Wo bleiben die Gefühle?

Das unsere Welt in weiten Teilen ziemlich gefühlskalt geworden ist, ist leider eine Tatsache. Das dies aber auch in manchen modernen Inszenierungen so ist, war mir bisher nicht bewußt. Aber der Reihe nach:

Romeo und Julia

Silvesterabend besuchten meine Freundin und ich eine Aufführung von “Romeo und Julia” des Schauspiels Köln. Es begann bereits mit dem Bühnenbild, das hauptsächlich aus Glasschiebe- und -drehtüren bestand und sich über die gesamte Zeit auch nicht veränderte. Das mutete zwar schon sehr kühl an, aber damit konnte ich leben. Dem Stück zu folgen und die Handlung zu verstehen, dürfte jedoch jedem, der die Handlung nicht kennt, schwer gefallen sein, so sehr wurde modernisiert. Besonders im ersten Teil experimentierte man extrem mit der Sprache. Teilweise waren die Sätze ordinär und auf billige Lacher ausgerichtet. Die gesamte Aufführung war so romantisch, wie eine Dokumentation über Stahlherstellung. Die Gefühle, die die Geschichte der beiden Liebenden eigentlich auslösen sollten, wurden in keinster Weise vermittelt. Daran änderte das engagierte Spiel des jungen Ensembles leider auch nichts.

La Traviata

Im November letzten Jahres besuchte ich die Oper “La Traviata”. Ich freute mich auf die wunderbare und tragische Geschichte der “Kameliendame” und auf die schöne Musik. Das Einzige wirklich tolle war dann auch die Musik und die erstklassigen Interpreten.

Auch diese Handlung war in die heutige Zeit versetzt, was an sich ja nichts schlechtes ist, paßt sie doch auch ins hier und jetzt. Das Bühnenbild bestand aus einem Irrgarten durch den Wasser floß. Allerdings befand sich dieser direkt am Bühnenboden und konnte nur gesehen werden, wenn man direkt davor stand. So machte es den Eindruck, dass die Sängerinnen und Sänger irgendwie unmotiviert und unbeweglich herum standen. Zum Schluß ging die Hauptdarstellerin, in Ermangelung eines Bettes für die arme Kranke, zum Sterben nach draußen. Auch hier entwickelten sich beim Zuschauer nur spärlich Gefühle und wenn, wurden sie durch die Musik ausgelöst.

Zweimal hintereinander habe ich nun moderne Inszenierungen gesehen, die darauf ausgerichtet waren, alles was Gefühle auslösen könnte heraus zu lassen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber egal was ich mir anschaue, ob Oper, ein Theaterstück, einen Film, ich möchte lachen oder weinen können. Kurz gesagt ist es mir wichtig, dass meine Emotionen geweckt werden.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen machen können?

 

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Im Theater wird mit viel Begeisterung experimentiert – man muss schließlich dem Publikum auch eine Alternative zu Netflix bieten ;-)
    Nicht alles ist gelungen, aber vieles ist auch sehr gut. Vor ein paar Jahren habe ich eine Aufführung von Goethes Faust gesehen. Da knatterte Mephisto auf einem alten Mofa durch die Zuschauer. Und Auerbachs Keller wurde während der Pause in der Cafeteria gespielt. Ich fand das alles in allem sehr gut gemacht und zeitnah.
    LG
    Sabienes

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  2. Das geht mir genauso. Der letzte Reinfall oder besser gesagt – Operette auf modern getrimmt – war zu Silvester “Orpheus in der Unterwelt”. Zum Glück kannte mein Partner den Inhalt, denn mir hat er sich bis zum Schluss nicht erschlossen. Schade.

    Da dieses Vorgehen zunimmt, schaue ich mir mittlerweile genauestens Bilder oder, falls vorhanden, Trailer sowie Artikel in der Presse an.

    In der Hoffnung, dass diese Phase bald vorbei ist
    grüße ich dich ganz herzlich
    Elvira
    Elvira Löber kürzlich veröffentlicht…Langsamkeit heißt mein Jahresmotto für 2018My Profile

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