Ein seltsames Gefühl von Schuld

Obwohl ich nach dem Tod meines Mannes wieder mitten im Leben stehe und mit Spaß und Freude an alles herangehe, nagt etwas in mir. Wie meine Leser wissen, war mein Mann fast 8 Jahre schwer an COPD erkrankt und wir beide wussten, dass wir nicht mehr so viel gmeinsame Zeit haben würden. Als dann die Krebsdiagnose kam ging alles sehr schnell. In dieser Zeit habe ich etwas seltsames an mir festgestellt. Etwas, dass ich bis heute nicht wirklich einordnen kann.

In der langen Zeit seiner Krankheit hatte ich mich innerlich bereits von ihm verabschiedet, mich irgendwie distanziert. Wie konnte das sein? Er war doch bis zum Schluß meine große Liebe – keine Frage -, aber irgendwie habe ich die Trauer über seine Krankheit immer weniger an mich herangelassen. In der Nacht bevor mein Mann starb, habe ich ihm gesagt, dass er nun gehen kann, dass alles in Ordnung ist. Dies auszusprechen tat mir nicht weh, im Gegenteil, es war eine Art Erlösung.

Heute frage ich mich oft, was da mit mir los war. Oft habe ich Schuldgefühle, weil ich ihn nicht halten wollte. Andererseits glaube ich, dass meine Psysche mich mit diesem Distanzieren vor dem Zusammenbruch geschützt hat. Schließlich habe ich alles getan was mir möglich war, hatte ihn bis zum Schluss bei mir zu Hause gehabt, auch wenn ich am Rand meiner körperlichen Kraft war.

Nun habe ich vor kurzem gehört, dass es auch anderen Frauen in meiner Situation (sogar Prominenten) so ergangen ist und diese Tatsache erleichtert mich sehr. Es war also keine Gefühlskälte, keine Gleichgültigkeit von mir, sondern eine Art Selbstschutz. Das ist auch der Grund warum ich diese Gefühle mit euch teile. Ich möchte anderen Frauen in der gleichen Situation sagen, dass es nicht unnormal und überhaupt kein Grund für Schuldgefühle ist, so zu empfinden. Wir leben weiter und sind trotzdem traurig über den Verlust, den wir erlitten haben. Lediglich unsere Psysche hat uns geholfen, das alles durchzuhalten.

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