Alt werden ohne Kinder

Meine beste Freundin hat zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen. Beide mittlerweile über 30, heiraten sie in diesem Jahr bzw. haben bereits geheiratet. Meine Freundin hat grosses Glück, es sind tolle Kinder. Beruflich erfolgreich und liebevolle Menschen mit einem innigen Verhältnis zu ihrer Mutter.

In diesen Tagen wird mir schmerzlich bewußt, wie gerne ich eigene Kinder gehabt hätte. Dreimal war ich verheiratet, wurde jedoch nie schwanger, obwohl – laut diversen Frauenärzten – bei mir alles in Ordnung war.

Mein erster Mann bekam mit einer seiner nächsten Partnerinnen eine Tochter. Mein zweiter Mann direkt nach unserer Scheidung einen Sohn. Er rief mich sogar an in der Nacht als er Vater wurde, nicht wissend, wie weh mir das tat. Als ich aufgelegt hatte, brach ich in Tränen aus. An den beiden Männern kann es also auch nicht gelegen haben.

Bernd, mein letzter Ehemann und ich hatten es von Anfang an darauf ankommen lassen. Obwohl wir beide schon Ende 30 waren, hätten wir sehr gerne zusammen ein Kind gehabt. Nach einem Jahr Partnerschaft musste mir die Gebärmutter entfernt werden und damit war das Thema ein für alle Mal beendet.

Mein Mann hatte einen Sohn aus erster Ehe. Als Bernd und ich uns kennen lernten, war er knapp 17 Jahre alt. Eigentlich verstanden wir uns gut und er besuchte uns auch ab und zu (später zusammen mit wechselnden Partnerinnen), vor allem, wenn sein Lieblingsgeschenk zu erwarten war: Geld. Ansonsten kümmerte er sich aber wenig um uns. Selbst als Bernd schwer krank und in der letzten Phase seines Lebens war, ist er nur zweimal für eine knappe Stunde aufgetaucht. Er war dann noch beim Verstreuen der Asche seines Vaters dabei, danach habe ich ihn nie wieder gesehen. Kein Wunder, es gab ja nichts zu erben ausser Schulden, die ich bis heute ab bezahle. Schon zu Lebzeiten hatte mein Mann auf meine Frage, ob er denkt, dass sich sein Sohn in irgendeiner Weise um mich kümmern würde (nicht, dass ich das wirklich erwartet hätte), gesagt: “Da kann ich dir keine Hoffnungen machen, der kümmert sich ja nicht mal um mich.”. So sehr ich mir einen guten Kontakt zu meinem Stiefsohn und seiner Familie, da gibt es inzwischen Ehefrau und Enkelkind, gewünscht hätte, auch das sollte nicht sein.

Nach meiner Krebsdiagnose habe ich mir viele Gedanken über den Tod gemacht. Da ist zwar meine jüngere Schwester, aber auch sie hat keine Kinder. Also wird sich niemand für die Bilder, die Geschichten und die Erinnerungskisten interessieren. Das alles wird auf dem Müll landen und das macht mich sehr traurig.

 

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