Rückblick auf den Januar 2026 und irgendwie schon ein Jahresrückblick
Wenn ich an diesen Januar zurückdenke, frage ich mich manchmal, ob ich im Dezember einen kurzen Absatz schreiben muss: „Ach, das war der Januar, erinnerst du dich noch?“ – weil in diesen wenigen Wochen schon so viel passiert ist, dass ein halbes Jahr darunter passen würde.
Der Januar 2026 war politisch kein „sanfter Start“. Er war ein lauter, chaotischer, widersprüchlicher Monat, in dem sich politische Spannungen, alte Konflikte und neue Eskalationen übereinander türmten und alles schien miteinander in Verbindung zu stehen. Ob globale Machtverschiebungen, diplomatische Krisen oder innere Spannungen in alten Demokratien: Die Weltpolitik wirkte, als habe sie den Pausenknopf verloren.
Macht und Wahrnehmung
Was mich dabei am meisten umtreibt ist, wie Macht und Wahrnehmung miteinander verwoben sind. Dieses Thema hat Sonja Schiff in ihrem Beitrag „Macht, Geld und die Unsichtbarkeit psychischer/kognitiver Erkrankungen“ sehr pointiert angesprochen.
In ihrem Text schreibt sie davon, dass psychische oder kognitive Symptome bei Menschen mit Einfluss, Geld und Macht viel später erkannt werden als bei „normalen“ Menschen, weil die Fassade, die der Status ermöglicht, so perfekt funktioniert, dass Krankheit nicht auffällt.
Das trifft einen Nerv: Denn im politischen Zentrum der Welt steht gerade jemand, dessen Verhalten immer wieder Fragen aufwirft – nicht nur politisch, sondern auch menschlich. Sonja beschreibt, wie sie Trump beobachtet, wie er spricht, Ideengeflechte verliert, banale Wendungen wählt und sich in Reden verliert, die den klaren Blick vermissen lassen und sie zieht daraus die Konsequenz, dass wir es hier nicht nur mit politischen Fehlentscheidungen zu tun haben könnten, sondern mit etwas, das tiefer geht.
Politisch scharf formuliert sie, dass ein Mann mit enormer Macht und enormem Geld durch genau diese Machtinstitutionen geschützt wird und dass sich seine Probleme erst zeigen, wenn ein anderer Mensch in einer ganz anderen gesellschaftlichen Position wäre.
Das ist kein Pöbeln, kein oberflächliches Rumreiten auf einer Einzelperson, sondern ein kritischer Blick auf Machtmechanismen:
- Warum verschwimmen Verantwortung und Wirkung, wenn Geld und Einfluss im Spiel sind?
- Warum wird Kritik – auch sachliche – oft abgeschmettert oder ignoriert, weil sie existentielle Fragen stellt?
Das wirft ein größeres Problem auf: Nicht nur um eine einzelne Person, sondern um den Zustand von Demokratien, um die Mechanismen, die uns zum Zuschauen zwingen, während Entscheidungen getroffen werden, die weitreichend sind, die nicht nur eine Nation betreffen, sondern globale Stabilität.
… und viele Fragen bleiben offen
Politisch gesehen war dieser Januar ein Monat, in dem viel zu viele Fragen offen blieben:
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Wer trägt Verantwortung für eskalierende Spannungen?
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Warum bleiben klare Analysen ohne Konsequenzen?
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Wie kann eine Weltgemeinschaft reagieren, wenn jene, die Entscheidungen treffen, immer weniger nachvollziehbar agieren?
Während wir durch den medialen Sturm navigieren – durch Nachrichten, Kommentare, Meinungen, Empörungen und Empörungen über Empörungen – bleibt ein Gefühl hängen wie ein Nachhall: Wir sind mitten in einem Prozess, dessen Richtung noch längst nicht klar ist. Wir haben Ereignisse im Januar gesehen, die genauso gut Themen für eine Jahresbilanz sein könnten.
Und ja, vielleicht war dieser Januar kein Anfang, vielleicht war es ein Brennpunkt. Ein Moment, in dem plötzlich klar wurde: Nicht nur die Weltpolitik hat Komplexitätsprobleme, unsere Art Macht wahrzunehmen, zu hinterfragen, zu verstehen, muss sich ändern. Denn große Politik ist mehr als nur Schlagzeilen. Sie ist der Raum, in dem Macht, Verantwortung und menschliche Fragilität aufeinandertreffen und oft genug in einer gefährlichen Mischung verschmelzen.
Und ich so?
Ihr merkt schon, es wühlt mich auf und leider gelingt es mir immer noch nicht, die Nachrichten komplett zu ignorieren. Wenigstens war mein privater Januar relativ ruhig und ist wie im Flug vergangen. Ich habe ehrenamtlich eine Website für einen Verein meines Stadtteils erstellt, ein bißchen geschrieben und hier und da etwas umgeräumt und das war es dann schon. Ihr seht, nicht weltbewegendes in meinem kleinen Universum ist geschehen.
Für uns alle, hoffe ich auf einen ruhigeren Februar mit ein bißchen mehr Spaß und Freude. Ich glaube, mir wird das gelingen, denn schließlich lebe ich in Köln und es ist Karneval.


