Sonntagsfragen: „Brigitte wir“

Heute einmal Sonntagsfragen der besonderen Art, denn ich frage mich was: Brauchen „WIR“ eine Zeitschrift für Frauen in der „3. Lebenshälfte“?

Mitte September hat die Brigitte ihr 2. Kind herausgebracht, die „Brigitte wir“. Zugegeben, es ist schon geraume Zeit her, dass ich bemerkte, nicht mehr zur Zielgruppe der normalen Brigitte zu gehören. Damals war ich Anfang 40 und machte einen der berühmt/berüchtigten Tests in der Brigitte. Irgendwie kam meine Altersgruppe dort auf einmal nicht mehr vor. Gefreut habe ich mich dann, als „Brigitte Woman“ auf den Markt kam. Hier fühlte ich mich – übrigens bis heute – gut aufgehoben. Nun also „Brigitte wir“.

Es geht schon los mit Mathe – Magazin für die 3. Lebenshälfte – hä??? Kann ich nicht mehr rechnen oder soll das witzig sein? Da fehlt mir ehrlich gesagt der interlektuelle Zugang.

Aber, laßt uns die Zeitschrift einmal genauer unter die Lupe nehmen. Die erste Fotostrecke „Raus aus der Grauzone“ irritiert mich ein weiteres mal. Gut, hier sollen ältere Frauen aus der Unsichtbarkeit geholt werden. Für mich werden hier wunderschöne Gesichter, mit Spuren von gelebtem Leben, der Lächerlichkeit preisgegeben. Auffallen kann Frau auch auf angenehmere Weise, z.B. durch Lebensfreude. Ich mochte schon immer schicke und gepflegte ältere Damen, denen wir ansehen können, dass sie das Leben noch geniessen. Gut, die Fotos sollen wahrscheinlich künstlerisch sein, sprechen mich aber nicht wirklich an.

Es folgen einige Berichte und Interviews, die mir ganz gut gefallen. Die hätten aber auch in jede andere Zeitschrift gepaßt. Dann stoße ich auf ein Sammelheft, dessen 1. Ausgabe sich mit dem Wohnen beschäftigt. „Toll“, denke ich: „bist ja gerade umgezogen, schau also mal rein“. Dann lese ich entsetzt, dass ich alles falsch gemacht habe, denn lt. „Brigitte wir“ hätte ich mir mit 60 schon eine barrierefreie Wohnung anschaffen müssen oder evtl. schon in eine „Alten-WG ziehen sollen. Ich aber dachte, dass Treppenlaufen usw. mich fit hält und für barrierefrei später noch Zeit ist. Das zieht mich, die ich doch noch voller Temperament und Lebensfreude bin, jetzt wirklich ein wenig runter.

Die Kosmetik- und Haarpflegetipps finde ich nun wieder klasse, da auf die ganz speziellen Bedürfnisse von Haut und Haaren nach den Wechseljahren abgestimmt.

Ganz am Ende der Zeitschrift kommt dann doch noch eine Modestrecke. Die Idee, sich durch einen Film – hier „Herold and Maude“ – für die Fotos inspirieren zu lassen, finde ich zunächst einmal prima. Die Mode allerdings, die hier gezeigt wird, macht aus uns endgültig Omas. Das schlimmste aber sind die Preise. 1.998,– € für einen Rock??? Liebe Moderedaktion, ihr denkt wahrscheinlich, dass wir im Alter alle steinreich sind. Die Mehrzahl der älteren Frauen hat aber nur sehr wenig Geld zur Verfügung und wenn nur die reichen Damen eure Zeitschrift kaufen, könnt ihr sie recht bald wieder einstellen.

Fazit: Bei den Inhalten bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich diese 3. Brigittevariante wirklich brauche. Eine 2. Chance allerdings hat sie verdient, heisst, ich kaufe mir auch die nächste Ausgabe. Mal sehen, ob sie mich überzeugen kann.

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