Karneval im Veedel – meine janz persönliche kölsche Wahrheit
Wenn morgen, an Weiberfastnacht, der Karneval anklopft, ist klar: Jetzt geht et los. Punkt 11:11 Uhr startet der Straßenkarneval, die Krawatten haben nix mehr zu lachen und selbst der größte Karnevalsmuffel weiß:
Et kütt wie et kütt.
Was ich am Karneval liebe
Ich liebe den Karneval im Veedel. Da, wo man sich kennt, wo man weiß, wer den besten Kartoffelsalat macht, wer immer ein bisschen zu laut singt und wer spätestens um sechs Uhr abends sagt: „Ich setz mich nur mal kurz hin“ und dann auf wundersame Weise verschwindet.
Mit Freunden und Nachbarn zusammen feiern, auf der Straße oder in der alten kölschen Kneipe, ein Kölsch in der Hand, kölsche Lieder auf den Lippen und ganz viel Spaß, das ist für mich echter Karneval. Ganz nach dem Motto:
Jede Jeck es anders.
Was ich eher meide
Weniger mein Ding ist der organisierte Karneval. Also der mit Eintrittskarten, die so teuer sind, dass man sich fragt, ob da nicht heimlich ein Wellness-Wochenende mit drin ist und Kölschpreise, bei denen man denkt:
Wat fott es, es fott
Das Geld sieht man jedenfalls nicht wieder.
Karnevalssitzungen? Ja, gerne – aber lieber im Fernsehen. Da sitze ich mit Freunden gemütlich auf dem Sofa, wir essen, trinken, lachen und meckern gemeinsam über flache Witze. Das Beste aber ist: Für das gleiche Geld, das man draußen für zwei Getränke ausgibt, haben wir einen ganzen Abend alles da. Man muss ja nit immer alles mitmachen.
Was mich wirklich stört
Was ich gar nicht mag, dass besonders an Weiberfastnacht und Rosenmontag viele Menschen schon mittags so betrunken sind, dass sie kaum noch wissen, wo vorne und hinten ist. Ein bisschen Alkohol gehört wohl dazu, aber Karneval ist doch kein Wetttrinken. Der Spaß hört da auf, wo Rücksichtslosigkeit anfängt. Oder wie man in Köln sagt:
Et hätt noch immer joot jejange,
aber nur, wenn man Maß hält.
Kleine Reise in die Geschichte des Kölner Karnevals
Der Kölner Karneval ist älter, als manche denken. Seine Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück. Damals war Karneval die Zeit, in der für kurz alles auf den Kopf gestellt wurde. Die Mächtigen wurden verspottet, die kleinen Leute durften lachen, und vor der Fastenzeit wurde noch einmal ordentlich gefeiert.
Im 19. Jahrhundert bekam der Karneval feste Strukturen. Das organisierte Festkomitee entstand, der Rosenmontagszug wurde eingeführt und Figuren wie Prinz, Bauer und Jungfrau wurden zu Symbolen der Stadt.
Der eigentliche Sinn dahinter? Gemeinschaft, Lebensfreude und ein bisschen Anarchie, aber immer mit Herz oder kölsch gesagt:
Mer muss och jönne künne.
Der wichtigste Rosenmontag meines Lebens – Köln 2022
Rosenmontag 2022 in Köln – für viele ein Tag ohne Zug, aber niemals ohne Bedeutung. Der traditionelle Rosenmontagszug war abgesagt worden. Doch statt stillzustehen, hat Köln an diesem Tag ein mächtiges, gemeinsames Zeichen gesetzt: Über 250.000 Menschen zogen an der Stelle des Umzugs durch die Innenstadt – nicht, um Kamelle zu werfen, sondern um gemeinsam für Frieden und gegen den Angriffskrieg in der Ukraine zu demonstrieren.
Die Atmosphäre war anders als bei einem gewöhnlichen Karnevalsumzug. Viele Menschen trugen weiterhin Kostüme, weil Karneval zur Identität unserer Stadt gehört, aber der rote Faden dieses Tages war ein anderer:
Solidarität mit der Ukraine, ein starker Ruf nach Frieden und ein klares „Nie wieder Krieg“
inmitten der historischen Kulisse Kölns.
Ich war mittendrin. Nicht zwischen Festwagen und Kamelle-Schlachtrufen, sondern in einer Menge, die vereint war durch ein gemeinsames Ziel: Haltung zeigen. Wir liefen entlang des sonst vertrauten Zugweges, viele mit ukrainischen Flaggen, manche mit stillen Plakaten, andere mit Trommeln und Gesang, aber alle mit demselben unüberhörbaren Signal.
Für mich war dieser Tag der wichtigste Rosenmontag überhaupt. Nicht, weil der Zug ausgefallen ist, sondern weil Köln gezeigt hat, wofür wir stehen: für Freiheit, für Solidarität und für Frieden. Es war ein Rosenmontag, der mehr war als ein Fest, es war ein Ereignis, das bleibt.
Mein Fazit
Für mich ist Karneval dann am schönsten, wenn er nahbar bleibt. Wenn man feiert mit Menschen, die man mag und ohne das Gefühl, ständig zur Kasse gebeten zu werden.
Ein Kölsch, ein Lied, ein guter Witz – mehr braucht es nicht und wenn es doch mal zu viel wird, schalte ich den Fernseher ein und denke mir:
Et es wie et es
un su es Karneval am schönsten.
Kölle Alaaf – aber bitte mit Maß, Herz und Humor. Un wie dä Kölsche sät: Et kütt wie et kütt, äver Hauptsach, et kütt met Hätz.




