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Dann zieh ich eben zu Oma und Opa – Wenn die Großeltern plötzlich die Besten sind

 

Na prima. Koffer packen, Zahnbürste einstecken und ab geht’s. Schließlich gibt es bei Oma vermutlich Schokolade zum Frühstück, Fernsehen bis zum Umfallen und niemand fragt dreimal, ob man sich jetzt endlich die Schuhe anziehen möchte.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Aber genau diesen besonderen Zauber zwischen Großeltern und Enkeln nimmt Jan-Uwe Rogge in seinem neuen Buch „Dann zieh ich eben zu Oma und Opa! Warum Kinder ihre Großeltern brauchen“ unter die Lupe. Ich muss sagen: Schon der Titel hat mich neugierig gemacht.

 

Oma und Opa – die etwas andere Abteilung der Familie

Der Autor beschreibt Großeltern als eine ganz besondere Art von Bezugsperson. Sie haben Zeit, Lebenserfahrung und, ganz wichtig, meistens nicht mehr die komplette Verantwortung am Hals. Das kann einiges verändern. Während Mama und Papa vielleicht gerade zum hundertsten Mal erklären, warum man vor dem Schlafengehen keine drei Folgen der Lieblingsserie mehr schauen darf, sitzt Oma daneben und denkt sich vielleicht: „Ach komm, eine Folge geht noch.“ Genau darin liegt laut Rogge nicht unbedingt ein Problem.

Großeltern müssen nicht genauso erziehen wie die Eltern. Sie dürfen anders sein. Gelassener, großzügiger, manchmal auch ein bisschen anarchisch. Kinder können durchaus damit umgehen, dass bei Oma andere Regeln gelten als zu Hause. Seien wir ehrlich: Ein bisschen verwöhnt werden gehört doch irgendwie zum Großelternsein dazu.

 

Aber bitte ohne Erziehungskrieg

Natürlich gibt es auch die andere Seite. Wenn Oma und Opa ständig erklären, dass früher alles besser war, Mama und Papa eigentlich keine Ahnung haben und das Kind bei ihnen sowieso viel mehr darf, wird es schwierig. Der Autor beschäftigt sich deshalb auch mit der Frage, wo die Grenze zwischen liebevoller Unterstützung und Einmischung liegt.

Sein Ansatz gefällt mir dabei ausgesprochen gut: Es geht nicht darum, dass alle Erwachsenen immer an einem Strang ziehen müssen. Viel wichtiger ist, dass klar ist, wer gerade die Verantwortung trägt. Vielleicht sollten Eltern einfach manchmal tief durchatmen, wenn das Kind bei Oma ein Eis bekommt, obwohl zu Hause gerade Zuckerentzug angesagt ist. Denn Oma ist eben nicht die Konkurrenz zu Mama und Papa. Oma ist Oma und Opa ist Opa. Das ist eine eigene Beziehung – und genau das macht sie so wertvoll.

 

Ein Buch mit viel Herz und einem Augenzwinkern

Was mir an Rogges Buch besonders gefällt, ist der Ton. Es ist kein trockenes Erziehungsbuch, das einem auf 150 Seiten erklärt, wie man eine perfekte Familie organisiert. Im Gegenteil: Rogge arbeitet mit persönlichen Geschichten, Alltagssituationen und viel Humor. Dabei wird durchaus ernsthaft über die Rolle von Großeltern, Generationenkonflikte, Grenzen und die Beziehung zwischen Eltern und Großeltern gesprochen. Aber eben so, dass man sich beim Lesen immer wieder selbst ertappt.

Vielleicht denkt man an die eigenen Eltern zurück, vielleicht an die eigenen Kinder oder – noch schlimmer – man erkennt sich plötzlich selbst in einer Situation wieder, über die man früher bei den eigenen Eltern den Kopf geschüttelt hat. Das Leben hat da ja einen ganz eigenen Humor.

 

Meine kleine Rezension

„Dann zieh ich eben zu Oma und Opa!“ ist ein warmherziges, unterhaltsames und gleichzeitig ziemlich kluges Buch.

Jan-Uwe Rogge schafft es, ein Thema, das in Familien durchaus für Zündstoff sorgen kann, angenehm leicht zu betrachten. Er stellt die Großeltern nicht auf ein Podest und die Eltern auch nicht an den Pranger. Stattdessen zeigt er, warum Kinder diese unterschiedlichen Beziehungen brauchen und warum Großeltern für Kinder so wichtig sein können.

Mir gefällt besonders der Gedanke, dass Großeltern ihren Enkeln etwas geben können, das im hektischen Familienalltag manchmal verloren geht: Zeit, Gelassenheit, Aufmerksamkeit und das Gefühl, einfach willkommen zu sein. Das Buch ist deshalb nicht nur etwas für Oma und Opa. Auch Eltern können daraus einiges mitnehmen – vielleicht sogar die Erkenntnis, dass man nicht jede Kleinigkeit kontrollieren muss.

Vielleicht ist „Dann zieh ich eben zu Oma und Opa!“ manchmal gar keine Drohung. Vielleicht ist es einfach ein ziemlich großes Kompliment.

Meine Empfehlung: ⭐⭐⭐⭐½

Für wen? Für Großeltern, werdende Großeltern, Eltern – und eigentlich für jeden, der verstehen möchte, warum die Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern so besonders sein kann.

Mein Fazit:
Ein sympathischer Ratgeber ohne erhobenen Zeigefinger, mit viel Humor, lebensnahen Geschichten und einigen Denkanstößen. Kein Buch, das einem vorschreibt, wie Familie funktionieren muss. Eher eines, das daran erinnert, dass Familie manchmal gerade dann gut funktioniert, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Wenn am Ende jemand sagt: „Dann zieh ich eben zu Oma und Opa!“, würde ich erstmal ganz entspannt antworten:

„Na, dann pack schon mal deinen Koffer.“ 

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