Johannesburg – Die Stadt, der man unbedingt eine Chance geben sollte
Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Johannesburg mag, bekomme ich oft einen überraschten Blick. Für viele ist die Stadt lediglich der Ort, an dem man am Flughafen landet, den Mietwagen übernimmt und möglichst schnell Richtung Kruger Nationalpark oder Panorama Route aufbricht.
Ich finde das unglaublich schade.
Johannesburg hat so viel mehr zu bieten als seinen Flughafen. Die Stadt ist jung, lebendig, kreativ und voller Gegensätze. Sie ist vielleicht keine Schönheit auf den ersten Blick, aber genau das macht ihren Reiz aus. Man muss sich ein wenig auf sie einlassen. Tut man das, entdeckt man ein Südafrika, das viele Urlauber nie kennenlernen.
Seit meiner ersten Reise nach Südafrika zieht es mich immer wieder hierher. Nicht zuletzt deshalb, weil ein Teil meiner Familie im Stadtteil Rosebank lebt. Dadurch habe ich Johannesburg nicht als Touristin kennengelernt, sondern ein kleines bisschen so, wie die Menschen dort ihren Alltag erleben und genau das macht für mich den Unterschied.
Geschichte, die unter die Haut geht
Johannesburg erzählt die Geschichte Südafrikas wie kaum eine andere Stadt. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts während des Goldrausches und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zum wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Doch sie erzählt auch von den dunklen Kapiteln der Apartheid und vom langen Weg in die Demokratie.
Ein Besuch im Apartheid Museum gehört deshalb zu den eindrucksvollsten Erfahrungen, die man in Südafrika machen kann. Die Ausstellung ist bewegend, manchmal bedrückend und trotzdem unglaublich wichtig. Wer verstehen möchte, warum Südafrika heute so ist, wie es ist, sollte sich dieses Museum nicht entgehen lassen.
Ebenso beeindruckend ist ein Ausflug nach Soweto. Dort befindet sich die berühmte Vilakazi Street – die einzige Straße der Welt, in der mit Nelson Mandela und Desmond Tutu zwei Friedensnobelpreisträger gelebt haben. Allein dieser Gedanke sorgt für Gänsehaut.
Rosebank – Mein kleines Zuhause in Johannesburg
Dieser Stadtteil hat eine ganz besondere Atmosphäre. Moderne Bürogebäude treffen auf gemütliche Cafés, kleine Restaurants und schattige Straßen. Hier spielt sich das Leben draußen ab. Menschen treffen sich auf einen Kaffee, Familien gehen gemeinsam essen und überall spürt man diese entspannte südafrikanische Gelassenheit.
Besonders gerne schlendere ich durch die Rosebank Mall. Natürlich gibt es dort bekannte internationale Marken. Viel spannender finde ich aber die kleinen Geschäfte mit Mode junger afrikanischer Designer. Die Kleidung ist oft außergewöhnlich, farbenfroh und kreativ und vieles davon ist deutlich günstiger, als man in Europa erwarten würde. Wenn ich ein besonderes Souvenir suche, werde ich meistens hier fündig.
Johannesburg schmeckt
Eine meiner größten Überraschungen war das Essen. Da Johannesburg längst nicht so touristisch ist wie Kapstadt, leben viele Restaurants von ihren Stammgästen. Das merkt man. Qualität und Service sind hervorragend und die Preise oft erstaunlich fair.
Ob ein typisch südafrikanisches Braai, ein gemütliches Frühstück in einem Straßencafé oder moderne internationale Küche, in Johannesburg gibt es einige Restaurants zu entdecken, in die ich jederzeit wieder zurückkehren würde.
Kunst, Kultur und jede Menge Kreativität
Johannesburg verändert sich ständig.
Besonders faszinierend finde ich die kreative Szene. Überall entstehen neue Galerien, kleine Ateliers und außergewöhnliche Cafés. Im Maboneng Precinct zeigen junge Künstler ihre Werke, Designer eröffnen kleine Boutiquen und auf den Wochenendmärkten kann man wunderbar stöbern.
Hier erlebt man das moderne Afrika – jung, selbstbewusst und unglaublich kreativ.
Ist Johannesburg wirklich so gefährlich?
Das ist wahrscheinlich die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird.
Ja, Johannesburg hat Probleme, wie viele Millionenstädte auf der Welt. Deshalb sollte man aufmerksam sein, nachts nicht allein durch unbekannte Viertel laufen und sich vorher informieren, welche Stadtteile man besucht.
Aber Hand aufs Herz: Genau das mache ich auch in vielen anderen Großstädten. Ich laufe schließlich auch in Köln nicht nachts allein durch jede Straße.
Mit gesundem Menschenverstand, etwas Vorbereitung und den üblichen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich Johannesburg sehr gut entdecken. Ich habe mich dort nie unsicherer gefühlt als in anderen Großstädten.
Warum ich immer wieder zurückkomme
Johannesburg ist keine Stadt, die jeden sofort begeistert. Sie drängt sich nicht auf. Sie will entdeckt werden. Vielleicht ist genau das ihr größter Zauber.
Wer sich die Zeit nimmt, hinter die Hochhäuser und den dichten Verkehr zu schauen, entdeckt eine offene, herzliche und unglaublich spannende Metropole. Eine Stadt voller Geschichte, Kreativität und Lebensfreude. Deshalb wünsche ich mir, dass mehr Südafrika-Reisende Johannesburg nicht nur als Zwischenstopp betrachten.
Plant ein oder zwei Tage mehr ein. Geht durch Rosebank spazieren, besucht das Apartheid Museum, unternehmt eine Tour durch Soweto, entdeckt die Kunstszene, genießt das fantastische Essen und lasst euch auf diese besondere Stadt ein.
Ich bin ziemlich sicher, dass Johannesburg euch überraschen wird.
Wissenswertes über Johannesburg
Hauptstadt der Provinz Gauteng
Johannesburg ist die größte Stadt Südafrikas und das wirtschaftliche Zentrum des Landes.
Einwohner
Im Großraum leben rund 6 Millionen Menschen.
Höhe
Die Stadt liegt auf etwa 1.750 Metern über dem Meeresspiegel. Dadurch sind die Sommer zwar warm, aber meist angenehm trocken.
Das solltet Ihr nicht verpassen
- Apartheid Museum
- Soweto und die Vilakazi Street
- Nelson Mandela House
- Constitution Hill
- Maboneng Precinct
- Rosebank
- Neighbourgoods Market
- Johannesburg Botanical Gardens
- und so vieles mehr. Ich empfehle eine Tour mit dem HopOn- HopOff Bus
Beste Reisezeit
März bis Mai sowie September bis November. Dann ist das Wetter meist angenehm warm und sonnig.
Mein persönlicher Tipp
Gebt Johannesburg mindestens zwei Übernachtungen. Die Stadt belohnt alle, die ihr mit Neugier statt mit Vorurteilen begegnen.
Das könnte dich ebenfalls interessieren
Von anderen Zeiten träumen
26. August 2020
Kreativ statt perfekt – neue Hobbys entdecken
8. Februar 2026