Zwei Schwestern in Rom – Teil 1

Nein, das ist keine Geschichte zweier Ordensfrauen im Vatikan. Meine Schwester Marion und ich brachen am 7. Juli auf, die „Ewige Stadt“ zu erkunden – ich zum zweiten, meine Schwester zum ersten Mal. Wir beide freuten uns sehr auf diese Reise und nahmen uns ausdrücklich vor, nicht gehetzt alle Sehenswürdigkeiten abzulaufen. Wir wollten römisches Leben in uns aufsaugen, das Flair der Stadt und „La dolce Vita“ genießen. Lediglich im Vorbeigehen würden wir einige sehenswerte Dinge in Rom mitnehmen. Schlicht gesagt: Wir wollten eine schöne „Schwesternzeit“ haben.  Dies ist uns meist an den lauschigen Abenden gelungen, aber davon später mehr.

Leider empfing uns Rom nicht unbedingt von seiner besten Seite. Nein, wir wurden erst einmal gehörig über den Tisch gezogen. Aus Erfahrung sind wir beide eigentlich von Haus aus vorsichtig, aber….

Bei der Ankunft traf uns die grosse Hitze wie ein Hammerschlag. Mein erster Rombesuch hatte auch im Juli stattgefunden und die Temperaturen waren die gleichen, allerdings war damals die Luft sehr trocken und somit gut zu ertragen. Diesmal herrschte bei 34 Grad im Schatten eine Luftfeuchtigkeit von über 70 %, was dazu führte, dass wir auch ohne grosse Bewegung innerhalb kürzester Zeit nassgeschwitzt waren. Wir fuhren mit dem Bus vom Flughafen nach Termini (Hauptbahnhof), entschieden uns dann aber für den Rest des Weges ein Taxi zu nehmen.  Die von uns angemietete Wohnung war zwar nur 3 U-Bahnstationen entfernt, aber wir waren so fertig, dass wir uns das nicht antun wollten.

An der Busstation wimmelten wir etliche illegale Taxifahrer ab – wir wußten ja Bescheid – und liefen um den halben Bahnhof um an den regulären Taxistand zu gelangen. Dort reihten wir uns in eine meterlange Schlange ein. Trotzdem ging es sehr flott und kurze Zeit später saßen wir aufatmend im klimatisierten Taxi. Was soll ich euch sagen, zum Schluß haben wir 5 Euro mehr bezahlt, als wenn wir direkt vom Flughafen gefahren wären. Es kostete 35 Euro, der Festpreis Flughafen – Innenstadt beträgt 30 Euro. Wir waren geschockt, hatten aber keine Kraft mehr uns zu wehren. Marion war so stinksauer, dass sie sich fast den kompletten Rest des Tages nicht mehr einkriegte. Schwamm drüber – wieder was gelernt und eine gute Geschichte zum Erzählen war es allemal wie ihr seht.

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Zwei Vorteile hatte die Taxifahrt dann doch: Erstens saßen wir kühl und bequem, zweitens wurde quasi im Vorbeifahren die erste Sehenswürdigkeit, das Colosseum, abgehackt. Bei meiner ersten Romreise hatten mein Mann und ich uns dieses Gebäude und alles drum herum (Forum Romanum usw.) ausgiebig angeschaut und Marion reichte dieser, wenn auch kurze Blick. Also, Thema erledigt.

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Wir hatten, übrigens zum ersten Mal, ein Appartement über „Airbnb“ angemietet und das war der große Lichtblick an diesem ersten Tag. Wir waren schlichtweg begeistert. Es handelte sich um eine sehr große Wohnung mit einem Wohnzimmer, 2 Schlafzimmmern, 2 Bäder und einer Küche. Alles in einer sehr guten, fast neuen Ausstattung und natürlich mit Klimanlage. Das Beste aber war der riesige (ca. 80 cm) Innenhof mit Terrassenmöbeln, Sonnenschirmen und mediterranen Pflanzen – sehr italienisch…. und dieser Hof gehörte uns ganz alleine. Für das Ganze haben wir 80 Euro pro Nacht bezahlt – ein Spottpreis, wie ich meine. Wir haben uns hier pudelwohl gefühlt

Für den ersten Tag hatten wir uns vorgenommen, erst einmal etwas einzukaufen, um den Kühlschrank zu füllen. Dann wollten wir frisch geduscht losziehen, um uns eine Lokalität zum Essen und Fernsehen zu suchen. Unser Ankunftstag war ja der Tag des EM Halbfinales Frankreich gegen Deutschland. Unser Appartement lah in Testaccio. Dort sollte es zwei Supermärkte geben wie meine Schwester herausgefunden hatte. Wir suchten den größeren von beiden und liefen, und liefen, und liefen wohl zweimal dran vorbei. Der Eingang des Geschäftes war so schmal, dass wir ihn wohl übersehen hatten. Schon wieder waren wir vom Schweiß triefnass und so k.o., dass wir beschlossen, „Zuhause“ zu essen. Wir hatten ja alles Nötige eingekauft. Wir duschten also und aßen dann gemütlich auf unserem Hof. Dazu ein leckeres Gläschen Wein und da war sie, „La Dolce Vita“ – „Das süsse Leben“, jedenfalls empfanden wir es so.

Erfreulicherweise befand sich in unserem Wohnzimmer ein riesengroßer Fernseher, dem gegenüber sich direkt die große Terrassentür befand. Ich stellte den Sender ein, der das Spiel übertrug und wir stellten Tisch und Stühle so im Hof auf, dass wir das Spiel von draußen sehen konnten. Nach dem an diesem Tag so vieles schiefgelaufen war, hat es uns nicht wirklich gewundert, dass Deutschland das Spiel verlor. Wir saßen dann noch bei leckerem Wein, Käsehäppchen, Schinken und Oliven bis zwei Uhr morgens draußen und genossen die laue Sommernacht. Solche Nächte haben wir in Deutschland ja im Moment so gut wie keine.

Fortsetzung folgt in Kürze….

P.S.: Wie ihr ganz oben auf dem Bild sehen könnt, hat die römische Sonne mein Haar blond gefärbt. Ich habe mich fast selbst nicht wiederkannt. Heute geht es zum Friseur und dann sehe ich wieder aus wie ich.

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