser Familienverbund hat jedoch immer zusammengehalten und so haben wir gemeinsam auch diese schlimme Zeit überstanden. Zum Glück kann ich mich, obwohl ich noch so jung war, an viele schöne Erlebnisse und die stolzen Blicke meines Vaters erinnern. Starke Erinnerungen, die bleiben.

Meine schönste Erfahrung war der Tag meiner Geschäftseröffnung. Nach einer langen und sehr schwierigen Trennung von meinem langjährigen Lebensgefährten habe ich mich am Schopfe gefasst und wirklich meine letzten Kraftreserven mobilisiert und mir meinen Traum von einem eigenen Geschäft erfüllt. (Nachhaltige, individuelle Mode, von Kopf bis Fuß). Mit dem vorgezogenen  Erbe meiner Mutter konnte ich dieses ganz besondere Projekt realisieren. Ich hatte alles auf eine Karte gesetzt. Die Nacht vor dem Eröffnungstag werde ich nie vergessen. Eine Gefühlsexplosion zwischen Angst und Übermut, Vorfreude, Stolz und Glück,  bis dahin alles geschafft zu haben.

Welche Lebensphase hast du als deine glücklichste erlebt?

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, so hatte jede Lebensphase viele glückliche Momente, die ich genossen habe. Auch weil ich jede Lebensphase sehr bewusst gelebt und gestaltet habe und weil ich immer Menschen um mich hatte, die mich gestärkt, unterstützt und getragen haben. Wofür ich sehr dankbar bin. Jede Phase hatte ihre ganz eigenen Reize und Herausforderungen. An meinen Pleiten, Pech und Pannen bin ich gewachsen und zum Glück nie zerbrochen. Ich glaube, das  ist ein  ganz besonderes Glück. Ich habe gelernt zu vergeben, mir selbst und anderen… und einen heißen Draht zum Himmel  (meinem verstorbenen Vater) der mich beschützt und mir ab und  zu, (wenn ich seinen Rat brauche) in den Schoß fällt. Glück zum greifen nah.

Was war das schönste Geschenk, das du je bekommen hast?

Mein Leben und die Menschen um mich herum. Die Natur, die mich fasziniert, erdet und mir Ruhe gibt.

Sind deine Lebensträume wahr geworden?

JA, denn ich führe ein erfülltes und buntes Leben und viele Wünsche und Träume sind in Erfüllung gegangen. Beruflich und Privat. Besonders freue ich mich drüber, dass ich noch Wünsche habe, denn das lässt mich weiter nach vorne schauen und spüren, dass mein Leben lebt.

Wohin möchtest du noch reisen, was noch erleben, was noch lernen?

„Leben ist für mich stetiges lernen.“

Na ja ein Thema, dass ich in jungen Jahren voll ausgekostet habe und in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist. Hier sind noch einige Wünsche offen. So stehen kurze Städtereisen auf dem Plan und dann möchte ich so gerne den Zauber Afrikas erleben. Leben ist für mich stetiges lernen. Gerne möchte ich meine bescheidenen Englischkenntnisse auffrischen und erweitern.

Wie stellst du dir dein Leben mit 70, 80 oder älter vor?

Eigentlich ist es nicht meine Art weiter als 10 Jahre zu denken, weil ich schwerpunktmäßig im hier und jetzt leben möchte. Darum sage ich dir lieber, was ich mir wünsche. Ich möchte gerne möglichst lange meiner jetzigen Berufung, meiner Begeisterung und Hingabe folgen. Ich hoffe meine Gesundheit spielt mit. Gerne möchte ich mehr gemeinsame Zeit mit meinem Mann verbringen. Von meiner Idee in einem Wohnprojekt (Jung & Alt unter einem Dach) zu leben, habe ich ja schon erzählt. Vielleicht der späte Wunsch nach einer Großfamilie.

Hast du Angst vor dem Tod?

Ja, hier bin ich ein echter Angsthase und der Himmel hilft mir hier auch nicht wirklich weiter. Es ist die Angst vor dem vielleicht Leiden müssen, ausgeliefert sein. Aber auch der Tod an sich, dass alles zu Ende ist, wo ich doch so gerne lebe und worauf ich keinen Einfluss habe, ich loslassen und für immer tschüss sagen muss.

Sehr interessante Antworten liebe Helga. Wenn du in Köln bleiben würdest, wäre ich dabei, beim Projekt „Jung und Alt unter einem Dach“. Ist auch für mich eine tolle Alternative im Alter.

 

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