Rückblick Juli 2026 – viel zu heiß, viel zu viel und zwischendrin einfach das Leben
Der Juli ist vorbei und wenn ich ihn mit einem Satz beschreiben müsste, dann wäre es wohl: viel zu warm, viel zu viel und irgendwie trotzdem viel zu schnell vorbei.
Eigentlich mag ich den Sommer. Ich mag lange Abende, draußen sitzen, ein Glas Wein auf der Terrasse und dieses Gefühl, dass der Tag einfach ein bisschen länger dauert. Aber dieser Juli hat mir das Sommergefühl doch ziemlich gründlich verdorben.
Es war einfach zu heiß.
Das nicht nur bei mir im Kopf. Der Sommer 2026 zeigt sich in weiten Teilen Europas tatsächlich mit außergewöhnlicher Hitze und Trockenheit. Inzwischen ist klar: Juni und Juli zusammen waren in Westeuropa die heißeste Zweimonatsperiode seit Beginn der Aufzeichnungen. Die anhaltende Trockenheit hat vielerorts die Waldbrandgefahr verschärft, Flüsse führten extrem wenig Wasser und Landwirtschaft und Natur kamen zunehmend an ihre Grenzen.
Während also irgendwo in Europa Wälder brannten und Menschen vor der Hitze flüchteten, saß ich im Rheinland und dachte eigentlich nur noch: Wann wird es endlich wieder normal?
Holweide trödelt – und der Getränkestand schwimmt nicht davon
Mein persönliches Juli-Highlight war natürlich wieder einmal Holweide trödelt. Diesmal stand ich am Getränkestand. Eine Aufgabe, die bei angenehmen 22 Grad wahrscheinlich einfach nur nett gewesen wäre. Bei diesen Temperaturen allerdings bekam der Begriff „Getränkestand“ eine ganz neue Bedeutung. Getränke waren jedenfalls gefragt.
Am Vormittag war noch richtig was los. Menschen kamen, stöberten, handelten, quatschten und gönnten sich zwischendurch etwas Kühles. Spätestens ab Mittag merkte man sehr deutlich, dass die Sonne gewonnen hatte. Die Menschen wurden weniger und wer wollte es ihnen verdenken?
Bei Temperaturen, bei denen selbst der Schatten irgendwann nach Urlaub schreit, macht Trödeln einfach nicht mehr ganz so viel Spaß. Trotzdem: Solche Tage gehören für mich irgendwie zu meinem Stadtteil dazu. Menschen treffen, miteinander reden, gemeinsam etwas auf die Beine stellen und mittendrin eben auch mal bei 36 Grad am Getränkestand stehen.
Hollwigg zesamme – Gemeinschaft leben
Das funktioniert übrigens auch bei Hitze.
Urlaubsvertretung statt Urlaub
Während andere im Juli vielleicht ihre Koffer gepackt haben, habe ich beruflich die Urlaubsvertretung übernommen.
Urlaubsvertretung, das klingt zunächst irgendwie nach: „Na ja, ein bisschen mehr Arbeit, dann ist das auch geschafft.“
In der Realität bedeutet es allerdings vor allem: Es ist noch wärmer, wenn man mehr zu tun hat und wenn draußen Temperaturen herrschen, bei denen man eigentlich nur noch einen Schattenplatz und ein kaltes Getränk sucht, ist zusätzliche Arbeit nicht unbedingt das, was man sich unter einem perfekten Sommer vorstellt.
Aber auch das gehört zum Leben. Man kann schließlich nicht immer nur das tun, worauf man gerade Lust hat.
Dann gibt es diese Dinge, über die man nicht einfach hinweg schreiben kann
So sehr ich mich über Hitze, Arbeit und einen leerer werdenden Trödelmarktstand ärgern kann, der Juli hatte auch seine schweren Seiten, denn zwei Menschen sind in meinem Bekanntenkreis gestorben. Das sind die Momente, in denen sich die eigenen kleinen Alltagssorgen plötzlich ziemlich unwichtig anfühlen. Man denkt über das Leben nach. Darüber, wie schnell sich Dinge verändern können, darüber, dass wir uns über Kleinigkeiten aufregen, Pläne machen, uns über das Wetter beschweren und dabei manchmal vergessen, wie kostbar das ganz normale Leben eigentlich ist.
Dann war da noch meine Freundin, die operiert werden musste. Wieder so ein Moment, in dem man merkt, dass Gesundheit eben keine Selbstverständlichkeit ist. Man kann nicht viel tun, außer da zu sein, nachzufragen, Mut zu machen und zu hoffen, dass alles gut geht. Vielleicht ist genau das Freundschaft: Nicht immer die richtigen Worte zu finden, sondern einfach nicht weg zu sein.
Die Welt da draußen
Während mein Juli aus Arbeit, meinem Veedel, Sorgen und viel zu viel Hitze bestand, lief die Welt natürlich weiter.Ehrlich gesagt: Die Nachrichten machten es nicht unbedingt leichter. Kriege und politische Konflikte bestimmten weiterhin die Schlagzeilen. Gleichzeitig wurde immer deutlicher, wie sehr Wetterextreme inzwischen unseren Alltag beeinflussen. Hitze und Trockenheit waren nicht mehr nur ein Thema für Meteorologen oder Umweltorganisationen. Sie waren überall. Die Folgen waren teilweise dramatisch: Waldbrände in Europa, niedrige Wasserstände großer Flüsse und Probleme für Landwirtschaft und Energieversorgung. Gleichzeitig stiegen im Juli weltweit die Lebensmittelpreise auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren – beeinflusst unter anderem durch Wetterextreme und geopolitische Konflikte.
Das macht nachdenklich!
Denn während wir hier über einen heißen Tag jammern, bedeutet Hitze und Trockenheit für andere Menschen vielleicht eine schlechte Ernte, fehlendes Wasser oder sogar die Flucht vor einem Feuer. Irgendwo dazwischen sitzt man selbst mit seinem kalten Getränk und denkt: „Was für ein verrückter Sommer.“
Vielleicht sollten wir wieder mehr das Kleine sehen
Der Juli hat mir einmal mehr gezeigt, dass das Leben aus sehr unterschiedlichen Dingen besteht. Aus einem Getränkestand bei 36 Grad. Aus einem Arbeitstag, an dem man sich nach Urlaub sehnt. Aus einem Trödelmarkt, der morgens brummt und mittags wegen der Hitze langsam leerer wird. Aus Nachrichten, die einen manchmal sprachlos machen. Aus Abschied. Aus Sorge um Menschen, die einem wichtig sind. Aber eben auch aus Lachen, Begegnungen, kleinen Gesprächen und diesen ganz normalen Momenten, die man meistens erst später zu schätzen weiß.
Vielleicht ist das überhaupt das Schönste am Älterwerden: Man weiß inzwischen, dass nicht jeder Monat spektakulär sein muss. Manchmal reicht es, wenn man ihn lebt und wenn ich meinen Juli 2026 so betrachte, dann war er genau das: heiß, anstrengend, traurig, manchmal schön – und ziemlich echt.
Jetzt darf der August gerne ein bisschen freundlicher werden. Vielleicht mit weniger Hitze. Ein bisschen Regen wäre auch nicht schlecht. Ansonsten nehme ich das Leben, wie es kommt. Aber bitte mit einem kalten Getränk daneben.
Auf den August!


