Sonntagsfragen: Wie viel Persönliches/Privates muss, kann, sollte ein Blog enthalten?

Die liebe Maria vom „Unruhewerk“ ist sehr umtriebig. So macht sie ihrem Blognamen alle Ehre, denn unruhig ist sie wirklich. Maria blogt ja erst sehr kurze Zeit (ich mit meinen 9 Monaten bloggen auch nicht viel länger) und macht sich große Gedanken über die oben genannte Frage. Nun hat sie uns aufgerufen, die Fragen, die sie sich selbst stellt, einmal aus unserer Sicht zu beantworten. Das mache ich sehr gerne.

Marias Fragen:

  • Wie haltet ihr es mit der persönlichen Offenheit in eurem Blog?

Dinge, die ich nicht einmal meiner besten Freundin erzählen würde, kommen für einen Beitrag nicht in Frage. Allerdings gehört eine gewisse persönliche Offenheit schon dazu. Sonst unterscheidet man sich nicht von jeder x-beliebigen Zeitschrift. Warum sollte der Blog dann Leser interessieren?

  • Rechnet ihr?

Quatsch, rechnen hat mit Emotionen nun wirklich nichts zu tun. Allerdings schaue ich, welche Beiträge gut bei meinen Lesern ankommen. Dabei helfen ja die täglichen Auswertungen. In meinem Fall sind es tatsächlich die ganz persönlichen Beiträge, die am meisten besucht werden. Ich bin ja auch noch in der Aufbauphase und muß lernen.

  • Lasst ihr euch von Emotionen leiten?

Ja, natürlich.

  • Oder müsst ihr gar nicht mehr drüber nachdenken, habt schon ein so gutes Gefühl dafür, was geht, was ihr wollt, womit ihr euch (noch) wohlfühlt?

Wenn ich bei einem Thema das Gefühl habe, das ich genau das nicht von mir erzählen möchte, also, (wie du es nennst) Bauchschmerzen dabei habe, dann schreibe ich nichts dazu.

  • Gab es Situationen, in denen ihr persönliche Dinge gepostet habt, die euch unerwartet Bauchschmerzen gemacht haben? Oder die dumme Situationen und/oder Reaktionen hervorriefen? Welche Konsequenzen  in punkto persönlicher Offenheit habt ihr daraus gezogen?

Nein, bisher noch nicht. In der Zeit, als mein Mann schwer krank war und auch nach seinem Tod habe ich mir viel sehr persönliches von der Seele geschrieben. Es gab zwar nicht viele Kommentare. Wahrscheinlich wußten die meisten nicht, was sie darauf schreiben sollten. Aber ich habe sehr viele, sehr schöne Mails erhalten, die mir in dieser Zeit geholfen haben.

  • Wünscht ihr euch, mutiger/offener im Netz zu sein, traut euch aber (noch) nicht?

Ich trau mich. Im neuen Jahr wird es zum Beispiel eine Beitragsreihe über Sex und Erotik geben mit Tipps und eigenen Erfahrungen. Kein Problem, den auch das gehört zum Leben und ist gerade für unsere Generation oft ein Thema.

  • Habt ihr eure Sichtbarkeits-Strategien jemals bewusst geändert, von „Da halt ich mich mal lieber bedeckt“ zu „mehr Offenheit“ – oder umgekehrt?

Nein, denn älter zu sein heißt ja nicht auch älter zu denken!!!

  • Oder haltet ihr solche Strategien ganz grundsätzlich für völligen Blödsinn? Wenn ja: warum?

Ich würde es einfach ungern Strategie nennen. Ich bin, wie ich bin und das hat nichts oder nur wenig mit meinem Alter zu tun. Genau das möchte ich meinen Lesern rüberbringen.

  • Und noch mal zum Rechnen: Gibt es so etwas wie ein Idealbild eurer Präsentation im Netz? Wie viel Offenheit enthält das? Und wie erreicht ihr dieses Idealbild?

Genau, wie ich nie Vorbilder hatte, habe ich auch kein Idealbild. Alle Dinge, die ich mache, geschehen aus vollem Herzen und ich freue mich über jede Person, die mich auf diesem Weg begleitet.

  • Gibt es unter euch Blogger, die über diese Frage noch nie nachgedacht haben – und ich mach hier ganz unnötig die Pferde scheu?

Für andere kann ich nicht sprechen, aber für mich war es von Anfang an klar, dass ein Blog auch viel persönliches von mir enthalten sollte. Ich glaube, du machst dir zu viele Gedanken.

  • Oder habt ihr euer Blogthema von Anfang an schon bewusst so gewählt, dass ihr euch solche Fragen erst gar nicht stellen müsst? Wenn ja: Wie geht es euch damit? Fehlt euch da manchmal die „persönliche Note“?

Das Einzige, was ich nicht wollte war „nur“ einen Modeblog oder ähliches zu haben. Ich wollte immer ein Stück von mir zeigen. Das ist nichts gegen Modeblogs, ich lese sie selbst gerne, aber das war eben nicht mein Weg.

  • Wenn ihr andere Blogs anseht: Mögt und folgt ihr eher denen mit „persönlicher Note“ – oder lieber jenen, die (so weit das geht…) „neutral“ daher kommen?

Blogs mit viel Persönlichkeit und schönen Texten ziehen mich sehr an. Oft kann ich noch eine ganze Menge (auch von jungen Leuten) lernen. Neutrale Blogs gibt es sehr viele. Die langweilen mich eher.

  • Wie viel Sichtbarkeit im Netz verträgt das berufliche, private und persönliche Selbst-Bild? Wie wägt ihr ab? Was zeigt ihr, wie viel von euch? Und was – warum? – nicht?

Darüber nachgedacht, ob mir einige meiner sehr persönlichen Artikel beruflich eventuell schaden könnten, habe ich ehrlich gesagt nicht. Bisher war das auch nicht so. Einige meiner Kunden lesen tatsächlich meinen Blog. Ich glaube, in meinem Alter macht man sich nicht so viele Gedanken darüber wie man auf andere wirkt . Ich zeige mich ja nicht nackt im Netz – wäre auch kein so toller Anblick mehr.

Liebe Maria, mach dir nicht so viele Gedanken. Sei möglichst persönlich in deinem Blog, sei authentisch und tue immer deine wahre Meinung kund. Schreibe einfach nichts zu einem Thema, wenn du von vornherein schon Bauchschmerzen dabei hast. Vielleicht werden die Vorbehalte weniger, je länger du bloggst.