Dem Leben gelassen entgegenblicken

Von einigen jungen Leuten im Netz lese ich desöfteren, dass alte Leute ständig meckern und ausgesprochen grimmig sind und ebenso aus der Wäsche gucken. Meine Erfahrung mit richtig alten Leuten ist eine vollkommen andere.

Mit dem Älterwerden bin ich ruhiger und gelassener geworden. Meine Schwester nennt das liebevoll “altersmilde”. Nun habe ich in einer Studie gelesen, dass wir im Alter tatsächlich ausgeglichener, zuverlässiger und umgänglicher werden. Also ist mein eigenes Empfinden nicht so ganz verkehrt.

Mit Katastrophen (den Tod meines Mannes nehme ich davon ausdrücklich aus) komme ich heute besser zurecht, als in meinen jungen Jahren. Hier hilft auch die Lebenserfahrung, die man mit 20 oder 30 noch nicht wirklich hatte.  Wir haben schon einiges erlebt und dadurch gelernt mit Krisen umzugehen. Je älter ich werde, desto besser kenne ich mich selbst und weiß genau was ich will und was ich nicht will. Ab und zu habe ich natürlich auch meine Tiefpunkte. Das geht wohl jedem Menschen so. Wer das Gegenteil behauptet, nimmt wahrscheinlich Drogen. Die gesammelten Erfahrungen eines Lebens helfen mir schneller wieder aus dem “Loch” zu kommen. Meinen Mitmenschen gegenüber bin ich heute nachsichtiger, verständnisvoller und milder. Ich rege mich lange nicht mehr so schnell auf, weiß ich doch, dass es sich meist nicht lohnt.

Natürlich gibt es auch ältere Menschen, die sich über alles und jedes aufregen und peinlich genau darauf achten, dass die Menschen in ihrer Umgebung alles richtig machen. Auch mir sind solche Exemplare begegnet, aber wirklich nicht sehr oft. Ich denke oft, dass hier grosse Einsamkeit dahinter steckt und nur ein wenig Aufmerksamkeit gesucht wird. Vielleicht hilft eine Einladung zum Kaffee oder auf ein Gläschen Wein. Versuchen kann man es ja mal – vielleicht wirkt es Wunder.

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