Was bedeutet Freundschaft?

Wir alle, so glaube ich, haben mit Freundschaften so unsere Erfahrungen gemacht – positive wie negative. In der Schule hatte ich über lange Jahre eine beste Freundin. Wir teilten Freud und Leid miteinander und gingen durch Dick und Dünn. Leider konnte ich damals diese Freundschaft nicht ins Erwachsenalter hinüber retten, was ich als wirklich schade empfunden habe. Unsere Lebenswege gingen, wie mit all meinen SchulkameradInnen, in vollkommen unterschiedliche Richtungen. In der Jugend kamen und gingen Freundschaften, aber keine blieb. Ob es an mir lag, kann ich bis heute nicht sagen. Oft habe ich darüber nachgedacht, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen.

Die sogenannten “guten Freunde”

Dreimal war ich verheiratet und als Paar ergaben sich jeweils neue Freundschaften, die mit der Scheidung, wie so oft, wieder auseinander gingen. Zusammen mit meinem dritten Mann, Bernd, hatten wir viele “gute Freunde”. Mein Mann kochte gerne und so versammelten sich immer gerne Menschen um unseren Esstisch. Ein kleinerer fester Kreis entwickelte sich im Laufe der Jahre mit gegenseitigen Einladungen, lustigen Abenden und guten Gesprächen. Als Bernd dann schwer erkrankte und wir nicht mehr so konnten, wie wir gewollt hätten, wurde der Kreis immer kleiner. Zum Schluß war von den “guten Freunden” keiner mehr da. Nach seinem Tod kamen sie alle wieder aus ihren Löchern, aber da wollte ich nicht mehr. Zu groß war die Enttäuschung und das Gefühl allein gelassen worden zu sein. Auf solche Freundschaften kann ich gut und gerne verzichten.

Neues Leben – neue Freundschaft

Zurück in meiner Heimatstadt Köln habe ich auch meine alte Schulfreundin wiedergefunden, dem Internet sei Dank. Wir sehen uns nicht so oft, aber wenn, dann haben wir uns viel zu erzählen.

Das nachbarliche Verhältnis, im Haus, in dem ich jetzt wohne, ist sehr gut. Wenn nötig, ist jeder für den Anderen da. Mehrmals im Jahr treffen wir uns und feiern miteinander.

Das Schönste aber ist, ich habe hier, vor etwas mehr als drei Jahren, eine wirkliche Freundin gefunden. Sie ist Witwe, genau wie ich und wir haben viele Gemeinsamkeiten, wie das Interesse an Kunst und Kultur. Das sie direkt im Haus nebenan wohnt, ist auch von Vorteil. So können wir uns auch ganz spontan einmal sehen. Wir freuen uns miteinader, können über alles reden und müssen uns nicht verstellen. “Die Maske”, die ich mir ab und zu vor anderen aufsetze, brauche ich bei ihr nicht. Durch sie und ihre eigene Lebensgeschichte, sehe ich erlebte Dinge oft mit anderen Augen, nämlich mit ihren. Das ist spannend, glauben wir doch oft, es  gäbe nur die eine Wahrheit, die eine Sichtweise, nämlich unsere eigene. Ihr geht es umgekehrt genau so und das ist eine Bereicherung für uns Beide.

Es ist nie zu spät im Leben

Es ist nie zu spät für neue Freundschaften, das habe ich gelernt. Wirkliche Freunde sind da, wenn man sie braucht. Das ist natürlich keine Einbahnstrasse, denn es gilt natürlich umgekehrt genau so.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin,
    Vielleicht muß der Begriff Freundschaft enger gefasst werden. Der Begriff Schicksalsgefährten für einige Zeit trifft es in vielen Fällen besser. Dann trennen sich die Wege wenn sich die Lebensumstände ändern. Man kann sich auch da sehr nahe sein. Und sich sehr helfen. Und was Deine ehemaligen guten Freunde betrifft, das waren keine Freunde, sondern lediglich Bekannte.
    Viele Grüße
    Ute

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