Die Geschlechterrollen im Wandel

Wir, die Nachkriegsgeneration, sind mit den unterschiedlichsten Rollenbildern groß geworden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war klar, dass wir Frauen weniger Wert waren, als der Mann. Dieses Geschlechterdenken unserer Urgroßeltern und Großeltern wurde so an unsere Eltern weitergegeben.

Der Mann war der Ernährer, die Frau war für den Haushalt und die Kinder zuständig. Natürlich war nur die Arbeit des Mannes etwas wert. Was die Frau daheim leistete, war maximal dem Ansehen eines Dienstboten gleichzusetzen. Sie war dazu da, dem Mann Nachkommen (möglichst männliche) zu schenken, ihm Haus und Herd zu bestellen und für seine sexuelle Befriedigung zu sorgen. Letzteres war übrigens eine eheliche Pflicht und deren Verweigerung ein Grund, bei einer Scheidung schuldig gesprochen zu werden. Ja, es gab noch das Schuldprinzip, was für die Frau im schlimmsten Fall dazu führten, dass sie jegliche Unterhaltsansprüche verlor. Ganz davon abgesehen, waren geschiedene Frauen gesellschaftlich geächtet. Die Männer, als Machos erzogen, zeigten ein übersteigertes Selbstbewußtsein uns alles weibliche wurde künstlich klein gehalten.

Wir Kinder wurden, und werden leider oft heute noch, ausschließlich von Frauen erzogen, die unbewußt dieses Rollenbild weitergaben. Ich erinnere mich, dass es an unserer Schule kaum männliche Lehrer gab. Wir hatten einen Klassenlehrer und einen Lehrer für Physik und Chemie, alles andere waren Frauen. Am sogenannten “Werken” durften wir Mädchen nicht teilnehmen, dafür wurden wir in Handarbeit unterrichtet. Das machte mich schon damals richtig wütend. Leider wirken die Rollenbilder noch bis heute nach. Trotz der Kämpfe, vor allem in den 70er Jahren, um Gleichberechtigung, sind wir heute zwar einen großen Schritt weiter gekommen, doch noch längst nicht am Ziel.

Das Frauenbild in der Werbung

An die Werbung in den 60er und 70er Jahren erinnere ich mich noch gut. Uns Mädchen wurde dort suggeriert, dass wir nur eine glückliche Ehe führen, wenn wir dafür sorgen, dass schmackhaftes Essen für den schwer arbeitenden Mann auf den Tisch kommt. Unsere Wäsche hatte strahlend weiß zu sein und unsere Wohnung blitzsauber, sonst könnten unsere Partner an unseren hausfraulichen Fähigkeiten zweifeln. Wollten wir eine gute ehe führen, mußten wir, trotz schwerer Arbeit (es gab ja teilweise in den Haushalten noch keine Wasch-, geschweige denn Spülmaschinen) und Kindererziehung, den Mann am Abend adrett gekleidet und gut frisiert zu empfangen.

Zwar hat sich die Werbung gegenüber damals verändert, doch sehen wir trotzdem selten einen Mann staubsaugen oder Wäsche waschen. Da gibt es noch einiges zu tun.

Angeboren oder anerzogen?

Bis heute konnte die Wissenschaft nicht eindeutig feststellen, welche geschlechtsspezifischen Eigenschaften angeboren und welche anerzogen sind. Das Fürsorgeverhalten von uns Frauen zum Beispiel, könnte durchaus angeboren sein. Schließlich bekommen wir die Kinder. Schauen wir in die Tierwelt, ist dieses Verhalten ja auch angeboren.

In meiner ersten Ehe, die ich 1974 schloß, hätte mein Mann unser Leben am liebsten nach dem alten Rollenbild gestaltet. Zwar sollte ich arbeiten gehen, weil da Ansprüche waren (mein Auto, mein Haus …), aber ansonsten hatte ich den Mund zu halten. Trotz meiner traditionellen Erziehung, hatte ich immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sah mich nie als Mensch 2. Klasse. Zwangsläufig mußte diese Ehe mit einer Scheidung enden.

Leider kenne ich viele junge Frauen, die anscheinend wieder in alte Rollenmuster zurückfallen. Sie möchten Mann, Haus, Kinder und möglichst nicht arbeiten. eine Putzfrau wäre auch von Vorteil. Auch haben viele Vorstände Probleme, diese verantwortungsvollen Stellen mit Frauen zu besetzen. Woran liegt das? Wir geben immer wieder den Männern die schuld, wenn es nicht so klappt mit der Gleichberechtigung, aber dann müssen die Frauen da auch mitziehen.

 

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe diese Seiten gerade erst entdeckt und lese mich durch.
    Ich bin in London geboren – Mutter Deutsch (mit Französich/Polnischen Eltern – die nach Deutschland zogen vor dem Krieg, der Arbeit willen), Vater ebenfalls Londoner mit englischer Mutter und irischen Vater. Durch diese Kombination meiner Eltern kenne ich England und Deutschland seit Kindesbeinen.

    Ich werde dieses Jahr im Juni 70 und lebe in Deutschand seit 1968 als ich nach Berlin kam um für den damaligen Französichen Konsul zu arbeiten.

    So habe ich diesen Bericht mit Interesse gelesen über Frauen dieser Zeit und die ungleichheit. Ich kann bestätigen das es diese gab in der Ehe meiner Grosseltern in Deutschland und in der Ehe meinen eigenen Eltern in London.

    Die Ehe meiner Grosseltern war was man eine arrangierte Ehe nannte. Mein Grossvater liebte seine Frau nicht wie es sein sollte. Er mochte sie sehr und bewunderte Ihre fähigkeiten. Sparsamkeit, sauber im Haushalt, eine gelernte Köchin und eine sehr gute, und ebenfalls talentiert mit der Nadel und Nähmaschine. Aber romatische Liebe war es nicht. Er wollte eine andere aber diese war schon vergeben und es sollte ein Polnisches Mädchen sein, so nahm er meine Oma.

    Er war gut zu ihr in das er sie niemals schlug und sein ganzes Geld abgab weil er wusste das Sie damit richtig umgehen würde. Er respektierte sie in allem nur nicht in einer Sache. Meine Oma war etwas frigide so nahm er sich später eine Geliebte. Sie wusste dieses und sie hatten so etwas wie ein Arrangement.

    Bei meiner Mutter in England war das anders. Mein Vater stammte aus guter Famlie, – was man hier verarmter Adel nennt. Seine Mutter war garnicht mit einer Deutschen Schwiegertochter einverstanden und beide mochten einander nicht. So kam es zu einem Bruch mit der Familie.

    Nach dem Krieg lag auch London in Schutt und Asche, in vielen Bezirken. Es war schwierig für meinen Vater den er hatte jetzt Frau und Kind (mich) und konnte daher nicht zurück zur Universität wo er Mathematik studierte und English. Es war schwierig unterkunft zu finden und er musste verdienen. England hatte noch lange bis fast ende der 50ziger Jahre Rationen. Das meint wir hatten nur so viel Fleisch, Butter und andere Lebensmittel inklusive Milchpulver jeden Monat. Da seine Familie Ihn nicht mehr finanziel unterstützte musste er Arbeiten und er fuhr erstmal Taxi für fast ein Jahr den er kannte London wie seine Westentasche.

    Da die Unterkunft so schlecht war und auch Ratten vorhanden, gab mich meine Mutter für fast drei Jahren zu den Grosseltern und blieb selber in London um zu arbeiten und die Möglichkeit zu schaffen mich wieder Heim zu holen. Was dann auch geschah als ich vier war.

    Mein Vater gab mein Mutter was er ein Haushaltsgeld nannte. Den rest behielt er und sie wusste nie genau wie viel er verdiente. Er war zwischenzeitlich Sargent in der Britischen Army. Er wollte nicht nach dem Krieg aber diese bot ihn eine schöne Wohnung in St. Johns Wood in Westminster und ein gutes Gehalt. Er advanzierte zum Major und meine Mutter arbeitete ebenfalls als gelernte Diet Köchin für eine Jüdische Millionärs Familie die Polnishe und Deutsche Küche liebten. Die Gehälter waren getrennt. Später kamen noch mehr Kinder und meine Mutter konnte nicht mehr arbeiten.

    Mein Vater hat nie den Kinderwagen geschoben (nicht mal als Grossvater) und auch Jahrelang nichts gemacht das er als Frauensache ansah. Viel später als ich schon erwachsen war änderte sich das und er kochte gern curries und versch. Kuchen und Nachtische. Aber das wars schon. Die Ehe war nicht glücklich und meine Mutter wollte die Trennung schon anfang 1960 aber geschiedene Frauen hatten es nicht leicht und wurden sogar von anderen Frauen geächtet. Auch hatte sie selber kein eigenes Geld. Vorher ging sie ein paar Male zu Ihren Eltern zurück aber nach dem vierten Mal sagte mein Grossvater, das nächste Mal bleibst Du oder komme nicht weil es Deine Mutter zu sehr aufregt. Meine Mutter war das einzige Kind.

    Sie liess sich jedesmal überreden es noch einmal zu versuchen. Mein Vater kam um uns zurück zu holen und sprach von Änderung aber das passierte nicht.

    Dazu muss ich sagen beide waren zu verschieden. Meine Mutter war sehr schön und er verliebte sich eher in Ihr Äusseres wie in Ihr Wesen. Sie war ein Einzelkind und verwöhnt. Auch hatte sie immer noch die Einstellung das es kein besseres Land gab als Deutschland und das sagte sie auch ungeniert sodas es mir, als junges Mädchen, oft peinlich war. Und trotzem als sie dann alt war, wollte sie nicht nach Deutschland zurück. Nach dem Tod meines Vaters boten wir Ihr eine Wohnung in unserem Haus – eine kleine schöne Wohnung mit reichlich Platz und drei Zimmer, balkon und Garten mitbenutzung. Aber nach Anfänglichem Interesse, sagte sie dann nach ein paar Monate doch ab. Sie meinte “England is more easy going”. Sie besuchte uns oft, in Bayern und später im Norden und Deutschland war Ihr fremd geworden.

    Mein Vater war sehr belesen und mit einer guten Schulbildung. Meine Mutter war von der Volksschule in the BDM gegangen und weder Bücher noch Politische Sachen interessierten sie. Er war begabt und Malte und Zeichnete wunderbar und spielte auch Klavier und sang. Sie war eigentlich mehr das Heimchen am Herd aber liebte die Gartenarbeit. Er liebte Katzen und sie hasste “dreckige” Haustiere im Haus. Und trotzdem blieben sie zusamme bis zu seinem Tod. Liebe war das schon lange nicht mehr und sie meinte ganz erstaunt nach der Beerdigung (bei der sie keine Träne weinte) “ich dachte ich konnte ohne Ihn nicht Leben”. Sie konnte es wohl aber hatte Angst vor dem Schritt nach so vielen Jahren und so war der Tod die Trennung. Sehr traurig für mich das alles mit zu erleben.

    Andere Eltern von Klassenkameraden waren in eben so einer Ehe. Desgleichen in Deutschland und es war besonders schlimm wenn der Vater trank, wie das bei einer meiner Freundinnen war. Ich denke der Bericht war sehr exakt in vielem.

    Best wishes,
    Nica

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  2. Hi, hört sich ja wirklich furchtbar an, war aber in keiner Weise meine Erfahrung als Kind und Teenager in den angesprochenen Jahrzehnten.
    Weder hatte ich in irgendeiner Weise das Gefühl, meine Mutter ( oder sonst ein weibliches Wesen überhaupt ) hätte nur für Kochen und Haushalt zu sorgen und sonst nicbts zu sagen, noch dass mein Vater meine Mutter nicht als Person hoch geschätzt hätte. Auch in meinem beruflichen Werdegang bzw. Schule / Studium hatte ich niemals das Gefühl, zurückgesetzt zu sein, weil ich ” weiblich” bin
    Vor kurzem begann ich ein hochgelobtes Buch zu lesen über die Kindheit in den 50er und 60er Jahren in Deutschland, in dem schon gleich zu Anfang alles so depri beschrieben wurde ( was aber von einigen Leser/innen viel Zuspruch bekam ) , dass ich keinerlei Lust mehr verspürte, weiterzulesen..
    Frage mich, was da ” los ist” : War für die Betreffenden wirklich alles so schrecklich, oder ist das im Moment “in”, mit Trauer und Resignation zurückzublicken ( vielleicht um sich von der oft beklagten Idealisierung der angeblich früher soviel besseren Zeit abzugrenzen ? )

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    • Hallo Cora,
      auch wenn sich das für dich furchtbar anhört, die meisten haben es so erlebt. In meinem Alter ist eine Abgrenzung nicht mehr nötig. Es ist wunderbar für dich, dass du es anders erlebt hast. Ich bin deswegen aber nicht traurig oder in einer depressiven Stimmung. Wir kannten es ja nicht anders und viele von uns haben die eigene Situation ja auch aus eigenem Antrieb heraus geändert. Das hat uns stark gemacht. Ich war zum Beispiel nie eine unterdrückte Frau, das habe ich einfach nicht zugelassen.
      Liebe Grüße
      Karin

  3. Woran liegt das ? Ich versuche mal ein Paar Antworten:
    1. Vorstandsposten bzw. Karriere tatsächlich GUT in Einklang zu bringen, klappt nur im Kino.Selbst wenn das Geld für eine wirklich seriöse Kinderbetreuung da sein sollte, bleibt doch die Frage, warum will Frau Kinder, wenn sie sie nie sieht ?

    2. Frauen sind mehr auf Kooperation als auf Hierarchie ausgelegt/erzogen/ oder gar genetisch programmiert ?Der Machtkampf, der nötig wäre, um ganz nach oben zu kommen, scheuen viele von uns.
    Liebe Grüße, bei vom Meer

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    • Liebe Bri,
      Zu 1.: Es gibt heute soviele Single-Frauen und Frauen ohne Kinder, aber auch die wollen nicht.
      Zu 2.: Das könnte ein Grund sein, wenn ich nicht selbst während meines Berufslebens Machtkämpfe unter Frauen häufig erlebt habe. Sie haben diese Kämpfe halt nicht mit den Männern geführt.

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