Sonntagsfragen an Christa Pfeiler

Christa ist 63 Jahre alt und kann sich mit der Bezeichnung Seniorin noch nicht so recht abfinden, was ich sehr gut verstehe, da es mir genau so geht.

Sie schreibt zu ihrem Blog “weiß & schwarz“:

weiss & schwarz ist für mich ein Statement für mein Alter. Ich habe immer öfter das Gefühl mich für vieles was ich liebe, mache und trage, rechtfertigen zu müssen. Wie vermutlich bei jeder Lebensphase hat die Gesellschaft für die „ab 60 jährigen“ bestimmte Regeln aufgestellt, wie man zu leben und sich zu verhalten hat. Da diese nicht wirklich in mein Lebenskonzept passen möchte ich mich davon distanzieren und zeigen, dass es eben nicht nur schwarz oder weiß sein muss, sondern beides sein kann. Vielleicht ein wenig abstrakt, aber ich möchte zeigen, dass man auch über 60 noch vieles machen oder gar starten kann. Über 60 zu sein heißt nicht automatisch graue Haare haben zu müssen und Seniorenaktivitäten nachzugehen. Ganz im Gegenteil, diese Lebensphase war ursprünglich gedacht die Rente zu genießen und die verbleibende Zeit zu nutzen. Warum also nicht im Kopf jung bleiben, die Mode weiterhin lieben und Dinge ausprobieren für die bisher keine Zeit war? Ich möchte einen Anstoß geben darüber nachzudenken ob eine einfache Altersangabe wirklich ausreicht um zu beschreiben was ab 60 in unserem Leben passiert.

Jetzt bin ich neugierig geworden und will mehr über sie erfahren:

 

Wenn du dich an deine Kindheit erinnerst, was fällt dir als erstes ein?

Nur positives – eine wunderschöne Zeit, aufgewachsen mit liebevollen Eltern, Großeltern und meinem älteren Bruder.  Alle in einem Haus, behütet und als Nesthäcken besonders verwöhnt. Wir wohnten in einem kleinen Ort in Oberbayern, umgeben von Bergen, Natur und Seen, ein guter Ort um eine glückliche Kindheit zu haben.

 

Wie erinnerst du das Lebensgefühl in deiner Jugend?

Frei, ohne Zwänge, glücklich, intensiv und ausgelassen – ich wolltenichts versäumen und hatte nichts versäumt. Eine aufregende Zeit.

 

Welche Zeit in deinem Leben hast du als die Glücklichste empfunden und welche als die Schlimmste?

Als glückliche Zeit, die Geburt meiner Tochter und die ersten Jahre als kleine Familie. Auch, dass ich im Leben beruflich viel erreicht habe und das Glück eine phantastische Tochter zu haben.

Die schlimmsten Zeiten, und davon gab es leider mehr als genug. Der frühe Tod meines Vaters und Bruders sowie 1993 der Tod meines Mannes, da war ich gerade 38 Jahre alt. Letztes Jahr starb meine Mutter mit 93 Jahren, was ein großes Loch in mein Leben riss.

Christa mit ihrer Tochter 1986

 

 “Oft haben mir harte Kämpfe mehr geschadet als genutzt.”

 

Welche Werte sind die wichtig? Für was würdest du kämpfen?

Das ganze Leben ist ein Auf und Ab, nicht jeder Kampf war (und ist) nötig. Oft haben mir harte Kämpfe mehr geschadet als genutzt. Jedoch würde ich immer für meine Familie und Freunde kämpfen. Gerade als alleinerziehende, berufstätige Frau hieß es sich behaupten zu müssen.

Wenn du die Augen schließt und tief in dich hineinschaust, wie siehst du dich dann selbst?

Als zufriedene Frau mit fast 64, die viel erlebt hat und erleben musste – fühle ich mich gedanklich erst wie 55! Leider gibt es auch Tage an denen ich mich fühle wie 66. Aber wie heißt der Song von Udo Jürgens – Mit 66 Jahre da fängt das Leben an!

Christa 1998

“Vielleicht habe ich auch das Glück und finde im Seniorenheim meine große Liebe.”

 

Wie möchtest du leben, wenn du dich einmal nicht mehr selbst versorgen kannst, also auf Hilfe angewiesen bist?

Ein Gedanke den ich sehr gerne verdränge. Aber es wird kommen – langsam oder abrupt. Betreutes Wohnen hört sich gut an, ob nun in einer WG oder im Seniorenheim? Vielleicht habe ich auch das Glück und finde im Seniorenheim meine große Liebe.

 

Stell dir vor es ist dein 80. Geburtstag, wie möchtest du auf dein Leben zurückblicken?

Wie meine Mutter an ihrem 80. Geburtstag – gesund, vital und voller Lebensfreude mit meinen Lieben.

 

Fürchtest du dich vor dem Altwerden und, wenn ja, was macht dir die meiste Angst?

Angst habe ich vor Hilflosigkeit, Krankheit, Kontrollverlust und am meisten vor Demenz. Bei meiner Mutter kam es nur wenige Wochen vor ihrem Tod. Sie hat es nicht mehr bemerkt. Für mich und meine Tochter eine schlimme Erfahrung.

 

Welche Wünsche und Träume hast du für die nächsten Jahre?

Gesundheit für mich und meine Familie, jeden Tag genießen und ohne Sorgen leben, denn Sorgen sind eine Vergeudung unserer wertvollen und begrenzten Lebenszeit. Einen Wunsch hätte ich noch! Wie die Queen auf meinem Pony mit 88 noch durch die Gegend zu streifen. Denn es ist nie zu spät, auch nicht mit 59, mit dem Hobby Reiten zu beginnen.

 

Vielen Dank Christa für das wundervolle und aufschlußreiche Interview. Zu deinem 88. Geburtstag brauche ich unbedingt eine Einladung. Das mit dem Ponyreiten möchte ich unbedingt sehen.

 

 

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Karin, nochmals herzlichen Dank, dass ich bei deinen Sonntagsfragen dabei sein durfte. Freue mich schon auf meinen 88. Geburtstag, wenn ich dir – auf dem Rücken der Pferde – die schöne Landschaft bei uns im Chiemgau zeigen darf. Sende einen lieben Gruss aus Bayern. Christa

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