Wenn der Partner alles vergißt

Vor vielen Jahren, ganz am Anfang unserer Beziehung fragte mich mein Mann,was denn wäre, wenn er einmal schwer krank würde. Vielleicht hat er damals schon gefühlt, was einmal kommen würde.

Meine Antwort war, dass ich natürlich immer zu ihm halten und für ihn da sein würde. Als nächstes fragte er was denn wäre, wenn er im Rollstuhl sitzen würde. Für mich gar kein Problem. Wir unterhielten uns damals lange über dieses Thema, dass ihm anscheinend so am Herzen lag. Mein Mann und ich hatten immer wunderbare Gespräche und ich wußte, dass es am schlimmsten für mich sein würde, wenn er an Alzheimer oder Demenz erkrankte. Nicht mehr mit ihm kommunizieren zu können, das war ein schrecklicher Gedanke. Für ihn da sein und ihn pflegen mußte ich ja tatsächlich einige Jahre später. Miteinander reden konnten wir aber bis eine Woche vor seinem Tod.

Gestern hörte ich von einer Frau, die in meinem Alter, also mit Mitte Sechzig, bereits an fortgeschrittener Demenz leidet und von ihrem Partner betreut wird. Natürlich ist die Erkrankung in diesem Alter die Ausnahme, aber je älter wir werden, umso höher ist das Risiko. Bei ersten Anzeichen, die über eine normale Vergesslichkeit hinaus gehen, sollte man sich unbedingt untersuchen lassen. Als erste Anlaufstelle nach dem Hausarzt ist eine Gedächtnissprechstunde das Beste. Allerdings ist es für die Partnerin oder den Partner nicht einfach, das Thema anzusprechen. Ich erinnere mich gut, dass mein Mann im letzten Jahr seiner Krebserkrankung, bedingt durch die Menge der Medikamente die er einnehmen mußte, auch extreme Probleme mit dem Gedächtnis hatte. Selbst liebevoll darauf angesprochen, reagierte er unwirsch, verweigernd und manchmal sogar extrem wütend. Eine Menge Feingefühl muß hier aufgebracht werden, um von einem Arztbesuch zu überzeugen.

Es ist nach meiner Meinung für einen Partner extrem wichtig eine Diagnose zu bekommen, um sich auf das was kommt einstellen zu können. Heilbar ist eine Demenz- oder Alzheimererkrankung leider immer noch nicht. Es gibt aber Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verlangsamen können.

Ganz wichtig ist es, falls noch nicht geschehen, bevor die Krankheit weiter fortschreitet einige Dinge zu regeln. Der Nachlaß sollte geordnet und ein Testament erstellt werden, Vollmachten fürs Konto und für die spätere Betreuung müssen ausgestellt und eine Patientenverfügung gemacht werden. All das wird über einen Notar geregelt, der sich dann durch ein Attest des behandelnden Arztes und Augenschein von der Geschäftsfähigkeit des Erkrankten überzeugen muß.

Angehörige sollten sich über den Verlauf der Krankheit informieren. Es ist verständlich das man die Partnerin/den Partner solange wie möglich bei sich zu Hause behalten möchte, aber die Zeit wird kommen und man ist einfach überfordert. Dann ist es keine Schande eine gute Einrichtung zu suchen, die die Betreuung im späteren Stadium der Erkrankung besser leisten kann. Es bleibt dann genügend Kraft, der Kranken/dem Kranken bei Besuchen die Zuwendung und das Verständnis entgegen zu bringen, was benötigt wird.

Nähere Infos erhaltet ihr über www.deutsche-alzheimer.de

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Karin,
    sehr guter und sehr wichtiger Beitrag! Mein Vater und mein Schwiegervater hatten Alzheimer. Man will es selbst für sich ja nie wahr haben und verdrängt es. Das hilft aber nicht weiter. Das mit dem Vorsogen sollte frühzeitig gemacht werden.

    Nach dem Tod meiner Mutter kam das mit dem Alzheimer für uns Kinder erst so richtig zum Vorschein. Da war er so 77 Jahre alt. Wir haben meinen Vater über viele Jahre gepflegt, bis es gar nicht mehr ging. Er hatte auch sehr aggressive Phasen, besonders am Anfang. Ich denke, dass ist die Angst die er selbst davor verspürte.

    Drück dich.

    Liebe Grüße
    Renate

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