Von Falten und Erdanziehung

Der Karfreitag macht mich immer so nachdenklich. Das christliche Osterfest hat ja etwas zu tun mit Tod und neuem Leben.

Wir sind die erste Generation, die mit 60 noch ein Drittel Lebenszeit vor sich hat. Für die Gesellschaft bedeutet das, wir sind für die Evolution nicht mehr wichtig. Wir können keine Kinder mehr zur Welt bringen und in Rente gehen wir auch bald bzw. sind schon Rentnerinnen. Also werden wir nur noch durchgefüttert und sind nicht mehr relevant.
Die Welt hat sich den neuen Bedingungen noch nicht wirklich angepasst. Jung sein = faltenfrei und gebärfähig, alt sein = faltig, hinfällig und auf den Tod wartend.
Wie schon oft gesagt, ist es nicht so. Wir können der Gesellschaft durchaus nützlich sein, wenn sie uns läßt.

Trotzdem ist das Altern nichts für Feiglinge. Bis vor einigen Jahren hatte ich mit dem älter werden überhaupt keine Probleme. Weder der 30ste, noch der 40ste oder 50ste Geburtstag waren für mich der Rede wert. Es hat mir einfach nichts ausgemacht.
Meine Mutter sagte immer: “Der Mensch altert in Schüben” oder “Alle 7 Jahre ändert sich der Mensch”. Recht hatte sie! Mit Mitte 50 bin ich eines Morgens aufgewacht und hatte eine tiefe Falte zwischen Mundwinkel und Kinn (fast wie Angela Merkel). Ich dachte, ich hätte falsch geschlafen und das ginge in ein paar Stunden wieder weg. Pustekuchen, die Falte blieb.

Vor ein paar Tagen stand ich, nach längerer Zeit, einmal wieder ganz nackig vorm Spiegel, um mich für den Mädelsabend fertig zu machen. Mein ganzes Leben war ich stolz auf mein festes Bindegewebe, das ich von der Natur und vollkommen ohne große sportliche Betätigung, mitbekommen hatte. Nun waren einige Teile meines Körpers eine Etage abgesackt. Das mit der Schwerkraft stimmt leider wirklich. Irgendwann ist sie stärker als unser Fleisch. Wir müssen uns verabschieden von der Jugendlichkeit unserer Haut, auch wenn das nicht gerade einfach ist.

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Schon als junges Mädchen wollte ich in Würde alt werden. Von Botox und Operationen halte ich nicht viel, weil ich glaube, dass man sich damit ein “neues Leben” erkaufen will. Das klappt aber nicht. Auch wenn man äußerlich glattgebügelt ist, bleibt man doch der gleiche Mensch. Aus diesem Grund unterstütze ich gerne und mit voller Überzeugung die Aktion “Rettet die Lachfalte” meiner Kollegin “Rostrose”.

Jung sein bedeutet für mich, am Leben Spaß zu haben, neugierig zu bleiben, immer wieder neues zu lernen und das Kind in mir nicht zu verleugnen. Das Älterwerden hat durchaus Vorteile:

  • Wir haben einen großen Erfahrungsschatz aus dem wir schöpfen können .
  • Wir müssen nicht mehr jeden Mann verführen – wir können einfach Freunde sein.
  • Was andere sagen, wird uns immer gleichgültiger.
  • Wir müssen nichts mehr, wir können!

Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Greift mit beiden Händen alles, was das Leben euch bittet, den es ist schön. Was ihr daraus macht, liegt ganz bei euch.
Ich wünsche euch einen schönen und vielleicht ein wenig sonnigen Karfreitag.

 

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Große Klasse, dein Artikel, liebe Karin – dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen! Ich freue mich sehr über deine Beteiligung an der Lachfaltenrettungsaktion – DANKE!
    Ich wünsche dir ein feines und gemütliches Osterwochenende!
    Herzlichst, Traude
    (⁀‵⁀,) ✿
    .`⋎´✿✿¸.•°
    ✿¸.

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