Sonntagsfragen: Die Reifeprüfung Ü40

Die Reifeprüfung ist die neue Interviewreihe für alle, die festgestellt haben: Älter wird ja jeder! Und nun? Wir freuen uns auf spannende Einsichten, Lachfalten und eure Meinungen.

Meine erste Interviewpartnerin ist Susanne Ackstaller. Seit dem Jahr 2000 ist sie freie Werbetexterin und hat seitdem für unzählige Unternehmen und Agenturen geschrieben, nicht nur im Bereich Lifestyle, Mode und Beauty, sondern für ganz unterschiedliche Branchen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch auf ihrem Blog texterella wieder. Susanne ist, wie ich finde, eine Frau mit Pep und Persönlichkeit. Das spiegelt sich auch in ihren Antworten zum Thema „Älterwerden“ wieder.

Auf einer Skala von eins bis hundert, wie alt bist du und wie alt fühlst du dich?

Oweia. Können wir es einfacher machen? Mathe war nie meine Stärke.
Also: Ich bin 49 und werde im nächsten Januar 50. Gefühlt bin ich eher Anfang 30.

Was fällt dir als erstes positiv ein, wenn du an Menschen über 60 denkst? Was an negativen Dingen? Wie viel davon ist Vermutung, Beobachtung oder selbst erlebt?

Positiv fallen mir all die tollen Frauen über 60 aus meinem Bekannten- und Freundeskreis ein. Alle total jung und im Leben stehend!

Negativ: Da denke ich ehrlich gesagt als erstes an die Farbe Beige – und an Kittelschürzen. Obwohl zumindest das zweite in keinster Weise meiner eigenen Beobachtung entspricht. Und auch die Farbe Beige scheint mir auf dem Rückzug zu sein. Gott sei dank!

Was heißt Älterwerden für dich? Macht es dir Angst?

Älter werden heißt für mich vor allem eines: dass das gefühlte und das tatsächliche Alter immer stärker auseinander klaffen. Ich fühle mich wie 35 (manchmal sogar noch jünger!) – bin aber tatsächlich fast 15 Jahre älter.

Älter werden heißt für mich aber auch, dass mir eines immer bewusster wird: Meine Zeit auf dieser Welt ist begrenzt. Heißt: Mach was draus! Vor diesem Hintergrund macht mir eines tatsächlich Angst: dass ich irgendwann 85 bin – und feststelle, dass in meinem Leben die falschen Dinge Priorität hatten.

Wo siehst du dich nächstes Jahr, in fünf oder in zehn Jahren? Wie viel Erfolg/Erfahrung hattest du bisher damit, dein Leben zu planen, was klappt und was nicht?

Puh. Das ist schwierig. Kurzfristig wird sich bei mir wohl nicht so viel ändern, ich habe noch drei Schulkinder, die mein Leben maßgeblich mitbestimmen. Aber wenn die in ein paar Jahren aus dem Haus sind, möchte ich auch mein eigenes Leben freier gestalten. Will sagen: Ich will gerne auch über mehrere Wochen in anderen Städten oder Ländern leben und dort arbeiten. Das ist etwas, das ich mir für meine späteren Jahre fest vorgenommen habe. Über airbnb ist so etwas ja auch gut organisier- und machbar.

Kurz gesagt: Ich will noch mehr von der Welt sehen, und zwar nicht als „klassischer Tourist“. Das ist mir wirklich sehr wichtig.

Gibt es deiner Meinung nach Tabuthemen rund um ältere Menschen?

Auch schwierig zu beantworten. Aber wenn ich so darüber nachdenke, scheint mir, dass das Thema Liebe und Sex tatsächlich ausgespart wird. Ab einem gewissen Alter scheint man quasi „geschlechtlos“ zu werden …

Warum, glaubst du, bleiben wir heute so viel jünger als frühere Generationen? Oder ist das nur ein Gerücht?

Nein, das ist definitiv kein Gerücht. Wenn ich an meine liebe Oma zurückdenke: Sie war immer „älter“ als meine Mutter, selbst als sie noch viel jünger war als sie. Sie trug einen Knoten und besagte Kittelschürze.

Warum das so ist? Erstens: die viel bessere medizinische Versorgung, die uns lange jünger sein lässt. Dann natürlich, zumindest hier in Deutschland und der westlichen Welt: ein sicheres, relativ sorgenfreies Leben, das Platz lässt zur eigenen Entfaltung. Auch das hält jung.

Fühlst du dich angesprochen, wenn Werbung auf deine „Altersgruppe“ zugeschnitten ist oder ist das eher lustig? Wie müsste Werbung aussehen, damit sie wirklich dich betrifft?

Oweia. Darf ich diese Frage auslassen? Dazu fällt mir echt nix ein.

Was tust du konkret, um jung zu bleiben?

Da bin ich wenig einfallsreich: ein bisschen Sport, gesunde Ernährung, Hautpflege. Medizinische Vorsorge betreiben – ohne sich aber ständig mit möglichen Krankheiten zu beschäftigen. Nicht rauchen.

Dennoch kann man das körperliche Altern natürlich nur begrenzt aufhalten. Im Kopf kann man aber bis ins hohe Alter jung bleiben: Spaß haben. Offen in die Welt hinausblicken. Über den Tellerrand gucken. Und ein Beruf, der erfüllt und Freude macht. Das ist mein Rezept. Auch meine drei Kinder halten mich natürlich jung.

Apropos jung bleiben: Hast du einen Lesetipp für uns? (Blog, Buch, Magazin?)

Grundsätzlich lese ich alles, was mich interessiert – ich frage mich also nicht zuerst, ob ich die tatsächliche Zielgruppe bin. Magazine „ab 40“ lese ich aber eher selten, das ist mir zu eindimensional und offensichtlich zugeschnitten. Was ich gerne lese, sind Lifestyle-Blogs von Frauen ab 40, 50 oder 60 (wobei es letztere sehr selten gibt). Aber auch hier macht es weniger das einzelne Blog, sondern mehr die Mischung aus allen, die für mich dann letztlich auch Vorbildfunktion hat.

Zu meinen Lieblingsblogs gehören – und zwar nicht nur wegen der publizierten Inhalte, sondern in erster Linie wegen der Power, die diese Frauen vermitteln:

Fabforties
Life40up
Glam up your Lifestyle
Lady of Style
A hemad und a hos
Tamera Beardsly

Liebe Susi, vielen Dank für das Interview und sei versichert, wir Frauen Ü60 tragen keine Kittelschürzen. Vielleicht findet man das (aber auch nur ab und zu) noch bei der Generation Ü80.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Zum Glück gibt inzwischen einige schöne Blogs von Powerfrauen Ü40. Dazu gehört auch dieser Blog und ich fühle mich sehr geehrt, in der Liste der Ü40-Powerfrauen-Blogs erwähnt zu sein. Dankeschön, liebe Susi. Schönes Interview!

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