Lebenslinien,  Zeitzeugen

Rückblick Dezember 2025

Der Dezember hat ein besonderes Verhältnis zur Zeit: Er tut so, als wäre er ein ganz normaler Monat, während er gleichzeitig das komplette Jahr bilanziert, emotional sortiert und mit Lametta dekoriert, obwohl „früher war mehr Lametta“. Zusätzlich setzte er noch ein paar eigene Akzente.

Wenn das Jahr plötzlich Endspurt einlegt

Gefühlt begann der Dezember mit einem kollektiven „Huch, schon Dezember?“ Kaum hatte man sich versehen, waren Kalender voll, Nachrichten übervoll und der Wunsch nach Ruhe ungefähr so realistisch wie ein stressfreier Besuch in der Innenstadt kurz vor Weihnachten. Und doch lag über allem dieses typische Dezember-Gefühl: „Laßt mich bitte noch einmal tief durchatmen, bevor das Jahr die Tür hinter sich zuzieht“.

 

Die Welt im Dezember 2025 – zwischen Drama und Dauer-Update

Während im eigenen Leben der Kaffee schneller kalt wurde als man ihn trinken konnte, blieb die Welt natürlich nicht stehen. Im Gegenteil:

  • Politisch wurde diskutiert, gewählt, verhandelt und vertagt, wie immer mit großem Ernst und mäßigem Ergebnis.
  • Klimathemen schafften es erneut zuverlässig in die Schlagzeilen, begleitet von dem bekannten Dreiklang aus Sorge, Mahnung und dem festen Vorsatz, „ab nächstem Jahr wirklich“ etwas zu ändern.
  • Die digitale Welt produzierte weiterhin in Rekordgeschwindigkeit neue Tools, Trends und Diskussionen darüber, ob künstliche Intelligenz nun alles rettet, alles zerstört oder einfach nur sehr gute Ausreden liefert.
  • Ganz zu Schweigen von Krieg und Frieden mit dem oragenem Irren aus Amerika mittendrin.

Man konnte den Eindruck gewinnen: Die Welt dreht sich immer schneller, während wir innerlich noch versuchen, den November zu verdauen.

 

Zwischen Südafrika, Weihnachtsmärkten und fehlender Weihnachtsstimmung

Ein persönlicher Dezember braucht natürlich auch seine Reiseroute und die war 2025 alles andere als adventlich. Ich kam erst am 1. Advent aus Südafrika zurück, aus Sonne, Weite, Sommerkleidung und einem Lebensgefühl, das mit Zimtsternen ungefähr so viel zu tun hat wie Flip-Flops mit Schneematsch.

Der Kontrast hätte größer kaum sein können. Eben noch Licht, Wärme und ein völlig anderes Zeitgefühl, dann plötzlich Adventskranz, Kalenderblatt und der sanfte gesellschaftliche Hinweis, man möge nun bitte besinnlich werden. Mein inneres System reagierte darauf mit höflicher Verwirrung.

Mitte des Monats folgte dann meine Adventsreise mit einer Freundin. Der Plan war wasserdicht: viele Städte, viele Weihnachtsmärkte, viele Lichter, dazu Glühwein in sämtlichen Geschmacksrichtungen (von „erstaunlich gut“ bis „warum eigentlich?“). Wir haben wirklich nichts ausgelassen, was landläufig als stimmungsvoll gilt und trotzdem kam bei mir keine Weihnachtsstimmung auf. Nicht einmal eine kleine. Kein Kribbeln, kein „Last Christmas“-Flashback, nicht einmal sentimentale Gedanken an früher. Offenbar lässt sich Weihnachtsgefühl weder erfliegen noch ertrinken, auch nicht in Glühwein. Vielleicht ist Weihnachtsstimmung auch ein bisschen überschätzt. Vielleicht darf ein Dezember einfach nur ein Monat sein und vielleicht reicht es manchmal völlig, unterwegs zu sein, gut zu essen, zu lachen und festzustellen:

Auch ohne Lametta ist das Leben ganz ordentlich.

 

Alltag schlägt Weltereignis

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, waren es auch im Dezember 2025 wieder die kleinen Dinge, die hängen geblieben sind:

  • Tage, an denen nichts Besonderes passiert ist (und genau das besonders war),
  • Gespräche, die länger dauerten als geplant,
  • Gedanken, die sich beim Spazierengehen sortierten,
  • und diese eine stille Minute, in der man dachte: So darf es jetzt bleiben.

Der Dezember erinnert zuverlässig daran, dass das eigene Leben selten Schlagzeilen macht, aber deutlich nachhaltiger wirkt.

 

Jahresende mit leichtem Augenrollen

Natürlich gehörte auch 2025 wieder das große Rückblicken dazu: Was war gut, was hätte besser laufen können und warum fühlt sich das Jahr im Januar immer endlos an, im Dezember aber wie ein Kurzfilm auf doppelter Geschwindigkeit?

Zwischen Dankbarkeit und leiser Wehmut tauchte auch Humor auf, oft unfreiwillig. Zum Beispiel bei dem Versuch, alles „noch schnell vor Jahresende“ zu erledigen. Spoiler: Hat nicht geklappt. Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis des Monats.

Dankbarkeit – ganz ohne Glitzerfilter

Trotz aller Weltlage, Nachrichtenflut und innerer To-do-Listen blieb im Dezember 2025 ein Gefühl erstaunlich stabil: Dankbarkeit. Still, unaufdringlich und ohne große Worte.

Dankbar für:

  • Gesundheit an den meisten Tagen,
  • Routinen, die tragen,
  • Menschen, die ich liebe und die bleiben,
  • und für die Möglichkeit, Gedanken aufzuschreiben, auch dann, wenn sie noch nicht ganz sortiert sind.

 

Ein Ausblick mit angezogener Handbremse

Der Dezember 2025 verabschiedete sich ohne laute Vorsätze. Stattdessen mit einer vorsichtigen Zuversicht: Vielleicht muss nicht alles neu werden. Vielleicht reicht es, manches gelassener zu sehen, öfter zu lachen und sich selbst weniger unter Druck zu setzen.

So geht dieser Monat zu Ende – mit einem leisen Lächeln, einem kleinen Augenrollen und der Erkenntnis, dass man nicht alles fühlen muss, nur weil der Kalender es vorsieht. Die Hoffnung bleibt trotzdem, dass das nächste Jahr zumindest genauso menschlich wird wie dieses.

Und Du? War Dein Dezember 2025 eher weltbewegend oder wohltuend unspektakulär?

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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