Muß heiraten immer ein Vermögen kosten?

Brautkleider von ein-/zweitausend Euro aufwärts, Hochzeitsbudgets von zehntausend Euro aufwärts, all das scheint heute vollkommen normal. Ich selbst hatte nie eine “große” Hochzeit und wollte sie auch nicht. Sicher wäre ich gerne einmal eine weiße Braut gewesen, wie wohl fast jede Frau, sollte aber nicht sein.

Prinzessin war ich trotzdem und das mehr als einmal. Zum ersten Mal war das im Karneval, da war ich so ungefähr neun Jahre alt. Meine Mutter, gelernte Schneiderin, hatte mir ein wunderschönes Kleid aus Tüll und Satin genäht und natürlich in Rosa. Zwei Jahre hintereinander habe ich es getragen. Im ersten Jahr mit einer goldenen Krone, im zweiten Jahr mit einem tollen Diadem mit funkelnden Straßsteinen.

Später, in meiner Tanzsportzeit, kamen einige Abendkleider dazu. Besonders mein Kleid zum ersten Abschlussball war Prinzessin total. Wieder war es rosa (ich höre die Feministinnen schön aufstöhnen) und als ich damit aus der Umkleidekabine kam, sagte ein kleines Mädchen zu seiner Mama: “Schau mal Mami, da ist eine Prinzessin”. Damit war klar, dass ich dieses Kleid kaufen musste.

Alle Ehen in meinem Bekanntenkreis, die mit großem Pomp und in Weiß geschlossen wurden, sind inzwischen geschieden. Das machte mich mit den Jahren ein wenig abergläubig. Auch deshalb habe ich nie in Weiß geheiratet. Genutzt hat es mir aber trotzdem nicht, denn, bis auf die letzte, gingen die Ehen auch auseinander. Ehrlich gesagt, waren die schönsten Hochzeiten die, die locker und authentisch gefeiert wurden und das waren meist die, mit dem kleinen Budget.

Das schönste und vor allem berührenste Fest war die goldene Hochzeit der Großeltern meines zweiten Mannes. Vormittags wiederholten die Beiden, todschick zu Recht gemacht, das Jawort in der heimischen Kirsche. Sie waren so aufgeregt und sahen auf seltsame Weise jung aus. Danach wurden die Jubilare im Saal eines Restaurants am Ort von Freunden und Familie, die auch ihr Leben widerspiegelten, gefeiert. Das alles war eher bescheiden, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Es wurde geweint und gelacht und das Goldpaar war mit Recht stolz wie Oskar.

Es kommt im Leben nicht auf Prunk und Quantität an. Gerade die kleinen Veranstaltungen, nur mit den Menschen, die uns wirklich etwas bedeuten, sind oft die Schönsten. Mit dem gesparten Geld können wir soviel besseres anfangen.

 

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  1. Ich bin nun heuer 39 Jahre verheiratet. Schon damals hatte ich keine Lust so viel Geld auszugeben und habe mir ein günstiges Kleid gekauft! Der Ehe hat es nicht geschadet! Viele Freunde waren bei der Hochzeit, dass war uns wichtig! Heute wird das schon manchmal maßlos übertrieben – eine Freundin von mir arbeitet in einem Hochzeitskleidergeschäft. Die kann Geschichten erzählen! Liebe Grüße Gabi

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