Lebenslinien

September 2026 – Zwischen Ehrenamt, Geburtstag und kleinen Stolpersteinen

 

Der September, eigentlich der Monat, in dem der Sommer langsam seine Koffer packt, die ersten Blätter anfangen, sich zu verfärben und man sich mental schon ein bisschen auf Herbst, Kerzenlicht und gemütliche Abende einstellt.

Bei mir war davon allerdings nicht allzu viel zu spüren. Mein September war vor allem eines: voll.

Beruflich gab es jede Menge zu tun, und auch bei der Bürgervereinigung Köln-Holweide war wieder ordentlich Bewegung angesagt. Trödelmarkt, Mitgliederversammlung, Vorstandswahlen, Pressearbeit, Website und alles, was eben sonst noch so anfällt, wenn man sich ehrenamtlich engagiert. Langweilig wird es jedenfalls nicht.

 

Holweide hatte wieder einiges zu bieten

Nach dem ereignisreichen August ging es im September direkt weiter. Unser Holweider Trödelmarkt lockte wieder viele Menschen auf den Marktplatz. Ich mag diese Trödelmärkte ja besonders, weil sie so wunderbar unkompliziert sind: Menschen treffen sich, stöbern, handeln, quatschen und gehen manchmal mit Dingen nach Hause, von denen sie morgens noch gar nicht wussten, dass sie sie unbedingt brauchen.

Kurz darauf stand die Mitgliederversammlung der Bürgervereinigung auf dem Programm. Nach unserem 100-jährigen Jubiläum war natürlich auch ein Rückblick auf ein ziemlich ereignisreiches Vereinsjahr angesagt. Dazu kamen Vorstandswahlen, Berichte und natürlich der Blick darauf, was in Holweide noch alles ansteht.

Dann durfte ich mich auch noch als neues Beiratsmitglied vorstellen. Nun muss man wissen: Ich habe normalerweise nicht gerade den Ruf, besonders sprachlos zu sein. Im Gegenteil, eine große Klappe gehört bei mir durchaus zur Grundausstattung. Aber sobald ich vorne stehen und mich offiziell vorstellen soll, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. Ich könnte in solchen Situationen ungefähr tausend Tode sterben. Warum eigentlich? Keine Ahnung. Es ist ja schließlich kein Weltuntergang, seinen Namen zu sagen und ein paar Sätze über sich selbst zu erzählen. Trotzdem fühlt sich mein inneres Ich in solchen Momenten ungefähr so an, als müsste ich spontan eine Doktorarbeit verteidigen.

Aber – ich habe es überlebt und es ist sogar gut gegangen. Vielleicht sollte ich mir für die Zukunft merken: Manchmal ist das Schlimmste an einer Situation einfach die eigene Vorstellung davon.

 

Geburtstag, gute Wünsche und eine kleine Erkältung

Im September wurde natürlich auch mein Geburtstag gefeiert. Ein schöner Anlass, mit lieben Menschen zusammenzusitzen, zu lachen, zu erzählen und das Leben für einen Moment einfach Leben sein zu lassen.

Wobei mein Körper offenbar der Meinung war, dass nach der Feier nun dringend ein kleiner Ausgleich notwendig sei. Prompt bekam ich meine erste Erkältung des Jahres. Danke auch dafür. Bis dahin hatte ich mich tatsächlich ziemlich gut durch das Jahr gerettet – keine nennenswerte Erkältung, trotz allem Trubel. Kaum ist Geburtstag gefeiert, meldet sich die erste Schnupfnase des Jahres. Manchmal hat das Leben eben einen etwas eigenwilligen Sinn für Timing.

 

Dann kam der letzte Tag …

Der September hatte allerdings nicht nur schöne Momente. Am letzten Tag des Monats musste ich mich noch mit etwas beschäftigen, das mir persönlich ziemlich nahegegangen ist. Ich hatte erfahren, dass Gespräche, die an meinem Geburtstagstisch geführt worden waren – Gespräche, an denen ich weder beteiligt war noch von deren Weitergabe ich wusste – weitergetragen worden waren. Das hat mich sehr enttäuscht.

Ja, ich habe darauf ziemlich emotional reagiert. Vielleicht auch lauter, als es gut gewesen wäre. Dafür habe ich mich entschuldigt. Nicht dafür, dass mich die Sache verletzt hat, sondern für die Art und Weise, wie meine Enttäuschung in diesem Moment herausgekommen ist. Manchmal merkt man erst in einem solchen Moment, dass man in Menschen und Beziehungen etwas anderes gesehen hat, als tatsächlich vorhanden war und das tut weh. Gerade wenn man nach vielen Jahren geglaubt hat, eine Freundschaft sei gewachsen und man könne sich aufeinander verlassen.

Vielleicht ist das eine der weniger angenehmen Lektionen des Lebens: Nicht jede Beziehung hat für beide Menschen dieselbe Bedeutung. Das zu akzeptieren, ist nicht immer einfach. Aber auch das gehört zu einem Monat und zu einem Leben dazu. Es gibt eben nicht nur schöne Geschichten, Geburtstagskuchen und erfolgreiche Veranstaltungen. Manchmal gibt es auch Enttäuschungen, die einen erst einmal beschäftigen.

 

Und was war sonst noch los?

Während bei mir also beruflich und privat ziemlich viel los war, drehte sich auch außerhalb meiner kleinen Welt die Nachrichtenlage weiter.

Der Krieg in der Ukraine blieb auch im September ein zentrales Thema. Die Vereinten Nationen befassten sich erneut mit der Situation, und im Rahmen der UN-Generalversammlung wurde über den Krieg, die humanitären Folgen und Wege zu Frieden gesprochen.

Auch der Konflikt im Nahen Osten beschäftigte die internationale Politik weiter. Bei der UN-Generalversammlung ging es unter anderem erneut um die Situation in Israel und den palästinensischen Gebieten und um die Perspektiven für eine politische Lösung.

In Deutschland ging es unter anderem um die hohen Energie- und Spritpreise. Die Bundesregierung und die Länder beschlossen im September ein neues Entlastungspaket. Ab Oktober sollte die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend gesenkt werden – inklusive Mehrwertsteuer ergibt sich daraus eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter.

Auch politisch war der September ein Wahlmonat: In Deutschland fanden unter anderem die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die Kommunalwahlen in Niedersachsen sowie die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern statt. Leider ging es dabei sowohl in die extreme rechte, als auch linke Richtung.

Dann war da noch das Wetter. Der September wollte offenbar noch nicht so richtig Herbst sein. Im Südwesten Deutschlands war der Monat außergewöhnlich warm, trocken und sonnig; regional wurden sogar neue Temperaturrekorde gemessen. Auch in Köln war es ungewohnt warm für die Jahreszeit.

Also wieder einmal: Sommer, Herbst oder irgendwas dazwischen?

 

Abschied von einigen bekannten Persönlichkeiten

Auch im September mussten wir uns von Menschen verabschieden, die auf ganz unterschiedlichen Gebieten Spuren hinterlassen haben.

Zu den bekannten Verstorbenen gehörten unter anderem die US-amerikanische Journalistin und Frauenrechtlerin Gloria Steinem, die französische Sängerin und Schauspielerin Catherine Ringer, der Kostüm- und Modedesigner Bob Mackie sowie der deutsche Schauspieler Michael Mendl.

Immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen, deren Namen man seit Jahrzehnten kennt, irgendwann plötzlich nur noch in der Vergangenheitsform vorkommen.

 

Mein September in einem Satz?

Viel Arbeit, viel Ehrenamt, ein bisschen Lampenfieber, ein Geburtstag, eine Erkältung und am Ende noch eine ziemlich große Portion Enttäuschung.

Also eigentlich ein ganz normaler Monat, denn genau das ist das Leben doch: Es besteht selten nur aus den großen, schönen Momenten. Es sind die vielen kleinen Dinge dazwischen, die einen Monat ausmachen. Ein gelungener Trödelmarkt, eine Mitgliederversammlung, ein bisschen Herzklopfen vor einer kurzen Vorstellung, ein Geburtstag mit lieben Menschen, eine laufende Nase zur völlig falschen Zeit und manchmal eben auch die Erkenntnis, dass man Menschen oder Beziehungen neu sortieren muss.

Ich gehe jedenfalls mit einem ziemlich vollen September im Gepäck in den Oktober und vielleicht wird es ja jetzt tatsächlich etwas ruhiger.

Wobei …, wenn ich das schreibe, weiß ich eigentlich schon, dass ich mir damit selbst etwas vormache. 😉

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