Was denkt Frau im neuen Jahr mit über 70 über die Zukunft?
Neues Jahr. Neue Vorsätze. Und ich? Ich sitze da mit über 70, einem Kaffee, der stärker sein muss als meine Knie, und denke:
„Zukunft. Aha“.
Früher war die Zukunft etwas, das man geplant hat.
- Mit Listen.
- Mit Terminkalendern.
- Mit „Wenn ich erst mal … dann …“.
Heute plane ich anders.
Zum Beispiel, wo meine Lesebrille liegt oder ob ich schon gegessen habe und wenn ja, war das Frühstück oder schon wieder Mittag?
- Die Zukunft mit 20: „Ich werde die Welt verändern.“
- Die Zukunft mit 40: „Ich muss funktionieren.“
- Die Zukunft mit 60: „Ich darf jetzt endlich ein bisschen an mich denken.“
- Die Zukunft mit über 70: „Hoffentlich finde ich morgen meine Schuhe wieder. Die bequemen.“
Und trotzdem oder gerade deswegen ist die Zukunft heute entspannt. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Nicht der Gesellschaft, nicht der Familie, nicht einmal mir selbst – na ja, außer vielleicht, dass ich immer noch lachen kann, sogar über mich.
Ich denke über die Zukunft nach und stelle fest: Sie ist kleiner geworden, aber auch ehrlicher.
- Keine Fünfjahrespläne mehr.
- Keine Karriereleitern.
- Kein „Was werden die Leute denken?“
Stattdessen:
-
Werde ich morgen Lust auf Kuchen haben? (Sehr wahrscheinlich.)
-
Werde ich mich über Kleinigkeiten freuen? (Garantiert.)
-
Werde ich mir erlauben, auch mal einen Tag komplett zu vertrödeln? (Unbedingt.)
Die Zukunft mit über 70 riecht nicht nach Erfolg, sie klingt nicht nach To-do-Listen, sondern nach Stille oder nach einem Lied aus der Jugend, bei dem man plötzlich mitsingt, obwohl man dachte, man hätte es längst vergessen. Und ja, manchmal denke ich auch: Wie viele Neujahre kommen noch, aber dann sofort wieder: Dieses hier ist da. Also machen wir was draus. Vielleicht nichts Großes, aber etwas Echtes.
- Ein gutes Gespräch.
- Ein Spaziergang ohne Ziel.
- Ein Lachen, das aus dem Bauch kommt.
- Ein „Ach komm, egal“ mehr als ein „Das gehört sich nicht“.
Die Zukunft ist für mich heute kein Versprechen mehr, sie ist ein Geschenk. Manchmal schlecht verpackt, manchmal mit Beipackzettel, aber immer noch meins und wenn ich ehrlich bin, denke ich im neuen Jahr mit über 70 vor allem eins:
Ich habe keine Ahnung, was kommt.
Aber ich bin neugierig genug, um es herauszufinden.
Und das, finde ich, ist gar keine schlechte Ausgangslage.



Ein Kommentar
Schiff Sonja
Ein ganz wunderbarer Blogbeitrag! Er klingt unaufgeregt, warm, freudig, positiv, entspannt, dankbar, zufrieden. Er klingt nach einem Leben, das ich hoffentlich noch erreiche. Noch bin ich etwas gehetzt, noch habe ich das Gefühl, Lebenszeit zu verplempern, wenn ich einen Tag rumtrödle. Aber gang ehrlich: Ich will lernen, es mir auch zu erlauben! Alles Gute fürs Jahr 2026, liebe Karin!