Zwischen 40 und 60 – Interview mit Gisela Fischer-Eggler

Gisela sieht sich nicht als typische Bloggerin, die regelmäßig zu bestimmten Themen schreibt. Vielmehr reizt sie das Erstellen von Websites, Blogs und professionellen Texten. Mit Ü60 liebt sie es, ihren Ruhestand aktiv und interessant zu gestalten. Ihren Blog: www.mynouvelles.de

Liebe Gisela,

Wie war Dein Lebensgefühl mit 40 und wie unterscheidet es sich zu heute?

Bevor ich mich auf das Interview und dessen Fragen einließ, machte ich mich auf die Suche nach einem Foto, auf dem ich ca. 40 Jahre alt bin. Das stellte sich als äußerst schwierig dar. Ich musste mich aus einem Bild mit Freunden „schneiden“, um mich im damaligen Alter zu zeigen. Das ist nicht verwunderlich, denn ich agierte stets als Familien-Fotograf und gab meine Canon nur ungern aus der Hand. Wie so vieles im meinem Leben … Alles musste unter einen Hut und wurde von mir bestens „behütet“. Ich wollte aktiv sein und das war ich mehr als genug. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Gisela mit 40

Welche Wünsche und Träume hattest Du in diesem Alter und was davon ist in Erfüllung gegangen?

Meine Wünsche und Träume waren schon immer sehr realistisch und so kann ich heute sagen, ich habe mir meine Wünsche größten Teils erfüllt und meine Träume gelebt. Vielleicht mussten einige der Vernunft weichen, aber als Jungfrau kann ich das respektieren. Um Beruf und Familie gut zu verbinden, machte ich mich mit einem Konstruktionsbüro selbstständig. So musste ich nicht aus dem Haus und konnte mir meine Zeit frei einteilen. Besser geht es nicht! Oder doch? Mit 40 Jahren erfüllte ich mir einen Traum – ich ließ mich zur ganzheitlichen Kosmetikerin ausbilden und lernte alles von Phytotherapie bis hin zur Lehre der Ayurveden. Als mir bewusst wurde, dass sich meine Vorstellungen von Kosmetik nur im eigenen Studio realisieren lassen, eröffnete ich mein eigenes Institut. Es veränderte sich viel an und in mir. Die Arbeit mit Frauen war für mich neu. Ich beschäftigte mich plötzlich mit femininen Themen, abseits der Arbeit in einer absoluten Männerdomain. Es tat gut, nicht mehr in Konkurrenz zu männlichen Kollegen zu stehen, die in diesem Bereich nur ungern ihre Kompetenz abgeben. So genoss ich ein völlig neues Lebensgefühl, das sich mehr um die Frau und damit auch um mich kümmerte. Auch äußerlich veränderte ich mich, meine Haare wurden länger und die zu früh ergrauten Strähnen erhielten etwas Farbe.

 

Wenn Du heute auf die letzten 20 Jahre zurück schaust, wie ist Dein Resumé? Gab es Schicksalsschläge oder tiefgreifende Veränderungen in dieser Zeit und wie haben sie Dein Leben beeinflusst?

Bei mir sind es ja fast 30 Jahre und ich kann nicht über schwere Schicksalsschläge klagen. Natürlich gibt es einige Krisen, auf die ich gerne verzichtet hätte, aber es sind die Dinge im Leben, die mich zu der Frau machten, die ich heute bin. Für mich gleichen Krisen einer Wegkreuzung, an der man sich entscheiden muss, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen oder eine andere Richtung zu wählen. Damit meine ich jedoch nicht schwere Krankheiten und Schicksalsschläge. Die Krankheiten, mit denen ich konfrontiert wurde waren nicht immer einfach, aber heute sind sie vergessen. Oftmals ist es der Körper, der uns zeigt, was auf die Seele drückt. Die Entscheidung, mein Konstruktions-Büro zu schließen gehört eventuell in diesen Bereich. Dass ich 10 Jahre später mein inzwischen erfolgreiches Kosmetikinstitut auf gab, hatte einen anderen Grund. Ich erhielt ein tolles Angebot und nahm es an! So leitete ich 11 Jahre erfolgreich den exklusiven SPA- und Fitnessbereich eines 5* Hotels in Baden-Baden.

 

Bist Du heute zufriedener oder trauerst Du der alten Zeit hinterher?

Ich fühlte mich in jedem Alter zufrieden und wenn nicht, sorgte ich für mich mit Yogaübungen, Schwimmen, Radeln oder Stricken. Vor allem Yoga hilft uns, diese spannende Zeit gut zu meistern. Ich vergleiche das Alter Ü50 – Ü60 gerne mit der Pubertät, denn es sind exakt die Lebensphasen, in denen sich unser Leben am stärksten verändert – nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Mit viel Bewegung und gesunder Ernährung habe ich mich mit dem Älterwerden verbündet. Ich spiele regelmäßig Golf, schwimme viel, besuche die Therme zum Saunieren, nehme am Rehasport teil und gehe täglich mit meinem Hund eine große Runde. So erhielt mein Leben eine neue Qualität und es gibt wenig Grund, sich nach alten Zeiten zu sehnen. Oder doch – wenn Eltern, Geschwister und Freunde nicht mehr da sind, wenn das übliche Telefonat fehlt oder wenn eine Krankheit sie in eine andere Welt entführte, dann vermisse ich so manch schöne Stunde aus den früheren Jahren. Doch jedes Alter hat seine Zeit und bei uns auch der Ort, an dem wir lebten. Mit Eintritt in den Ruhestand erfüllten wir uns den Traum, als Senioren in der Bayerischen Toskana zu leben. Umgeben von herrlichen Golfplätzen, warmen Thermen und einer unberührten Natur.

 

Welche Wünsche und Träume hast Du für die nächsten 20 Jahre?

Die Erfüllung meiner Wünsche und Träume in der „ruhigeren“ Zeit hat schon vor 4 Jahren begonnen. Ich verabschiedete mich von meinem Manager-Job und dachte nur noch an Erholung und viel freie Zeit. Doch das dauerte nicht lange an, denn ich stieß im Internet auf das Thema „Bloggen“. Meine Neugierde war geweckt und ich las alles, was mir zu diesem Thema zu Nahe kam. Das war der Beginn von mynouvelles. Doch ich wollte nicht mich präsentieren, mich interessierte vielmehr die Technik. Ich kniete mich nochmals voll rein und erstelle heute mit Begeisterung Websites und Blogs. Eine weitere Liebe gehörte schon immer dem Texten, woraus sich ein kleines (aber feines) Texter-Büro entwickelte. Klein genug, dass Familie, Sport und Hobby nicht zu kurz kommen. Da bleiben nicht viele Wünsche offen, doch es sind die Wichtigsten: Eine gesunde Familie!

 

Danke liebe Karin.

Ich danke dir liebe Gisela, du scheinst ein rundum glücklicher und zufriedener Mensch zu sein. Das ist wunderschön und ich hoffe, dieser Zustand bleibt dir noch sehr lange erhalten.

 

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Danke liebe Karin, ich habe Deine Fragen sehr gerne beantwortet und gleichzeitig machten Sie mich sehr nachdenklich. Ich werde Deine interessanten Interviews weiterhin verfolgen. LG Gisela

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