Meine Buchtipps für den Februar 2026
Draußen schneit es, nein es regnet und jetzt schneit es wieder. Wir haben endlich einmal wieder richtig Winter. Das kennen wir fast nicht mehr. Was gibt es schöners, als in eine Decke gekuschelt, bei einem Heißgetränk, ein gutes Buch zu lesen.
Ich habe das schon im Januar ausgiebig praktiziert und möchte euch die gelesenen Bücher vorstellen. Viel Spaß beim Lesen!
Yvonne Zitzmann
Die geteilte Schuld
In „Die geteilte Schuld“ setzt sich Yvonne Zitzmann mit den Folgen einer Schuld auseinander, die nicht eindeutig einer einzelnen Person zuzuordnen ist. Die Geschichte zeigt, wie Verstrickungen, Schweigen und Entscheidungen aus der Vergangenheit das Leben mehrerer Menschen prägen, oft über lange Zeit hinweg. Dabei geht es weniger um Schuld im juristischen Sinn als um moralische Verantwortung und die Frage, wie man mit ihr leben kann.
Meine Beurteilung ****
Die geteilte Schuld ist ein stilles, eindringliches Buch, das lange nachwirkt. Ohne große Dramatik, aber mit viel Feingefühl zeigt Yvonne Zitzmann, wie komplex Schuld sein kann und wie schwer es ist, ihr zu entkommen. Der klare, zurückhaltende Stil lässt viel Raum zum Nachdenken und macht die Geschichte umso eindrucksvoller.
Das Buch für Leserinnen und Leser, die sich auf Zwischentöne einlassen wollen und keine einfachen Antworten erwarten. Für mich ist es ein stilles, ernstes und wichtiges Buch – eines, das man nicht so schnell vergisst und über das man noch lange nach dem Zuklappen nachdenkt.
Ernst-Johann Reinhardt
Waren Sie nicht mal Lilo Wanders?
Die Autobiografie zum 70. Geburtstag von Deutschlands bekanntester Aufklärerin
Reinhardt, bekannt geworden als die legendäre Lilo Wanders, nimmt uns mit auf seine Reise vom schüchternen Jungen in der Lüneburger Heide über die Selbstfindung in den schwulen Subkulturen der 70er Jahre bis hin zur Erschaffung seiner Kultfigur Lilo Wanders der TV‑Moderatorin aus Wa(h)re Liebe. Dabei erzählt er von den Höhen und Tiefen seines Lebens: von der Suche nach seiner sexuellen Identität, dem Durchbruch auf der Bühne, persönlichen Zweifeln, familiären Herausforderungen und dem oft schmalen Grat zwischen der öffentlichen Ikone und dem privaten Menschen dahinter. Die Erzählung ist durchzogen von ehrlichen, teils witzigen, teils nachdenklichen Momenten, ganz im Stil des Autors selbst.
Meine Beurteilung *****
Was mich an diesem Buch besonders angesprochen hat, ist Reinhardts ehrliche und offenherzige Stimme. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt aber stets Tiefe und Menschlichkeit durchscheinen. Die Kapitel wirken, als würde man bei einem Gespräch mit einem alten Freund zuhören, mal charmant, mal direkt, immer authentisch. Besonders gefallen hat mir, wie Reinhardt die Figur Lilo Wanders entmystifiziert: Sie ist nicht nur eine Kunstfigur, sondern ein Teil seiner selbst, der ihm geholfen hat, dem Leben eine Form zu geben.
Das Buch glänzt als persönliches Zeit‑ und Lebensdokument, das mit warmem Humor und echter Verletzlichkeit erzählt wird. Die beiliegenden Fotos im farbigen Bildteil verleihen der Biografie zusätzlichen Charme und machen sie zu einem lebendigen Erinnerungsstück.
Ein inspirierender, unterhaltsamer und nachdenklicher Rückblick auf ein Leben zwischen Bühne, Tabubruch und persönlicher Wahrheit. Wer sich für Selbstentdeckung, queere Lebenswege oder deutsche Kultfiguren interessiert, wird hier eine bewegende und lesenswerte Biografie finden.
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