Wenn nicht jetzt, wann dann?

Im Freundeskreis und auch unter uns BloggerInnen sind kürzlich einige arbeitslos geworden bzw. haben ihren Job verloren. Die Gründe sind vielfältig. Bei der einen hat die Geschäftsführung gewechselt und man kommt nicht mehr miteinander klar. Die Nächste ist dem Sterben der Printmedien zum Opfer gefallen. Egal welcher Grund, das Problem ist, die Frauen sind keine zwanzig oder dreißig mehr.

Das Leben ist kein Wunschkonzert

Das erinnert mich an meine Geschichte. Mit Mitte Vierzig war ich beruflich etabliert, verdiente sehr gut und hatte eigentlich sehr viel Spaß an meiner Arbeit. Bernd, mein Mann gründete mit einem alten Freund, mit dem er Informatik studiert hatte, eine kleine Firma. Alles schien gut. Ich wurde im Job hochgelobt, aber befördert wurden die männlichen Kollegen. Irgendwann hatte ich die Nase voll, gab meine Stelle auf und machte mich mit einem Internetshop für Schmuck und Geschenke selbstständig.

Als der Shop nach zwei Jahren endlich gut lief, ergaben sich bei meinem Mann grundlegende Veränderungen. Zuerst stieg sein Freund aus der Firma aus und ich stieg halbtags mit ein. Als Bernd dann schwer erkrankte, gab ich meinen Shop auf und übernahm die Geschäftsführung unserer Firma.

Das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit uns, denn das alles geschah mitten in der großen IT-Krise. Wie so viele in dieser Zeit, erwischte es auch uns und wir mussten Insolvenz anmelden. Bernd ging es inzwischen so schlecht, dass er nur noch wenige Stunden in der Woche in der Lage war zu arbeiten. So musste er Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen. Da er lange selbstständig war und auch noch Rentenansprüche an seine 1. Ehefrau übertragen worden waren,  fiel diese Rente ausgesprochen mikrig aus. Also musste ich etwas tun um unseren Lebensunterhalt zu sichern. Inzwischen war ich 55 Jahre alt und konnte im Prinzip vergessen, einen halbwegs lukrativen Job zu bekommen.

Nochmal von vorne mit Gefühl

Eigentlich war die Zeit der Überlegung und Planung nur kurz. Ich hatte bereits hobbymäßig einige Webseiten eingerichtet und machte nun dieses Hobby zum Beruf. Heute kann ich davon recht gut leben. Da die IT-Branche ständigen Veränderungen unterworfen ist, muß ich auch ständig neues lernen. Aber das hält mein Gehirn fit und mich jung.

Ihr Lieben, so schlimm es zunächst scheint, plötzlich ohne festen Job dazustehen, es ist auch eine Chance. Wer es sich finanziell irgendwie leisten kann, sollte nun eine kleine Pause einlegen um sich klar zu werden:

  • Was möchte ich?
  • Was habe ich mir schon immer erträumt?
  • Was wollte ich schon immer tun?
  • Was macht mich wirklich glücklich?

Also, nur Mut!

Jetzt ist die Zeit gekommen etwas zu wagen, denn:

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

Über Alltagsstreß und Sicherheitsdenken vernachlässigen wir uns und unsere Träume nur allzu oft. Habt ihr schon euren Traumberuf? Wenn ja, prima – geht los und sucht mit Freude und Selbstbewußtsein einen neuen Job. Es wird schon klappen. Wart ihr aber schon lange nicht mehr glücklich mit eurer Arbeit, dann nicht mehr warten und aufschieben. Legt los und macht das, was ihr schon immer machen wolltet. Erfüllt euch endlich den Wunsch, der tief in euch drin nagt und probiert etwas neues.

Steve Jobs, der Gründer von Apple, sagte einmal:

„Ich frage jeden Morgen mein Spiegelbild. Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich das, was ich mir heute vorgenommen habe, auch wirklich gerne tun?“

Oft ist die Angst zu scheitern so übermächtig, dass sie uns regelrecht lähmt. Es gibt aber ehrlich gesagt schlimmeres, als zu scheitern. Aufstehen, Krone richten und weitermachen kann ich da nur sagen, ihr werdet es sonst später bereuen, es nicht wenigstens probiert zu haben. Bedenkt, die zweite Möglichkeit ist, dass euer Mut unendlich belohnt wird. Das Alter spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Es ist nie zu spät neues zu lernen und auszuprobieren.

Sie hat sich getraut

Meine Kollegin Maria Al-Mana ist gerade in dieser Phase. Sie hat beschlossen, sich selbstständig zu machen und dies jetzt auch verwirklicht. Ihre hagelneue berufliche Website findet ihr unter www.texthandwerkerin.de. Im Blog „Unruhewerk“ hat ich gleichzeitig eine kleine Reihe gestartet, innerhalb der sie uns über ihren Neustart erzählen wird. Ich wünsche Maria alles Glück der Welt und möge ihr beruflicher Neuanfang gelingen, denn Mut muß einfach belohnt werden.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Mut ist keine Frage des Alters: Karin Austmeyer -

  2. Ich bin auf einer Runde durch Bloggerhausen hier vorbei gekommen und habe gleich diesen Artikel entdeckt. Zwar war ich noch keine 50, als ich mein Leben komplett umgeworfen und mich selbständig gemacht habe. Aber mit Anfang 40 und nach über 20 Jahren in meiner Arbeit war einfach der Punkt da: Wenn ich es jetzt nicht mache – in ein paar Jahren packe ich es nicht mehr.
    Ich bin leider noch in der „Es-läuft-noch-nicht-so-rund-und-ich-zweifle-an-mir“-Phase, aber noch habe ich es nicht bereut. 🙂
    Lieben Gruß auf diesem Weg
    AnnJ

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  3. Ach Karin, ich knutsch dich mal wieder… einfach so, mitten durch die Netzwelt… Danke!

    Ganz im Ernst: Ich bin grad ziemlich baff darüber, wie viele Menschen hier bei dir oder mir im Blog und auch auf FB sagen: „Ja, ich auch! Bin über 50 und starte noch mal beruflich ganz neu durch.“ Aus den unetschiedlichsten Gründen…. Und doch scheint mir, dass es da immer Gemeinsamkeiten gibt. Erstens ist der Großteil dieser Menschen weibilch. Zweitens geht es immer auch darum zu fragen: Was will ich WIRKLICH? Oft um lang Unterdrücktes, Verschobenes, aus den Augen Verlorenes…
    Und da das der einzige Punkt ist, an dem wir beide nicht immer einer Meinung sind, juckt es mich grad in den Fingern, doch noch mal festzustellen: Grade weil so viele sich offensichtlich erst spät im Leben zugestehen können/mögen/wollen, dass der Wunsch, der da „tief in ihnen nagt“ (tolle Formulierung!) jetzt endlich umgesetzt werden muss, hat das Ganze meiner Ansicht nach eben doch ganz viel mit dem Alter zu tun….

    Ich bleib der Sache auf der Spur. Und wünsche dir wie allen andren, die sich auf diesen Weg begeben (wollen), alles nur erdenklich Gute!

    Herzliche Grüße
    Maria

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    • Liebe Maria, ich bin ja seit 6 Jahren auf dem Weg und auch wenn es nicht immer leicht ist, bereue ich es keinen Tag.
      Bei meiner ersten Selbstständigkeit hatte es viel mit dem Alter zu tun. Ich habe mir gesagt: „Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie mehr“. Der 2. und komplette Neuanfang war aus der Not geboren und hatte auch etwas mit dem Alter zu tun. Mit 55 einen vernünftigen Job zu bekommen ist nahezu unmöglich.
      Ich wünsche dir auch alles Liebe – aber das weißt du ja.

  4. Liebe Karin,
    ich habe auch schon so einige Veränderungen mitgemacht. Mal meldete die Firma Insolvenz an, dann gab es nur befristete Jobs und und und… Es wird nicht unbedingt leichter über 50. Trotzdem sollte man, wenn man es sich leisten kann, nicht die erstbeste Stelle annehmen. Schließlich musst du einige Jahre diese Arbeit machen. Das Leben ist ständigen Veränderungen unterworfen und die wenigsten arbeiten von der Ausbildung bis zur Rente in der gleichen Firma, wie das vielleicht früher mal war.

    Ich würde Arbeitssuchenden noch Netzwerken empfehlen. Schau bei deinen Freunden und Bekannten nach, sprich über deine Arbeitssuche. Manchmal ergibt sich daraus plötzlich eine Möglichkeit.

    Liebe Grüße
    Renate
    Renate kürzlich veröffentlicht…Das Schildkrötenkrankenhaus in Florida, wie ein Ausflug den Tieren hilft.My Profile

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  5. Interessanter Artikel! Du hast so einiges durchgemacht und daraus gelernt! Sehr schön!
    Deine 4 Fragen hätte ich vor 10 Jahren noch ganz anders beantwortet als heute. Ich habe durch einen Wechsel in der Geschäftsführung vor 5 Jahren erleben müssen, was Mobbing von oben bedeutet. Ich war aufgrund meiner langen Betriebszugehörigkeit fast unkündbar. Doch dann hat sich nach einer langen Leidenszeit, in der ich mit aller Macht an meinem ansonsten sehr schönen Job festgehalten habe (wer bekommt mit Mitte 50 noch einen interessanten neuen Job?) eine ganz neue Perspektive bekommen. Und mit Ende 50 endlich herausgefunden, was wirklich mein Traumjob ist. Jetzt bin ich 60 und hoffe, dass ich noch lange so weiter arbeiten kann. Wenig Geld aber glücklich.
    Beste Grüße
    Ulrike

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    • Wie schön Ulrike, dass du deinen Weg gefunden hast. Geld alleine macht auch nicht glücklich. Zufriedenheit ist eines der wichtigsten Dinge im Leben. Ich wünsch dir Glück und vor allem Gesundheit. Denn, wenn wir gesund sind, können wir alles schaffen.

      Liebe Grüße
      Karin

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