Heißt Partnerschaft auch Zusammenleben?

Seit meinem neunzehnten Lebensjahr lebte ich mit Männern zusammen. Lediglich knapp sieben Jahre, nach meiner zweiten gescheiterten Ehe, lebte ich allein. Diese “Single-Jahre” waren allerdings angefüllt mit Arbeit und Tanzsport, so dass ich eine Beziehung nicht wirklich vermisste.

Damals schon wollte ich mit keinem Mann mehr zusammen leben. Als ich dann Bernd kennenlernte, änderte sich meine Meinung sehr schnell wieder. Wir zogen nach gut zwei Jahren zusammen und nach drei Jahren heirateten wir.

Jetzt, nach Bernds Tod im Jahr 2015, genieße ich das Alleinleben sehr. Noch kann ich mit eine neue Partnerschaft nicht vorstellen. Aber, wenn ich eines gelernt habe, man soll niemals nie sagen. Sollte ich noch einmal eine Liebe finden – oder sie mich, kommt für mich nur eine Beziehung in der jeder seine eigene Wohnung behält, in Frage.

Unsere Generation ist ja noch so erzogen, dass Paare auch zusammen leben und das möglichst verheiratet. Heute denke ich anders darüber und damit bin ich wohl nicht alleine. Schätzungen zur Folge leben bereits 15 bis 20 Prozent aller Paare in getrennten Wohnungen. In meinem Bekanntenkreis gibt es ein Paar, dass schon viele Jahre so lebt. Beide sind damit mehr als glücklich. sie sehen sich am Wochenende und auch ab und zu in der Woche. Dann kocht einmal er und einmal sie oder sie gehen aus. Einen Urlaub verbringen sie gemeinsam. Der Vorteil ist, dass das Leben auf diese Weise nie Alltag ist und jeder seine Freiheiten genießt. Dinge, die oft Streitpunkte sind wie: das liebe Geld, schmutzige Wäsche oder Unordnung, die der Partner hinterlassen hat, bleiben außen vor. Man kann zusammen sein, muß es aber nicht. Ist die Laune mal nicht entsprechend, trifft man sich eben nicht. In den meisten gemeinsamen Wohnungen ist diese Art von “aus dem Weg gehen” nicht möglich.

Kann Liebe in getrennten Wohnungen funktionieren? Wie wichtig sind dabei Rituale, wie das tägliche Telefonat? Habt ihr Erfahrung oder wie denkt ihr über dieses Partnerschaftsmodell?

Eure Karin

Kommentare (9) Schreibe einen Kommentar

  1. Bevor ich mit meinem Partner vor 3 Jahren zusammengezogen bin, lebten wir 22 Jahre in getrennten Wohnungen. Es war das, was wir wollten und der Liebe hat das keinen Abbruch getan. Ich würde es jederzeit wieder so machen. Das Zusammenleben klappt nun erstaunlich gut, weil wir nach wie vor Raum für uns haben und uns unsere Eigenheiten lassen.Gewohnt 22 Jahre nach dem eigenen Rythmus zu leben, haben wir das weitgehend beibehalten. Auch das funktioniert.
    Liebe Grüße
    Sabine

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    • Ich bin überzeugt, dass es NUR so funktioniert. In älteren Jahren brauchen und geniessen wir unsere Freiräume.

  2. Habe auch schon auf Facebook kommentiert, jetzt hier nochmal. Es kommt meines Erachtens auch auf die Phase an, in der sich im Leben befindet. Wenn man jung ist und/oder evtl. Familie gründen will, dann ist es etwas anderes.

    Der Alltag ist oft das, was Beziehungen auf die längere Strecke belastet und evtl. sogar zerstört. Das Modell mit zwei getrennten Wohnungen habe ich ein paar Jahre ausprobiert und fand es ganz prima. Man hat genug Raum für sich und freut sich, wenn der andere kommt.

    Insgesamt lebe ich jetzt seit über 30 Jahren mit Männern zusammen und wenn meine jetzige Beziehung auseinandergehen würde, dann würde ich nicht mehr zusammen wohnen wollen. Ich habe so viele Kompromisse gemacht und mache sie noch, irgendwann ist es auch gut.

    Das ist natürlich irgendwie Rosinenpicken, aber die Männer haben bei mir auch jahrzehntelang Rosinen gepickt, indem sie sich von mir sehr viel haben abnehmen lassen. Warum also nicht in höherem Alter einfach mal ganz egoistisch an sich selbst denken? Finde ich legitim.

    Wie Karin schon sagte, getrenntes Wohnen bedeutet ja nicht, dass man nicht füreinander da ist oder sich im Stich lässt, wenn es mal unschön wird.

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    • Das ist genau das Problem. Wenn wir das Gefühl haben, die Kompromisse werden langsam einseitig, wächst die Unzufriedenheit. Je älter wir werden, desto weniger sind wir bereit Kompromisse zu machen.


  3. …aber ja, warum auch nicht Ich lebe dieses Beziehungsmodell nun schon erfolgreich und sehr befriedigend seit über 14 Jahren. An den Wochenenden sehen wir uns wechselseitig in Köln oder Düsseldorf, wochentags telefonieren wir mindestens 2 mal täglich. Unsere Interessen sind nicht ausschließlich gleich gelagert, so dass jeder für sich während der Woche seine Zeit für sich gestalten kann. Die Wochenenden gestalten wir gemeinsam. Wir Beide sind auf diese Weise rundum glücklich und zufrieden, da es unser Beider Bedürfnissen entspricht … und an der großen, innigen, tiefgreifenden Liebe zueinander gibts keine Zweifel. 

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  4. Doch, auch das ist Liebe. Es ist lediglich ein anderes Lebensmodell. Jedenfalls sehe ich es so. Wer wie ich jahrelang einen kranken Mann gepflegt und dann in den Tod begleitet hat, hat sich einen provaten Rückzugsraum verdient, wie ich meine. Das heißt ja nicht, dass ich einen Partner, der in seiner eigenen Wohnung lebt, im Notfall im Stich lassen würde.
    Liebe Grüße
    Karin

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  5. Ja, warum nicht…,aber ist das Liebe oder eher eine Zweckgemeinschaft ? Liebe erträgt auch die Seiten ( die Unordnung, schlechte Laune ) des anderen, die wir nicht mögen. Es kommt mir vor wie Rosinenpicken. Ich will Dich nur um mich haben, wenn es MEINEM Bedürfnis entspricht. Ist das Liebe ?

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    • Liebe Brie,
      Worin siehst Du beim „ Modell getrennt wohnen“ eine Zweckgemeinschaft? Mir ist eher der umgekehrte Fall bekannt.
      Für mich und meinen Lebenspartner ist dieses Lebensmodell wie geschaffen und tut der Liebe keinen Abbruch. Im Gegenteil … und was ist so schlimm am „Rosinenpicken“, wenn es der beidseitigen Zufriedenheit dient … und somit die Liebe noch verstärkt.
      Freundlicher Gruß
      Hilde

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