Über das Vergessen

Beim Schnüffeln in verschiedenen Blogs, bin ich auf die Seite „odernichtoderdoch“ geraten. Zuerst dachte ich: „Na ja, der dreihundertzwölfzigste Blog über Klamotten und wie ich darin aussehe“. Dann las ich eine Überschrift, die mich neugierig machte.

© bilderstoeckchen - fotolia.com
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Ich habe Angst vor der Einsamkeit„.

Eine 25 Jahre junge Frau schreibt einen Beitrag, der mich anrührt und mir fast die Sprache verschlägt. Habe ich mir in diesem Alter solche Gedanken gemacht? Das kann ich mit einem klaren NEIN beantworten.

1979, als ich 25 war, wurde über solche Dinge, wie VERGESSEN = Alzheimer oder Demenz nicht gesprochen, auch nicht von oder mit meinen Großeltern. Das war einfach ein Tabu. Auch in den Medien spielte dieses Thema keine große Rolle. Heute werden sehr gute Filme über diese Problematik gedreht und damit mehr Verständnis in den Menschen geweckt.

Heute, mit 60, denke ich nicht darüber nach, wer sich an mich erinnern wird. Das ist mir nicht so wichtig. Aber ich möchte die schönen Augenblicke in meinem Leben nicht vergessen. Auch ich habe mittlerweile mehrere Erinnerungskisten und Fotoalben, die ich ein-/zweimal im Jahr aus dem Keller hole. Es ist immer so schön nostalgisch, die einzelnen Dinge (Haarlocken meiner Mitschüler, Eintrittskarten, Programmhefte, alte Fotos usw.) in die Hand zu nehmen und mich der Momente zu erinnern.

Natürlich denke ich ab und zu wie schrecklich es wäre, das alles zu vergessen. Aber, ist es das wirklich?  Irgendwie glaube ich, das man selbst davon am wenigsten merkt. Am Anfang vielleicht, wenn man immer schusseliger wird, aber später nicht mehr. Dann ist es für die Menschen, die uns lieben, sehr viel schlimmer.

Vielleicht kann man selbst etwas tun, um nicht in das Vergessen abzutauchen. Ich versuche es, indem ich ständig weiter lerne und neugierig auf alles Neue bleibe. Meine Hoffnung ist, damit mein Gehirn fit und die Erinnerungen wach zu halten.

Liebe Joanna, danke für den wunderschönen Beitrag in deinem Blog und für einen nachdenklichen Sonntagmorgen. Ich werde gleich einmal wieder meine Kisten aus dem Keller holen.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr schöner Beitrag mit guten Gedanken! Ich glaube auch, dass so etwas für Angehörige immer schwieriger ist, als für die Person selbst!
    odernichtoderdoch verfolge ich schon seit einigen Jahren und bin immer wieder begeistert von den tollen Gedanken und Ideen dort! 🙂

    Liebe Grüße
    Sophie

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  2. Hallo liebe Karin, vielen Dank für deine lieben Worte und deinen wunderschönen Beitrag! Ich werde deinen Blog gern weiter verfolgen und mich mal ein bisschen in deine älteren Beiträge einlesen, wenn ich etwas mehr Zeit habe 🙂 Liebste Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich dir! Joana

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