Holocaust gestern und heute

Die Fernsehserie Holocaust mußte ich mir unbedingt wieder anschauen. Ich erinnerte die genaue Handlung nicht mehr, aber ich erinnere mich ziemlich gut an die Umstände der Erstausstrahlung.

Es ist 40 lange Jahre her. Ich war eine junge Frau und relativ frisch verheiratet. Interssiert war ich schon immer an den Geschehnissen im Dritten Reich. Ich hatte mir viele Dokumentationen angesehen, auch über die Konzentrationslager. Schreckliche und aufwühlende Bilder waren dort zu sehen, die aber trotzdem irgendwie steril waren. Bilder von Bergen ausgehungerter toter Körper, die aber nichts mit mir zu tun hatten und auf schaurige Weise unwirklich waren. Mit dem Fernsehfilm Holocaust sollte sich das ändern.

Damals, wie auch heute wurde die amerikanische Serie im WDR, also im sogenannten 3. Programm ausgestrahlt und konfrontierte uns alle auf sehr persönliche Weise mit der Vergangenheit unserer Eltern und Großeltern. Mit einemmal hatten die Opfer ein Gesicht und man konnte die Schicksale anhand einer Familie nachverfolgen. Diese Art eine Zeit, ein Regime und seine Taten vor Augen geführt zu bekommen, hat eine andere Wirkung auf unsere Gefühlswelt, – zumindest war es bei mir so. Die halbe Serie lang saß ich weinend vorm Bildschirm.

Im Vorhinein gab es damals viele öffentliche Diskussionen. Kritiker bezeichneten den Film als Hollywood-Kitsch, vor dem das deutsche Volk bewahrt werden müßte. Mich jedenfalls machte das nur noch neugieriger. Mein erster Mann und ich bauten gerade unser Haus und fuhren jeden Abend zum Bauplatz um nach dem Rechten zu sehen und die Fortschritte zu begutachten. Wenn die Serie lief, eilten wir früher als sonst nach Hause, damit wir ja keine Minute verpaßten.

Das Wiedersehen nach so langer Zeit hat die gleiche Wirkung auf mich wie damals. Ich bin erschüttert und bin noch sicherer, das so etwas niemals wieder passieren darf. Egal um welches Volk, um welche Rasse oder um welche Religion es sich handelt, keinem Menschen auf dieser Welt darf jemals wieder solches Leid zugefügt werden.

Bei allen Problemen und Schwierigkeiten mit dem Zustrom von Flüchtlingen, steht es Deutschland gut zu Gesicht, diese aufzunehmen und so Menschen vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Das ist das Mindeste, was wir tun können.

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