Alte Traditionen kennt kaum noch jemand

Natürlich wissen die Menschen unserer Generation noch vieles von den alten Traditionen rund um Weihnachten. Erschreckend jedoch ist, wenn wir junge Leute und Kinder fragen, wie wenig davon noch übrig geblieben ist. Unsere Zeit ist so amerikanisiert, dass manchen Kinder noch nicht einmal mehr wissen, warum wir Weihnachten feiern.

In meiner Kindheit war die Vorweihnachtszeit und besonders das Weihnachtsfest selbst, immer der Höhepunkt des ganzen Jahres und das Schönste überhaupt. Diese Zeit war aufregend und voller Vorfreude.

Sankt Martin und die Laternen

In der Schule begann die Vorweihnachtszeit für uns bereits Anfang November, denn dann wurden Laternen gebastelt. Laternen für den Martinszug am 11. November. An diesem Tag zogen wir in unserer Gemeinde in Köln mit unseren Laternen durch die dunklen Straßen. Vorneweg ein Mann zu Pferde im Martinskostüm. Wie lange diese Umzüge dauerten erinnere ich nicht, aber zum Schluß landeten wir auf einem großen Platz, auf dem das Martinsfeuer entfacht wurde. Das war immer wunderschön. Danach bekam jeder von uns einen Weckmann und wurde nach Hause entlassen.

Damit war die Tradition aber noch nicht zu Ende. Wir gingen dann singend von Haus zu Haus um Süßigkeiten zu sammeln und bekamen auch überall eine Kleinigkeit.

Von wegen Halloween, dass meiner Meinung nach, seit dem es aus Amerika zu uns überschwappte, die schöne Martinstradition kaputtgemacht hat. Die meisten Menschen öffnen die Türe nicht mehr, weil ihnen die Bettelei an beiden Tagen einfach zu viel geworden ist.  Auch erlebe ich es immer wieder, dass Jugentliche sich an Halloween einen Spaß daraus machen, Eier an Fenster zu werfen.

Informationen wer St. Martin war findet ihr hier.

 

Der Barbaratag

Dieser Tag ist am 4. Dezember und wurde bei uns, zu Ehren der Heiligen Barbara, auch gefeiert.

Traditionell gab es Lebkuchen und Kirschzweige wurden ins Wasser gestellt, die dann zu Weihnachten blühen und Glück für das neue Jahr bringen sollten.

Die Geschichte der Heiligen Barbara findet ihr hier.

Sankt Nikolaus

Am 6. Dezember kommt der Nikolaus. Nikolaus von Myra, so heißt der gute Mann wirklich, war Bischof. So kam, als ich noch ein kleines Mädchen war, der Nikolaus auch im Bischofsgewand und mit der hohen Bischofsmütze. Mit der Mütze wirkte jeder noch so kleine Mann relativ groß und war somit für uns Kinder sehr Respekt einflössend.

Wichtig war, das wir in dem großen Buch, das er bei sich trug, als liebe Kinder verzeichnet waren. Dann durften wir ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen und bekamen unser Geschenk.

Furcht hingegen hatten wir vor seinem Begleiter. An seiner Seite war Hans Muff (auch Knecht Ruprecht genannt). Ein kleiner buckeliger Wicht mit einem Sack, in dem die Geschenke für die braven Kinder waren. In der Hand hielt er eine mächtige Rute, um die bösen Kinder damit zu bestrafen. Der machte uns mächtig Angst und vor unserem inneren Auge ließen wir die Situationen, in denen wir böse waren, noch einmal aufleben. Die Frage war, reichte das um Prügel zu beziehen? Ich jedenfalls habe es nie erlebt, dass eines der Kinder dieses Schicksal getroffen hätte.

Knecht Ruprecht

Ruprecht: Habt guten Abend, alt und jung
bin allen wohl bekannt genung.
Von drauß vom Walde komm ich her;
ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
Knecht Ruprecht, rief es alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus.
such mir die guten Kinder aus,
damit ich ihrer mag gedenken
mit schönen Sachen sie mag beschenken.

Ich sprach: O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.
Hast denn das Säcklein auch bei dir?

Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
freßen fromme Kinder gern.
Hast denn die Rute auch bei dir?

Ich sprach: die Rute die ist hier.
Doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.
Christkindlein sprach: So ist es recht.
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!
Von drauß, vom Walde komm ich her,
Ich muß euch sagen es weihnachtet sehr!
Nun sprecht wie ich’s hierinnen find:
sind’s gute Kind., sind’s böse Kind?

Vater: Die Kindlein sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.

Ruprecht: Ei, ei, für trotzgen Kindermut
ist meine lang Rute gut!
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?

Vater: Wie einer sündigt so wird er gestraft;
die Kindlein sind schon alle brav.

Ruprecht: Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
lesen und scheiben und rechnen genug?

Vater: Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.

Ruprecht: Beten sie denn nach altem Brauch
im Bett Ihr Abendsprüchlein auch?

Vater: Neulich hört ich im Kämmerlein
eine kleine Stimme sprechen allein;
und als ich an die Tür getreten,
für alle Lieben hört ich sie beten.

Ruprecht: So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
probiert einmal von seinen Gaben
morgen sollt ihr was beßeres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

(Theodor Storm)

 

Der heilige Abend

Am Morgen des 24. Dezember war die Spannung kaum noch auszuhalten, denn wir warteten aufs Christkind. Nein nicht auf den Weihnachtsmann, sondern auf das Christkind, das schließlich vor über 2000 Jahren in dieser Nacht geboren wurde und das ist der Grund, warum wir Weihnachten feiern.

Ausführliches zur Weihnachtstradition bei uns zuhause lest ihr unter: Tradition gestern und heute Teil 1 und Teil 2

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. An den Laternenumzug an St. Martin erinnere ich mich auch sehr gerne. Bei uns durften die Grundschüler rund um die Altstadt mit ihren Laternen gehen. Es war ein wunderschöner, sehr stimmungsvoller Abend und ich konnte es kaum erwarten in die Schule zu kommen und mitzulaufen. Als es dann so weit war, wohnten wir in der Vorstadt und meine Schule veranstaltete keinen Laternenlauf. In der Schule meiner Kinder gab’s einen Martinsumzug, mit Reiter und offenem Feuer und wir waren begeistert und mit selbstgebastelten Laternen jedesmal dabei.
    Eine schöne Erinnerung hast Du geweckt, liebe Karin. Danke dafür.
    Liebe Grüße
    Sabine

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.