Kultur,  Lebensart

Köln für Imis: Wenn der Dom nachts die Augen öffnet …

Heute beginne ich mit einer kleinen Reihe von Geschichten, die sich um den Kölner Dom ranken. Bei meinen Recherchen bin ich auf Allerlei gestoßen, das ich selbst als gebürtige Kölnerin nicht wusste. Also sind die Sagen, Legenden und teilweise Wahrheiten rund um den Dom nicht nur für Imis interessant.

Du stehst auf dem Domplatz. Es ist spät, zu spät für Einkaufsbummler, zu früh für Frühaufsteher. Es ist diese seltsame Stunde, in der Köln kurz so tut, als wäre es eine ruhige Stadt. Der Wind pfeift um die Ecken, irgendwo klappert eine lose Absperrung und über Dir ragt er auf: der Dom. Er ist Schwarz, riesig und ein bißchen unheimlich.

Tagsüber ist er ein Wahrzeichen, nachts wirkt er wie ein Wesen. Du schaust nach oben, aber das ist ein Fehler. Denn plötzlich verstehst Du, warum die Menschen im Mittelalter überzeugt waren, hier hätten Himmel und Hölle persönlich am Bau mitgewirkt. Diese Türme sehen nicht aus, als wären sie für Menschen gemacht. Eher für etwas, das fliegen kann oder noch schlimmer, fallen.

 

Der Vertrag, den man besser nicht unterschreibt

Man erzählt sich, der Bau sei damals einfach nicht vorangekommen. Es fehlten Geld, Arbeiter und Geduld sowieso. Köln wollte groß sein, aber der Dom wollte einfach nicht wachsen. Bis eines Tages ein Fremder auftauchte. Er war gut gekleidet, höflich und ungemein kompetent. Einer von denen, bei denen man erst hinterher merkt, dass man besser die Straßenseite gewechselt hätte.

„Ich baue euch den Dom fertig“, soll er gesagt haben. „Schneller als ihr es euch vorstellen könnt.“

Der Preis? Nur eine Kleinigkeit: die Seele des ersten Lebewesens, das nach der Vollendung den Dom betritt.

Du denkst jetzt vielleicht: „Das unterschreibt doch niemand“. Doch im 13. Jahrhundert gab es weder Vertragsrecht noch Verbraucherschutz und offenbar auch kein gesundes Misstrauen gegenüber mysteriösen Bauunternehmern.

 

Köln wäre nicht Köln ohne Trick

Als den Bürgern klar wurde, mit wem sie sich da eingelassen hatten, brach Panik aus. Denn Verträge mit dem Teufel haben bekanntlich keine Widerrufsfrist. Die Rettung kam natürlich aus der Kategorie „kölsche Improvisation“. Man ließ einfach einen Hahn in den fertigen Dom laufen. Ja, wirklich! Der Teufel soll vor Wut geschrien haben, dass die Fenster erzitterten. Betrogen! Hintergangen! Ausgetrickst von einem Federvieh! In seiner Raserei schlug er gegen das Bauwerk und verschwand.

Kurz darauf stockten die Arbeiten, und stockten, und stockten…. über 600 Jahre lang.

 

Warum der Dom nie fertig sein darf

Du gehst ein paar Schritte näher. Die schweren Türen sind geschlossen, doch Du hast das Gefühl, dahinter würde etwas warten. Nicht bedrohlich, aber wach. Seit der offiziellen Fertigstellung 1880 wird am Dom ununterbrochen restauriert, gereinigt, repariert, gesichert. Kaum ist ein Gerüst weg, steht das nächste schon bereit. Viele Kölner sagen scherzhaft und ein ganz kleines bisschen ernst:

Solange am Dom gebaut wird, bleibt die Welt in Ordnung.
Wenn die Arbeiten jemals enden … lieber nicht drüber nachdenken.

 

Hörst Du das auch?

Jetzt, wo Du still stehst, bemerkst Du es, ein Geräusch. Nicht laut, eher ein Schaben ein leises Klacken. Vielleicht ein Stein, der sich abkühlt, der Wind in den Höhen, ein Vogel oder Schritte? Du drehst Dich um, aber niemand ist da. Natürlich nicht. Als Du wieder nach oben schaust, verschwinden die Türme im Dunkel, als hätten sie beschlossen, heute Nacht kein Licht mehr zurückzugeben und für einen Moment hast Du ein absurdes Gefühl als würde der Dom Dich ansehen. Nicht böse, nicht freundlich, sonder einfach nur uralt, geduldig und unbeweglich. So, als wüsste er Dinge, die Menschen besser nicht wissen sollten.

Du gehst schließlich weiter, rennst nicht – schließlich bist Du kein Tourist -, gehst aber trotzdem etwas schneller.
Hinter Dir bleibt der Dom stehen, wie er es immer tut, schweigend, wartend und das seit Jahrhunderten.

Falls Du Dich morgen fragst, ob das alles nur Einbildung war – nun ja: Der Hahn hat damals auch niemandem etwas erzählt.

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