Sonntagsfragen an Claudia Braunstein

Heute stellt sich Claudia Braunstein, die ich für ihre Stärke sehr bewundere, den Sonntagsfragen.

Liebe Claudia, stelle dich meinen LeserInnen bitte kurz vor:

Mein Name ist Claudia Braunstein. Ich lebe in Salzburg, bin verheiratet, Mama von vier erwachsenen Kindern und Omi von zwei entzückenden Enkelkindern. 2011 bin ich an einem sehr seltenen Zungenkarzinom erkrankt, das mich gut ein Jahr komplett aus dem Leben gerissen hat. Ich lebe mit zahlreichen Behinderungen, wie etwa einer Spracheinschränkung. Außerdem bin ich Dysphagie Patientin, das bedeutet, dass ich große Probleme beim Schlucken habe. Meine Krebserkrankung war der Grund, weshalb ich vor sechs Jahren einen Food Blog mit passenden Rezepten gestartet habe. Im Frühsommer sind 200 meiner Rezepte in Buchform erschienen. Es schmeckt wieder! Im Salzburger Anton Pustet Verlag erschienen ist mein Herzensprojekt, das mich über ein halbes Jahr sehr auf Trab gehalten hat. Seit über drei Jahren erzähle ich auf meinem zweiten Blog Geschichten von unterwegs.

Wenn du dich an deine Kindheit erinnerst, was fällt dir als erstes ein?

Ich bin bei meinen Großeltern in einem Mehrgenerationenhaushalt aufgewachsen. Sehr viel schöner kann man sich eine Kindheit nicht vorstellen. Ein großes Haus, ständig Gesellschaft und einen wunderschönen Garten, umgeben von Wiesen und Wäldern samt einem Bach.

Wie erinnerst du das Lebensgefühl in deiner Jugend?

Ich hatte eine sehr intensive Jugend. Aufregend und abenteuerlich, inklusive eines Auslandsaufenthaltes in Rom. Und das Ende der 70er Jahre. Wilde Zeiten.

Claudia 1981 – Ist sie nicht bildschön? Aber das ist sie ja heute noch.

Welche Zeit in deinem Leben hast du als die Glücklichste empfunden und welche als die Schlimmste?

Die glücklichste Zeit war sicher als wir eine Familie gründeten, die sich rasch erweiterte. Vier Kinder sind ja eine schöne Aufgabe. Außerdem war ich damals auch geschäftlich sehr erfolgreich, was ein sehr unbeschwertes Leben bedeutete. Die schlimmste Zeit war wohl die Insolvenz meiner Firma mit der darauffolgenden Krebserkrankung. Da frage ich mich heute noch, wie ein Mensch sowas aushalten kann.

Welche Werte sind dir wichtig? Für was würdest du kämpfen?

Freiheit und Meinungsfreiheit. Dafür setze ich mich auch heute schon ein.

Wenn du die Augen schließt und tief in dich hineinschaust, wie siehst du dich dann selbst?

Als sehr zufriedene Frau mittleren Alters, die eine sehr große zweite Chance erhalten hat.

Wie möchtest du leben, wenn du dich einmal nicht mehr selbst versorgen kannst, also auf Hilfe anderer angewiesen bist?

Ich war vorübergehend ein 100%iger Pflegefall und möchte das kein weiteres Mal erleben. Kleine Hilfestellungen kann ich mir auch durch haushaltsfremde Personen vorstellen.

Stell dir vor es ist dein 80. Geburtstag, wie möchtest du auf dein Leben zurückblicken?

Ich möchte stolz sein, auf Dinge die ich geleistet habe und milde auf das schauen, das nicht so positiv verlaufen ist.

Fürchtest du dich vor dem Altwerden und, wenn ja, was macht dir die meiste Angst?

Ich habe keine Angst vorm Altwerden, ich mache mir jedoch manchmal Gedanken über den möglichen Verlust der Gesundheit.

Welche Wünsche und Träume hast Du für die nächsten Jahre?

Ich wünsche mir und meiner gesamten Familie Gesundheit, denn ohne braucht man über andere Wünsche gar nicht nachdenken. Ich möchte weiterhin reisen können und mein Familienglück genießen dürfen. Und ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich darauf besinnt, mit welchen Privilegien wir ausgestattet sind.

Vielen Dank für das Interview liebe Claudia. Nach Insolvenz und nach Tod meines Mannes wurde bei mir ein Stimmlippenkarzinom festgestellt. Dadurch bin ich sprachlich auch ein wenig eingeschränkt. Die Ähnlichkeit zu deiner Erkrankung hat mich wieder an den Ausspruch meiner Freundin erinnert: “Es hat dir die Sprache verschlagen”. Solche Krankheiten kommen leider oft nach oder in Zeiten, in denen wir nicht mehr auf uns selbst achten, weil um uns herum alles zusammenbricht. Das nur zu deiner Frage wie ein Mensch sowas aushalten kann. Wir können und es macht uns stärker. Du bist eine wahnsinnig starke Frau.

 

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo, liebe Claudia!
    Vor einer Woche haben mein Mann (54 Jahre alt) und ich erfahren, dass er Zungengrundkrebs im fortgschrittenem Stadium hat.. anfangs wurde eine Operation ausgeschlossen, aber jetzt wird doch mit dem Da Vinci Roboter bei den Schwestern in Linz, am 17.10 operiert.. ich habe dich durch Zufall im Internet gefunden und hab deine Krebs-Geschichte im Internet gelesen und bin jetzt hier bei dir gelandet.
    ich werde deine Blogs weiterhin verfolgen und mit Dir in Kontakt bleiben. Danke dass du da bist!
    lg Caroline Schütz

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  2. Ach, ihr zwei!

    Euch hat es NICHT die Sprache verschlagen. Und dafür liebe ich euch alle beide …

    Ein wunderbares Interview, danke auch dafür!!!

    Herzliche Grüße
    Maria

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  3. Liebe Karin, beim lesen deines Nachsatzes habe ich mich beinahe verschluckt, ich wusste ehrlich nicht, dass es da so viel Verbindendes gibt. Ich möchte mich nochmals für das wertschätzende Interview bedanken und schicke dir ganz herzliche Grüße aus Salzburg, Claudia

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  4. Liebe Claudia, finde es prima, dass du anderen Frauen Mut machst. Bin selber auch an Krebs erkrankt. Aber auch ich bin ein Optimist und erfreue mich an jedem guten Tag.
    Alles Liebe und Gute für dich Uschi

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  5. Hallo Claudia und Karin!
    Ihr habt beide schon schwere Schicksalsschläge bewältigt und die Freude am Leben nicht verloren. Seid nicht verbittert oder hadert mit dem Schicksal. So seid Ihr beide Vorbild für das Leben, wenn ich daran denke über was alles gejammert oder gehadert wird. Ich grüße Euch ganz herzlich! Gabi

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