Lesen im Vorfrühling – Wenn die ersten Sonnenstrahlen nach einem Buch rufen
Der Vorfrühling hat seinen ganz eigenen Zauber. Die Sonne zeigt sich wieder öfter, die Luft ist noch frisch, aber schon voller Versprechen. Genau die richtige Zeit, um sich mit einem guten Buch nach draußen zu setzen – auf die Bank vor dem Haus, auf den Balkon oder in den Park. Während die Natur langsam erwacht, darf auch der Kopf auf Reisen gehen: in ferne Zeiten, andere Städte und spannende Geschichten. In dieser Reihe stelle ich Dir Bücher vor, die mich in diesen ersten hellen Tagen des Jahres begleitet haben. Vielleicht ist ja auch für Dich eine neue Lieblingslektüre dabei.
Natascha Wegelin
Die Krise liebt Frauen wie dich
Das neue Buch von Madame Moneypenny
Die Unternehmerin und Investorin Natascha Wegelin, vielen besser bekannt als Madame Moneypenny, hat mit diesem Buch keinen trockenen Finanzratgeber geschrieben. „Die Krise liebt Frauen wie dich“ ist vielmehr ein leidenschaftlicher Aufruf an Frauen, ihre finanzielle Zukunft selbstbewusst in die Hand zu nehmen.
Die Autorin beschreibt sehr klar, warum Krisen nicht nur Bedrohung, sondern auch Chance sein können – gerade für Frauen. Sie erklärt verständlich, wie finanzielle Abhängigkeiten entstehen und warum es so wichtig ist, eigene Entscheidungen zu treffen, statt sich auf Partner, Familie oder „irgendwann später“ zu verlassen.
Besonders gefallen hat mir der direkte Ton. Das Buch liest sich fast wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, die Dich immer wieder daran erinnert: Du kannst mehr, als Du denkst. Natürlich geht es auch um Geldanlagen, Altersvorsorge und finanzielle Bildung. Aber im Kern steckt eine Botschaft dahinter: Selbstbestimmung und die betrifft weit mehr als nur das Konto.
Mein Fazit:
Ein motivierendes Buch für Frauen, die ihre Finanzen endlich selbstbewusst angehen wollen, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit viel Energie.
Aurora Tamigio
Der Mädchenname
Ausgezeichnet als Lieblingsbuch der italienischen Buchhändler*innen
Mit ihrem Roman „Der Mädchenname“ erzählt Aurora Tamigio eine große Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen spannt. Im Mittelpunkt stehen Frauen – ihre Lebenswege, ihre Entscheidungen und die Geheimnisse, die sich manchmal über Jahrzehnte in einer Familie festsetzen.
Der Titel spielt mit einer Frage, die viele kennen: Was bedeutet eigentlich ein Name und was erzählt er über Herkunft, Identität und Zugehörigkeit?
Die Autorin schreibt atmosphärisch und feinfühlig. Beim Lesen taucht man tief in das Leben der Figuren ein, mit all ihren Hoffnungen, Enttäuschungen und stillen Kämpfen. Gerade die Frauenfiguren wirken sehr lebendig und vielschichtig.
Was mir besonders gefallen hat: Die Geschichte entfaltet sich langsam, fast wie ein Familienalbum, in dem man Seite für Seite neue Zusammenhänge entdeckt.
Mein Fazit:
Ein ruhiger, intensiver Roman über Familie, Herkunft und die Spuren, die Entscheidungen über Generationen hinweg hinterlassen.
E.T.A. Hoffmann
Lebensansichten des Katers Murr
Roman
Memoiren eines Katers aus dem 19. Jahrhundert
Der Schriftsteller E. T. A. Hoffmann war bekannt für seine Fantasie, aber mit diesem Buch hat er etwas wirklich Besonderes geschaffen. „Lebensansichten des Katers Murr“ ist ein Roman, der schon durch seine Form überrascht. Der selbstgefällige Kater Murr schreibt seine Autobiografie und das mit erstaunlicher Überzeugung von seiner eigenen Genialität. Das Problem: Beim Drucken wurden versehentlich Seiten einer ganz anderen Geschichte dazwischengebunden. So wechseln sich zwei Erzählungen ab: die hochmütigen Selbstbetrachtungen des Katers und die tragische Lebensgeschichte des Kapellmeisters Johannes Kreisler.
Das klingt ungewöhnlich und ist es auch. Aber genau darin liegt der Reiz dieses Klassikers. Hoffmann verbindet Humor, Ironie und eine gute Portion Gesellschaftskritik. Der Kater Murr ist dabei eine herrlich überzeichnete Figur. Selbstverliebt, klug und unfreiwillig komisch.
Mein Fazit:
Ein literarisches Experiment, das auch heute noch überrascht – witzig, klug und absolut einzigartig.
Andrea Weidlich
Das Geheimnis eines fucking guten Lebens
Der Titel klingt provokant und genau so schreibt auch Andrea Weidlich. Direkt, ehrlich und ohne viel Umschweife.
In „Das Geheimnis eines fucking guten Lebens“ geht es nicht um klassische Selbstoptimierung. Keine Listen mit „10 Schritten zum Glück“, kein Motivationsgebrüll. Stattdessen erzählt Weidlich von den ganz normalen Fragen des Lebens: Warum vergleichen wir uns ständig mit anderen? Warum haben wir Angst, nicht zu genügen? Warum ist es manchmal so schwer, einfach zufrieden zu sein?
Das Buch ist eine Mischung aus persönlicher Reflexion, Humor und klugen Beobachtungen über unsere Gesellschaft. Manchmal musste ich beim Lesen schmunzeln, manchmal nicken, weil viele Gedanken erstaunlich vertraut wirken.
Mein Fazit:
Ein unterhaltsames und gleichzeitig nachdenkliches Buch über das Leben, das Glück und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
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