Achtsam sein mit sich selbst

Meine Krebserkrankung hat mich gelehrt, dass ich künftig achtsamer mit mir umgehen muss, denn ich fühle mich manchmal unsagbar schwach und leer. Zum ersten Mal in meinem Leben sollte ich mich einmal wichtiger nehmen, als alles und jeden um mich herum. Mein Körper zeigt mir eindringlich, dass ich mehr Ruhe brauche, als ich mir bisher gestattet habe. Schreiben, ein gutes Buch lesen, mit Familie und Freunden etwas unternehmen, all das tut mir im Moment wirklich gut.

Fast alle Erledigungen mache ich inzwischen zu Fuß. Dafür hatte ich früher keine Zeit. Wer einen schwer kranken Menschen pflegen und nebenbei noch den Lebensunterhalt verdienen muß, ist gezwungen, alles möglichst schnell zu erledigen und ist immer gehetzt und auf dem Sprung. Ich habe festgestellt, dass jahrelang Wetter, Jahreszeiten, Nachrichten usw. unmerklich an mir vorbei gingen und von mir nicht wirklich wahrgenommen wurden. Die Psyschologin meines Mannes sprach damals schon von einem Burn out (furchtbar der Begriff), aber auch dafür hatte ich keine Zeit. Ich versuche alle Dinge um mich herum jetzt bewusst zu erleben.

Es macht mich glücklich, wieder in meiner Heimatstadt Köln zu sein. Hier habe ich in den letzten Jahren einige Menschen gefunden, die mich mögen und auf mich achten. Es ist ja einfach, mit Kölnern in Kontakt zu kommen, denn sie sind sehr zutraulich. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit. 10 Jahre habe ich in Krefeld gelebt und in dieser Zeit nicht wirklich soziale Kontakte knüpfen können.

So ganz gelingt mir das Achtsamsein mit mir selbst immer noch nicht. Immer noch werde ich von Unruhe und Existenzangst getrieben. Mein angeborener Optimismus und mein Humor werden mir hoffentlich helfen zu lernen, was mir jetzt noch nicht so richtig gelingt. Schließlich will ich eine alte strickende Oma werden…. oder etwa nicht?

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