Der Sommer macht Pause – Zeit zu lesen
Der Sommer macht gerade mal Pause und ehrlich gesagt: Ich finde, das ist gar nicht so schlecht. Ein bisschen weniger Hitze, ein bisschen mehr Zeit für einen Kaffee auf dem Sofa und natürlich für ein gutes Buch.
Denn Lesen gehört für mich einfach zum Sommer dazu. Wobei „Sommer“ natürlich nicht unbedingt bedeutet, dass die Sonne scheint und man am liebsten nur draußen sitzen möchte. Manchmal ist gerade ein grauer oder etwas kühlerer Tag perfekt, um sich mit einem Buch zurückzuziehen. Wenn die Geschichte dann auch noch so spannend ist, dass man eigentlich gar nicht mehr aufhören möchte, ist das Wetter sowieso Nebensache.
Dieses Mal habe ich drei Bücher gelesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Bei Axel Petermann geht es um die Psyche des Bösen und die Frage, was Menschen zu Tätern macht. Robert Gold schickt uns auf die Suche nach einer verschwundenen Frau und sorgt dafür, dass man immer wieder seine eigenen Vermutungen infrage stellt. Und Peter Probst erzählt in „Am helllichten Tag“ eine Geschichte, die zeigt, dass das Böse keineswegs immer im Verborgenen lauert.
Drei Bücher, drei ganz unterschiedliche Geschichten – aber alle drei haben eines gemeinsam: Sie haben mich beschäftigt und genau das wünsche ich mir von einem guten Buch.
Also: Kaffee einschenken, Lieblingsplatz suchen und loslesen.
Axel Petermann
Die Psyche des Bösen
Wenn das Böse ein Gesicht bekommt
Axel Petermann ist für mich einer dieser Autoren, bei denen man schon vorher weiß: Das wird keine leichte Lektüre. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, greife ich immer wieder zu seinen Büchern.
In „Die Psyche des Bösen“ geht es nicht einfach nur um Verbrechen. Viel spannender finde ich die Frage, warum Menschen zu Tätern werden. Was passiert in einem Menschen, bevor er eine schreckliche Tat begeht? Gibt es bestimmte Muster? Welche Rolle spielen Persönlichkeit, Vergangenheit und Umfeld? Kann man wirklich verstehen, was in einem Täter vorgeht?
Petermann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der kriminalistischen Fallanalyse und lässt den Leser an dieser besonderen Perspektive teilhaben. Das macht das Buch für mich so interessant. Es geht nicht nur darum, herauszufinden, wer etwas getan hat, es geht vor allem um das Warum. Genau das kann manchmal ziemlich beklemmend sein.
Beim Lesen ertappt man sich schnell bei dem Gedanken: Wie kann ein Mensch so etwas tun? Gleichzeitig zeigt das Buch, dass die Realität eben nicht immer in „gut“ und „böse“ eingeteilt werden kann. Die Psyche des Menschen ist kompliziert und manchmal erschreckend.
Ich mag Bücher, die nach dem Lesen noch ein bisschen im Kopf bleiben. Dieses gehört definitiv dazu. Es ist keine klassische Krimi-Unterhaltung, die man liest und anschließend zur Seite legt. Vielmehr bekommt man Einblicke in die Arbeit eines Fallanalytikers und in die Abgründe menschlichen Verhaltens.
Wer sich für True Crime, Psychologie und die Frage interessiert, was hinter schweren Verbrechen steckt, ist hier meiner Meinung nach richtig.
Mein Fazit: Ein spannendes und durchaus beklemmendes Buch für alle, die nicht nur wissen wollen, was passiert ist, sondern verstehen möchten, warum Menschen Böses tun.
Robert Gold
Niemand wird sie finden
Ein Verschwinden, viele Fragen und jede Menge Spannung
Es gibt Bücher, bei denen man nach den ersten Seiten denkt: „Na, das wird interessant.“ Dann gibt es Bücher, bei denen man plötzlich merkt, dass man schon viel weiter gelesen hat als eigentlich geplant. „Niemand wird sie finden“ von Robert Gold gehört für mich eher zur zweiten Kategorie.
Im Mittelpunkt steht das Verschwinden einer Frau und natürlich möchte man wissen, was passiert ist. Aber je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr merkt man: So einfach ist die Sache nicht. Es gibt Fragen, Ungereimtheiten und immer wieder neue Wendungen.
Was mir besonders gefallen hat, ist dieses Gefühl, beim Lesen selbst miträtseln zu können. Man glaubt, eine Spur gefunden zu haben, denkt, man weiß, wohin die Geschichte führt und dann kommt wieder etwas dazwischen. Genau diese Art von Spannung mag ich.
Robert Gold erzählt dabei so, dass man immer wieder weiterlesen möchte. Nicht unbedingt, weil ständig etwas Spektakuläres passiert, sondern weil man Antworten haben will. Was ist wirklich geschehen, wem kann man glauben und wird sie tatsächlich gefunden?
Der Titel „Niemand wird sie finden“ bekommt beim Lesen natürlich eine ganz besondere Bedeutung und irgendwann fragt man sich unweigerlich, ob man den Figuren und ihren Aussagen wirklich trauen kann.
Für mich ist das ein klassischer „nur noch ein Kapitel“-Thriller. Wir wissen alle, was dieser Satz bedeutet: Aus einem Kapitel werden zwei, dann drei und plötzlich ist es viel später, als man eigentlich vorhatte.
Mein Fazit: Ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen und genau der richtigen Portion Rätsel, um mich bei der Stange zu halten. Wer gerne miträtselt und sich von falschen Fährten auf die Probe stellen lässt, dürfte mit diesem Buch seine Freude haben.
Peter Probst
Am helllichten Tag
Wenn das Böse nicht im Dunkeln bleibt
Der Titel „Am helllichten Tag“ klingt zunächst fast widersprüchlich. Schließlich verbinden wir Verbrechen und Gefahr oft mit Dunkelheit, abgelegenen Orten und der Nacht. Peter Probst zeigt in seinem Buch jedoch, dass man manchmal gar nicht im Dunkeln sein muss, damit etwas Unheimliches passiert.
„Am helllichten Tag“ ist für mich ein Buch, das vor allem durch seine Atmosphäre wirkt. Es geht nicht nur darum, was passiert, sondern auch um die Menschen, die darin verwickelt sind, ihre Beziehungen und die Frage, wie schnell sich ein scheinbar normales Leben verändern kann. Was ich an solchen Geschichten besonders mag: Sie fühlen sich manchmal erschreckend nah an der Realität an. Denn das wirklich Beunruhigende ist ja nicht unbedingt das spektakuläre Verbrechen. Es ist der Gedanke, dass das Unfassbare mitten unter uns passieren kann, während ringsherum das ganz normale Leben weitergeht.
Peter Probst erzählt seine Geschichte spannend und ohne dass ich das Gefühl hatte, dass einfach nur möglichst viele Schockmomente aneinandergereiht werden. Vielmehr entwickelt sich die Geschichte und zieht einen immer weiter hinein. „Am helllichten Tag“ ist deshalb für mich kein Buch, das man nur wegen eines spannenden Plots liest. Es sind auch die menschlichen Abgründe und die Frage nach Schuld, Verantwortung und den Folgen einer Tat, die hängen bleiben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir der Titel so gut gefällt: Das Böse braucht eben keine Dunkelheit.
Mein Fazit: Ein spannender und gleichzeitig nachdenklich stimmender Roman, der zeigt, dass Verbrechen und menschliche Abgründe manchmal näher sind, als uns lieb ist. Ein Buch für alle, die bei einem Kriminalroman nicht nur Spannung, sondern auch eine Geschichte mit menschlicher Tiefe suchen.
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