Der “Summer of Love” und unsere Sehnsucht

Es ist zwar schon wieder Herbst, aber ich denke gerade an den “Summer of Love” zurück, der sich 2019 zum fünfzigsten Mal jährte. Ohje, ein halbes Jahrhundert ist das her und trotzdem erinnere ich mich, als wäre es erst vor Kurzem gewesen.

Die meisten meiner Generation wären wohl in Woodstock gerne dabei gewesen. Damals war ich knapp Fünfzehn und somit viel zu jung, um alleine nach Amerika reisen zu dürfen. Meine Eltern standen dem Phänomen eh verständnislos gegenüber. Sie begriffen nicht wirklich, was dort vorging und welches Bedeutung diese Veranstaltung für uns junge Menschenkinder hatte.

Wir wohnten einen Steinwurf entfernt von der Kölner Universität und bekamen alle Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in dieser Zeit hautnah mit. Unsere Eltern waren traumatisiert vom 2. Weltkrieg, den sie als Kinder oder Jugendliche hatten erleben müssen. Bei Kriegsende war meine Mutter so alt, wie ich 1969. Mein Vater wurde mit siebzehn Jahren nach Rußland eingezogen und ist spät und krank aus der Gefangenschaft heimgekehrt. Auch unsere Eltern wollten sicher keine Kriege mehr, konnten aber mit unserer Art von Protest nichts anfangen.

“Make love, not war”

war unsere Devise. Mit sechszehn Jahren bekam ich die Pille, weil ich meinen ersten “ernsthaften” Freund hatte. Die Pille machte uns frei und Aids gab es noch nicht.

Wir liebten die Musik, die freie Liebe, die unsere Eltern in der Art nicht kannten, und das unbeschwerte Leben. Wir rebellierten gegen die steife prüde und verlogene Gesellschaft, übertraten Grenzen und wollten die Welt verändern. Alle sollten so leben, wie wir und es würde nie wieder Krieg geben.

“Sex, drugs an Rockn’roll”

Funktioniert hat es leider nicht. Trotzdem erinnere ich mich gerne an das Lebensgefühl dieser Zeit. Bei all dem, was in unserer Welt heute passiert, wünsche ich mir ein bißchen Woodstock zurück.

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