Was für ein Jahr!

Eigentlich ließ sich das Jahr 2020 gut an. Silvester hatte ich mit meiner Freundin verbracht. Wir besuchten ein Konzert der 3 Tenöre, bereits das zweite Jahr hintereinander. Die “alten” Jungs waren großartig und ihre Gesangsdarbietungen eine wunderbare Einstimmung auf den Rest des Abends.

Wir schwebten, wie auf Wölkchen nach Hause. Na ja, eigentlich war das Wölkchen ein Taxi. Im Anschluß erwarteten wir das Neue Jahr mit Leckereien und guten Gesprächen. Das Feuerwerk in unserem Stadtteil war prächtig und ließ uns auf ein gutes 2020 hoffen.

Afrika wir kommen

Das Jahr begann auch gut: Meine Schwester und mein Schwager wollten zum 1. Mai, aus beruflichen Gründen, nach Johannesburg ausreisen und dort für 2 – 4 Jahre eine neue Heimat finden. Sie begannen mit der Hauhaltsauflösungen und waren, trotz Streß, in heller Vorfreude. Nach einem kurzen Besuch in Johannesburg, waren die Beiden so begeistert, dass sie schon im Geiste ein Haus mit schönen, neuen und von Einheimischen handgeklöppelten Möbeln einrichteten. Ich freute mich so für die Zwei, denn für sie ging ein langehegter Traum in Erfüllung. Ich begann so nach und nach mit dem Verkauf der Dinge, die zum Wegwerfen zu schade oder zu wertvoll waren. Doch dann kam alles anders.

Corona kam und veränderte alles

Kurz nach Karneval hat Corona uns voll erwischt. Wir hatten zwar schon von der Krankheit gehört, aber die war ja weit weg, in China. Plötzlich, so schien es uns, war sie da und zwar mit voller Wort. Deutschland ging in einen großen Lockdown und auch Südafrika schloß die Tore. Es wurden von einem Tag zum anderen keine Visa mehr ausgestellt und auch eine Einreise war nicht mehr möglich. Da Schwester und Schwager ihre Wohnung zu Ende April gekündigt hatten, standen sie von heute auf morgen ohne Einrichtungsgegenstände und Hausrat da.

Heimatlos geworden, zogen sie zwischenzeitlich zweimal um. Als erstes in ein wunderschönes Ferienhaus, in dem es sich gut leben lies, Leider konnten sie nur 2 Monate dort bleiben, da es danach anderweitig gebucht war. Mittlerweile war Sommer und Urlaub wieder möglich. Also hatten sich dort Feriengäste angemeldet. Hätten sie gewußt, wie lange die Pandemie die Welt noch im Griff haben sollte, hätten sie sich dort für länger eingemietet. Das nächste Haus war leider nur halb so schön, aber es ist wahnsinnig schwierig etwas geräumiges zu einem halbwegs bezahlbarem Preis zu bekommen.

Nachdem auch dieser Mietvertrag auslief, hatten die Beiden die Möglichkeit, vorübergehend in ein anderes afrikanisches Büro des Arbeitsgebers meines Schwagers zu gehen. Die Wahl fiel auf Accra, die Hauptstadt von Ghana. Dorthin reisten sie mit Sack und Pack Ende Oktober aus. Leider fühlen sie sich dort nicht wirklich wohl und warten immer noch darauf, endlich nach Johannesburg zu kommen.

Die ganze Zeit fühle ich mit den Beiden und wünsche ihnen so sehr, dass sie bald in ihre neue Heimat können. Die Nerven von uns allen, sind mittlerweile nicht mehr die Besten, aber wir müssen damit leben. Wenigstens sind sie in einem warmen Land und können nach draußen. In Deutschland wären sie jetzt nicht sonderlich gut aufgehoben. Leider gehen auch in Südafrika die Corona-Zahlen wieder hoch. Die zweite Welle ist, etwas verspätet, auch dort angekommen. Und nicht nur das, nun ist auch ein mutierter Virus dort im Umlauf.

Das Leben plätschert so dahin – Sicherheit geht vor

Bis in die ersten Monate des neuen Jahres bin ich bestimmt noch mit dem Verkauf der Dinge beschäftigt, die bei mir Schränke und Keller füllen. Dann habe ich wenigstens etwas zu tun. Wenn man zur Risikogruppe gehört und, wie meine Freundin, auch noch Vorerkrankungen hat, ist äußerste Vorsicht geboten. Seit März führe ich deshalb das immer gleiche Leben.

  • Einmal die Woche, höchstens zweimal,  Einkaufen und Pakete zur Post bringen.
  • Einmal die Woche Essen und plauschen mit meiner Freundin. Wir bekochen uns gegenseitig und haben ansonsten nur minimale Kontakte zu anderen Menschen.
  • Hier und da ein Gespräch mit den Nachbarn, immer auf Abstand.
  • Tägliches Arbeiten am Bildschirm zu Hause und viel lesen.

Auch im Sommer habe ich mir keine Restaurantbesuche geleistet, weil mir das mit den ganzen Coronamaßnahmen einfach keinen Spaß machte. Das Lesen dämpft meine innere Unruhe, die mich manchmal überfallt, ein wenig. Zum Schreiben hatte ich in den letzten Monaten auch keine große Lust. Man könnte auch sagen, dass ich eine Schreibblockade hatte und noch habe. Alle Themen, die ich mir notiert hatte, erscheinen mir auf einmal so uninteressant. Wie ich hörte, geht es vielen meiner KollegInnen ähnlich. Wir erleben ja auch nicht viel in diesen Zeiten.

Hoffnung keimt auf

Seit einigen Wochen gibt es nun Impfstoffe ud damit die Hoffnung, dass der Spuck Mitte bis Ende nächsten Jahres vorbei sein könnte. Trotzdem müssen wir uns darauf einrichten, noch eine längere Zeit mit dem Virus zu leben.

Euch allen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest. Macht es euch nett, so weit es im Moment möglich ist. Kommt gut ins Neue Jahr, ohne Knallerei, besinnlich und dankbar, dass wir leben.

Uns allen wünsche ich Geduld, Rücksichtnahme, Zusammenhalt, Liebe und Freundlichkeit, damit wir die vor uns liegende Zeit gut überstehen.

Bleibt gesund

Eure Karin

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