Keine Angst vor der dritten Lebenshälfte

Mein Entschluß, die Haare nicht mehr zu färben und mein grau/weißes Haar mit Stolz und Selbstbewußtsein zu tragen geht einher mit Vorsätzen für die Zeit, die vor mir liegt. Mit nunmehr 63 Jahren, beginnt ein neuer Lebensabschnitt (mal wieder) für mich.

Durch meine Krebserkrankung in die Schwerbehindertenrente gezwungen, wird es ein wahrscheinlich nicht immer leichter Abschnitt für mich sein. Ich bin fest überzeugt, dass der Krebs jetzt weg ist, jedoch ist durch die vielen Krankenhausaufenthalte und OPs in diesem Jahr das Geld immer weniger geworden. Als Selbstständige war es mir nicht möglich, im vollen Umfang weiterzuarbeiten. Dafür waren 6 Operationen und die Angst, die damit einher ging, einfach zu kraftraubend. Noch ist die Kraft nicht wirklich zurück, aber ich spüre neuen Mut und Elan. Ohne Geldreserven und mit 2 verbliebenen Kunden bin ich nicht wirklich in der Lage in angemessener Zeit meine Firma existenzsichernd wieder aufzubauen. Auch deshalb war der Schritt in die Rente nötig, um mir ein wenig von der Existenzangst zu nehmen. Über die Rentenhöhe, die ein Skandal ist, werde ich an anderer Stelle berichten, jedenfalls ist weiterarbeiten Pflicht, aber auch durchaus von mir gewollt. Mein Gewerbe habe ich bereits zum Ende letzten Jahres abgemeldet und bin nun Freiberuflerin.

Solange meine Knochen mitmachen, möchte ich rocken und gerne wieder tanzen. Ich suche hier in Köln noch einen Tanzpartner. Vielleicht liest das ein netter Kerl und meldet sich bei mir. Weiße Haare bedeuten ja nicht gleich Kalk in den Knochen. Ich war und bin temperamentvoll und lebenslustig und hab auch nicht vor, daran in absehbarer Zeit etwas zu verändern.

Auffhören werde ich mir teurem Anti-Aging-Quatsch ins Gesicht zu schmieren, dass hilft eh nur dem Hersteller. Eine Falte mehr oder weniger macht den Kohl nicht fett. Wichtig ist mir vor allem gepflegt auszusehen. Kürzlich habe ich einen verdammt guten Spruch von Melissa Drier gelesen:

“Laßt euch nicht aus dem Bild kicken. Aber wer um jeden Preis jung bleiben möchte, sieht schrecklich alt aus.”

Ganz genau so sehe ich das auch.

Ein grosser Fan bin ich von Mode der 20er bis 40er Jahre. Die fand ich schon immer göttlich, habe mich nur nicht getraut, sie zu tragen. Es gibt hier in meinem kleinen Vorort von Köln ein wunderbares Geschäft, geführt von einem Paar in meinem Alter. Die beiden sind viel in der Welt herum gekommen und haben Kleidung, Hüte und Schmuck aus den 20er bis 60er Jahren in riesigen Mengen gesammelt. Es macht so großen Spaß, sich durch die schönen Dinge zu wühlen. Diese Liebe teile ich mit meiner Freundin Christine. Wir beide werden wohl künftig Stammkundinnen werden. Wir trauen uns jetzt einfach mal das ein oder andere aussergewöhnliche Teil zu tragen, denn, was soll schon passieren?

Konzerte besuchen von Rock (wie vor kurzem die Rolling Stones) bis Klassik macht mir Spaß. In die Oper gehen oder wieder einmal ein schönes Theaterstück sehen, stehen auch im nächsten Jahr wieder auf dem Programm. Ich will so viel, ab an so manchem Interesse, also packe ich es an. Es soll eine aufregende “dritte Lebenshälfte” werden. Das Leben muß man feiern, egal wie alt man ist.

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