Lebenslust,  Mode und Schönheit

Vintage? Was ich mal im Kleiderschrank hatte

 

Als ich vor 10 Jahren von Krefeld nach Köln gezogen bin, hatte ich wenig Zeit zum Aussortieren. Ich stand vor meinem Schrank und dem geöffneten Bettkasten und mußte ein wenig lachen. Da waren Sie: Die Schlaghose, in der ich mich mit 16 so wohl gefühlt hatte, Die Jacke mit den überdimensionalen Schulter, die in den 80ern der absolute Renner war und in den 90ern ein modischer Fehltritt. Und jetzt? Jetzt nennt man das alles „Vintage“ und verkauft es für viel Geld auf hippen Onlineplattformen. 

 
Was für andere Retro ist, ist für mich einfach Kleidung. Ich habe meine Kleider nie als Schatztruhe gesehen bis ich plötzlich feststellte, dass das, was viele heute als „Vintage“ bezeichnen, für mich einfach ein Teil meines Lebens ist. Diese Klamotten haben Geschichte, sind Erinnerungen und sind viel mehr als nur Stoff. Sie sind Begleiter durch die Jahrzehnte, die mich durch viele Phasen des Lebens getragen haben. Und was heute als Retro gilt, hatte ich einfach immer noch im Schrank und was soll ich sagen? Da war tatsächlich viel Schönes dabei, aber auch einiges Fragwürdiges. Mode ist eben ein Abenteuer, kein TÜV-Protokoll.

 

Alles kommt wieder

Mode kommt zurück und bei mir war sie halt nie weg. Die Modewelt dreht sich in Zyklen. Was früher spießig war, ist heute „clean“. Was früher wild war, ist jetzt „boho-chic“  und ich, ich war einfach schon überall. Ich habe die echten 70er erlebt, mit Glitzer, Plateauschuhen und dem Mut zur Farbe. Heute verkauft Zara Kopien davon, aber meine Originale hatten wenigstens noch Disko-Schweiß und Lebensfreude in den Nähten.

 

Alles muß weg

Ich hätte es großartig gefunden, wenn meine Klamotten wieder raus gedurft hätten. Ich wäre gerne meine eigene Fundgrube gewesen,  nachhaltig, stilvoll, und komplett unverwechselbar. So wie ich. Leider mußten die Sachen weg, weil in der neuen Wohnung der Platz fehlte und zum Verkaufen fehlte die Zeit. Vorteil war, dass Mama Merkel gerade gesagt hatte „wir schaffen das“ und viel Kleidung für Flüchtlinge gebraucht wurde. Dort habe ich die schönen Sachen hingegeben.

 

Die Moral von der Geschicht

Ob man nun 20 ist und im Secondhand-Laden auf Schatzsuche geht oder 70 und den Schatz im eigenen Schrank findet, Vintage bedeutet, dass Stil nie alt wird. Nur besser.

Wenn euch einmal jemand sagt, ihr sollt „was Neues kaufen“, dann antwortet: „Schätzchen, ich hab das Original. Du kaufst die Replik.“

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